Kletterpartie im Weinberg

Tour siebzehn Eine Tour, die dem Ostalb-Radler ungewohntes Terrain bietet: Es geht durch die Weinberge und über Höhenzüge, die weite Blicke bis nach Stuttgart möglich machen.
  • Kommt ein bisschen früh zum Rasten, ist aber ein schöner (und an kühleren Tagen ruhiger) Platz: der Badesee bei Plüderhausen.
  • Ein Brückle über die Wieslauf in Schlechtbach: Und gilt der „Hilfsmotor“-Text eigentlich auch für E-Bikes?
  • Aussichtsplatz mit Blick aufs Wieslauftal: Burg Waldenstein bei Rudersberg.
  • Einen Kittel wärmer: In den Weinbergen wachsen nicht nur Reben, oberhalb von Hebsack findet man sogar Kakteen.

Auf der Remstalroute

Zwei besondere Vorzüge hat diese Tour. Erstens den Untergrund: Wir sind fast nur auf Asphalt unterwegs – für Radler, die Schotterwege nicht leiden können, also ideal. Zum zweiten das Klima: So mild wie hier unten in Rems- und Wieslauftal ist das Klima auf der Ostalb nicht. Sehr zu empfehlen an kühlen Frühjahrs- oder Herbsttagen, wenn’s auf der Ostalb eher zugig ist – hier dagegen den sprichwörtlichen Kittel wärmer.

Wir starten am Gewerbegebiet in Weitmars und fahren das Remstal abwärts. An der Kreuzung beim Waldhäuser See folgen wir der Radweg-Beschilderung, die uns nun links der Bundesstraße talabwärts führt. Bei Plüderhausen stoßen wir in diesem Jahr auf in Radlerkreisen eher Ungewohntes: eine weiträumige Umleitung, wegen des Baus des Regenüberlaufbeckens vor Schorndorf. Wobei die Umleitung gut ausgeschildert ist und für Plüderhausen ohnehin gilt: So lange man die Richtung talabwärts hält, kann da kaum etwas schiefgehen. Durchs Industriegebiet Urbach geht’s nach Schorndorf, das wir links liegenlassen, wir radeln direkt unterhalb der Rebhänge des Grafenbergs. Dann immer parallel zur Bundesstraße zur Ausfahrt Winterbach und nach Hebsack.

Durchs Wieslauftal

Vier verschiedene Täler berührt die Tour, drei schöne Abfahrten sind dabei. Nach Abfahrt Nummer zwei kommen wir nun in Tal zwei und drei, numerisch nüchtern ausgedrückt. Die Abfahrt nach Krehwinkel und die rund eineinhalb Kilometer das kleine Tal des Weilerbachs vor nach Asperglen (auf ausgeschildertem Radweg) stehen exemplarisch für diese Tour: Wir sind viel abseits der Autostraßen – und nur die Abfahrten absolvieren wir auf guten, nicht arg frequentierten Straßen, die wir mit dem restlichen Verkehr teilen müssen. Wir fahren durch Asperglen, 50 Meter nach der Wieslauf-Brücke gleich links (die Radweg-Schilder sagen hier eigentlich geradeaus). Auf den Radweg stoßen wir später automatisch, und der präsentiert sich dann in Schlechtbach ziemlich einzigartig. Bis zur Hauptstraßenquerung noch recht nett durch verwinkelte Wohnstraßen und über ein Brückle, nach Querung der Hauptstraße wird die eher fußwegtaugliche Streckenführung dann ein bisschen abenteuerlich. Aber wer’s nicht so eilig hat und im Rennradtempo durchrauschen will, der kann die paar hundert verwinkelten Meter ganz gut verkraften. Wir folgen dem Radweg bis wir auf die Straße nach Zumhof stoßen.

Ein Sträßle wie im Allgäu

Es geht zum letzten Mal aufwärts – auf dem längsten Anstieg dieser Tour, der uns gut 250 Höhenmeter auferlegt. Wir fahren aufwärts durch den Ort Zumhof, dort halten wir uns kurz vor dem Ortsausgang halblinks (die Straße rechts führt auch ans Ziel), weil wir an der hübsch gelegenen Burg Waldenstein (erbaut zur Stauferzeit um 1200) vorbeikommen wollen. Dort wird es kurz heftig steil, dafür ist das schmale Bergsträßchen sehr nett. 300 Meter nach der Burg links hoch in den Wald, immer weiter bergauf. Kurz nach Edelmannshof kommt ein kurzes Stück Naturstraße, die aber so solide befestigt ist, dass man sogar mit dem Rennrad gut drüberkommt. Nach dem Ende der Steigung kommen wir durch Langenberg (wo sich ein Abstecher zum Kuppelbau der Sternwarte Welzheim anbietet), dann auf Eselshalden zu, dort in Richtung Breitenfürst. Im Ort rechts ab und bald beginnt die Schluss-Abfahrt der Tour durchs Walkersbacher Tal – rund neun Kilometer mit 200 Höhenmetern abwärts.

Die Tour im Überblick

Strecke: 59 Kilometer, 800 Höhenmeter

Dauer: 3 - 4 Stunden

Schwierigkeit: mittel

Start/Ziel: Ortseingang Lorch-Weitmars (beim Industriegebiet)

Streckenbeschaffenheit: 99 Prozent Asphalt, 1 Prozent Schotter (Naturstraße)

Streckenverlauf: Weitmars – Schorndorf – Hebsack – Hößlinswart – Erlenhof – Vorderweißbuch - Asperglen – Rudersberg – Zumhof – Langenberg – Breitenfürst – Walkersbach – Weitmars

Kondition: Für Kletterfreudige bietet die Tour drei Anstiege mit jeweils kurzen, knackigen Steilstücken

Landschaft: Das Gegenbild zur bisweilen rauen Ostalb: eine Gegend, deren milde Temperaturen an Weinbergen und den vielen Streuobstwiesen sichtbar werden

Sehenswürdig: Altes Rathaus Plüderhausen, Burg Waldenstein

Ziele, für die sich ein Umweg lohnt: Gottlieb-Daimler-Geburtshaus in Schorndorf, Winnenden, Sternwarte Welzheim

Einkehr: Burg Waldenstein, Waldgasthof Edelmannshof

Extra-Tipp: Wer Lust auf bequeme Extra-Kilometer hat, kann in Erlenhof einfach weiter geradeaus radeln bis zum Bachlauf, dann sind es (links talabwärts) auf gut ausgebautem Radweg nur fünf Kilometer bis nach Winnenden, dessen Innenstadt ein schöner Platz für eine kleine (Einkehr-)Pause ist.

Leserhinweis: Bei Tour 16 („Täler über Täler...“) ist bei der Herstellung der Karte ein Fehler passiert: Der Start der Tour ist natürlich nicht in Ellwangen, sondern bei Gschwend-Wildgarten. Wir bitten das Versehen zu entschuldigen.

In die Weinberge

Nachdem wir bei Schorndorf noch unterhalb der Weinberge geradelt sind, geht’s alsbald hoch. Es ist ein Platz zum Wärme tanken. Man merkt, dass wir am tiefsten Punkt der Tour sind, nur auf knapp 250 Meter über dem Meer. Warm wird es einem auch durch die Kletterpartie, die in Hebsack beginnt und die Erkenntnis erneuert: Weinberge können ganz schön steil sein. Auf halber Höhe am Südwesthang gibt es einen Platz, von dem aus man weit in Richtung Stuttgart blicken kann und wo es zudem besonders warm ist, so dass man fast immer auf dieser Runde versucht sein wird sein Windjäckle, sofern man eins anhat, in den Rucksack zu packen. Insgesamt sind es 150 Höhenmeter mit Steigungen von teilweise über zehn Prozent bis zum Wanderparkplatz „Roter Stich“. Jetzt nehmen wir die Landesstraße (L1140), es ist eine schöne Abfahrt nach Hößlinswart; dann weiter bis Erlenhof. Dort rechts hoch: der zweite Anstieg der Tour, ein Feldweg durch Streuobstwiesen. Wir erreichen einen Schau-ins-Land-mäßigen Höhenzug, von wo aus man Weitblicke genießen kann. Über Birkenweißbuch nach Vorderweißbuch, dann beginnt die feine Abfahrt auf der (wenig befahrenen) Straße nach Krehwinkel.

© Schwäbische Post 10.08.2018 18:16
245 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.