Mehr Fragen als Antworten

Nach der Verschiebung der Sommerspiele von Tokio gibt es fünf große Baustellen.
Nach der historischen Verschiebung der Sommerspiele in Tokio auf kommendes Jahr versuchen die Olympia-Macher das Chaos zu beseitigen. IOC-Präsident Thomas Bach sprach „von vielen tausenden Fragen“, die aktuell noch geklärt werden müssen – hier die fünf wichtigsten.

Termine Noch ist offen, ob Olympia auch 2021 im Spätsommer steigt – oder zu Frühjahrsspielen wird. Aber egal für welches Szenario sich das Internationale Olympische Komitee mit den japanischen Gastgebern entscheidet, werden die Konsequenzen auf den Sportkalender immens sein – auch bis nach Deutschland. Die Fußball-EM ist ebenfalls bereits auf 2021 verschoben. In olympischen Kernsportarten wie Schwimmen und Leichtathletik sind Weltmeisterschaften aktuell noch für kommendes Jahr geplant.

Qualifikation Eine der größten Sorgen der Sportler ist der Weg zu den Sommerspielen. 57 Prozent der Athleten hatten das Ticket für Tokio schon sicher – nun muss geklärt werden, welche Normen und Platzierungen noch Bestand haben. Triathlon-Bundestrainer Faris Al-Sultan sagte, er habe „null Informationen“ dazu. Zudem müssen die abgesagten Qualifikationswettbewerbe neu angesetzt werden.

Verträge Zeitlich ist bei vielen Sportlern alles auf einen olympischen Zyklus ausgelegt. Athleten wie Kanu-Olympiasieger Ronald Rauhe und Ringerstar Frank Stäbler wollten beispielsweise ihre Karriere eigentlich nach diesen Spielen beenden – und stehen nun vor einer unverhofften Verlängerung. Auch Förderung und private Verträge gelten häufig bis nach Olympia. „Den Athleten der Sportfördergruppen steht zum Glück kein Gehaltsausfall an, und den anderen Kaderathleten wurde durch die Sporthilfe ihre Weiterbezahlung versichert“, sagte Fecht-Olympiasiegerin Britta Heidemann, Mitglied in der Athletenkommission des IOC.

Logistik Ob alle rund 11 000 Olympia-Starter, ihre Betreuer und später rund 4400 Paralympics-Teilnehmer auch 2021 wie geplant in einem gemeinsamen Athletendorf wohnen können, ist laut Bach fraglich. Die 5632 Wohnungen sollten nach den Spielen an private Eigentümer übergeben werden, Schätzungen zufolge ist ein Viertel bereits verkauft. Zum neuen Termin von Olympia im kommenden Jahr müssen zudem auch die entsprechenden Hallen und Plätze zur Verfügung stehen. Einige Arenen sind anderweitig gebucht, andere waren nur temporär geplant.

Kosten Die Organisatoren versuchen die ohnehin schon immensen Kosten im Rahmen zu halten. Nach Schätzungen hätte Japan insgesamt mehr als 25 Milliarden Euro für die Sommerspiele ausgegeben. Einheimische Experten rechnen durch die Verschiebung nun mit weiteren Kosten von umgerechnet 5,4 bis 5,7 Milliarden Euro. dpa
© Südwest Presse 26.03.2020 07:45
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