50 Jahre Nikolaus-Lehrgang mit Fred Eberle: Wo Olympiasieger ein- und ausgehen

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Nikolauslehrgang Fred Eberle
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Der Nikolaus-Lehrgang feiert seinen 50. Geburtstag: Fred Eberle hat viele Weltklasseathleten in die Gmünder Großsporthalle geholt. Nun will der Erfinder den Jüngeren das Feld überlassen.

Schwäbisch Gmünd

Ein Nikolaus-Lehrgang ohne Fred Eberle: Geht das überhaupt? „Ja“, sagt der Erfinder der bundesweit anerkannten Veranstaltung, die seit Jahrzehnten vor allem Kinder weiterentwickelt und an diesem Samstag ihr 50-jähriges Bestehen feiert. Für den 80-Jährigen soll es der letzte Auftritt als Chef sein, die Tradition des Lehrgang soll aber fortgeführt werden. „Weil die Leichtathletik als grundlegende Sportart eine große Bedeutung hat.“

Fred Eberle hat sie aufgeschrieben: die Weltklasseathleten, Spitzentrainer, Wissenschaftler und Mediziner, die beim Nikolaus-Lehrgang bisher zu Gast waren. Und die Liste ist lang. Sehr lang. Kipchoge Keino, Dieter Baumann, Tobias Unger, Siggi Wentz, Jürgen Schult, Christian Schenk, Sandor Nemeth, Patriz Ilg, Werner Güthor, und, und, und. „Wir hatten stets große Persönlichkeiten beim Nikolaus-Lehrgang“, sagt Eberle.

Begonnen hat alles im Jahr 1972, damals als Vereinslehrgang. „Wir wollten uns Videos zu den Olympischen Spielen in München anschauen. Zu Hochspringerin Ulrike Meyfarth und Speerwerfer Klaus Wolfermann, die später auch Gäste des Nikolaus-Lehrgangs waren. Wir wollten eine Technikanalyse durchführen und in den Meinungsaustausch gehen“, sagt Eberle. Der damalige Cheftrainer der LG Staufen erinnert sich, wie schwierig es war, dieses Videomaterial zu bekommen, und so dauerte es bis Anfang Dezember, bis die Veranstaltung umgesetzt werden konnte. Geboren war damit der „Nikolaus-Lehrgang“. Und der hat sich innerhalb kürzester Zeit weiterentwickelt: vom Kreislehrgang über den württembergischen Lehrgang bis schließlich zum Bundeslehrgang. Längst ist „Eberles Baby“ zu einem bundesweiten Lehrkongress für Übungsleiter, Trainer, Pädagogen und Lehrer geworden, weil er selbst verantwortlich für Bildung und Wissenschaft im DLV war. Und auch, weil die Großsporthalle in Gmünd perfekte Bedingungen dafür bietet. „Das ist ein idealer Ort für die Lehre. Auch an diesem Samstag können wir sechs Stationen anbieten.“ Und auch an diesem Samstag kommt ein Hochkaräter: Ulrich Knapp, Trainer der Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo.

Doch bei all den namhaften Gästen: Der Pädagoge Eberle stellt seit vielen Jahren die Kinder in den Mittelpunkt. „Wir wollen den Weg von der Kinder-Leichtathletik zu den Spitzenathleten aufzeigen“, sagt der WLV-Ehrenpräsident. Sämtliche Sportarten seien abhängig von koordinativen Fähigkeiten wie schnell und flink sein. Eberle erinnert an die Grätsche von Fußball-Nationalspieler Nico Schlotterbeck im WM-Spiel gegen Spanien. „Die Grundvoraussetzung war, dass er schnell ist.“ Und er erinnert an einen markanten Ausspruch der Handball-Legende Bernhard Kempa: „Er sagte einst, dass Handball angewandte Leichtathletik ist.“

Als es Leberkäse-Briegel gab

Diese Grundfähigkeiten und Fertigkeiten dem Nachwuchs zu vermitteln, das hat sich Eberle zur Lebensaufgabe gemacht. Wie kaum ein anderer hat er in den 50 Jahren sein hohes Fachwissen eingebracht und weitergeben. Er hat den Kindern im „goldenen Lernalter“ die Grundausbildung mitgegeben und durfte mitanschauen, wie namhafte Athleten entstanden sind. Allen voran der Lorcher Zehnkämpfer Siggi Wentz.

Fred Eberle hat bei den 50 Lehrgängen aber auch Kurioses erlebt. Beispielsweise als es um ausgewogene Ernährung ging, zum Mittagessen aber Leberkäse-Briegel serviert wurden. Auch gab's Gäste, die er im Nachhinein als „schwierig“ bezeichnet. Aber: „Ich hätte auf niemanden verzichten möchten.“

Das gilt vor allem für das Team beim Nikolaus-Lehrgang. Allen voran Jutta und Norbert Bryxi. „Wir waren von Anfang an ein tolles Team, ohne das das alles nicht möglich gewesen wäre“. Fred Eberle wird nach 50 Jahren den Jüngeren das Feld überlassen. Der Nikolaus-Lehrgang bleibt aber weiter fester Bestandteil in seinem Terminkalender. „Ich wohne unweit der Großsporthalle, und ich werde auch in Zukunft vorbeischauen.“

Bei seinem Nikolaus-Lehrgang, den es ohne Fred Eberle nicht geben würde.

Hohe Auszeichnung für Jutta Bryxi

Jutta Bryxi wird beim Nikolaus-Lehrgang an diesem Samstag mit dem Friedrich-Wilhelm-Heyden-Preis 2022 des Württembergischen Leichtathletikverbandes ausgezeichnet. Damit würdigt der WLV die jahrzehntelange Arbeit von Bryxi für die Kinderleichtathletik in Schule, Verein und Verband. Mit dem Preis werden Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise um die Jugend-Leichtathletik und um die Lehre der Leichtathletik verdient gemacht haben.

Fred Eberle im Jahr 2002.
Nikolauslehrgang Fred Eberle
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