Aaron Fröhlich: 1000 Tore sind ein schöner Grund zum Aufhören

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"Der vielleicht beste Abwehrspieler, der je unser Trikot getragen hat." Mit diesen Worten blickte TSB-Abteilungsleiter Michael Hieber (am Mikro) auf die Karriere von Abwehrchef Christian Waibel zurück.

Zum Oberliga-Saisonfinale kamen beim TSB Gmünd viele Erinnerungen und auch Tränen hoch. Die insgesamt sieben Verabschiedungen bedeuten nicht weniger als das Ende einer glanzvollen Ära. Die Talente aus dem eigenen Nachwuchs haben allerdings bewiesen, dass es den Jets um die Zukunft nicht bange sein muss. Schoch

Schwäbisch Gmünd. Steil nach oben ging es für den TSB während der zweijährigen Amtszeit von Trainer Dragoș Oprea, obwohl diese von einem monatelangen Corona-Lockdown und der annullierten Saison 2020/21 unterbrochen wurde. Aus einem Beinahe-Absteiger hat sich ein Oberliga-Spitzenteam entpuppt. „Die Wiederentdeckung unserer Mentalität und Emotionalität“ sei der große Verdienst des früheren Bundesligaprofis, wie TSB-Abteilungsleiter Michael Hieber glücklich feststellte. 40 Punkte holten die Gmünder in 34 Partien unter der Leitung von Oprea, der nun bei seinem Jugendverein TSB Heilbronn-Horkheim den nächsten Schritt machen möchte. „Wir sind stolz, ein Sprungbrett deiner hoffentlich erfolgreichen Trainerkarriere gewesen zu sein“, so wünschte ihm Hieber viel Erfolg für die neue Aufgabe in der 3.Liga.

 

Auch Rückraumspieler Marian Rascher hat einen bleibenden Eindruck beim Gmünder Publikum hinterlassen, obwohl er lediglich zwei Spielzeiten lang das TSB-Trikot trug und nun künftig kürzertreten wird. Der 26-Jährige stach nicht nur als zuverlässiger Siebenmeterschütze hervor, sondern besonders als „Emotional Leader“ in einer extrem jungen Mannschaft. „Er ist einer, der bis zum letzten Tropfen kämpft und nicht nur sportlich ein ganz großer Zugewinn für unseren Verein gewesen ist“, sagte Hieber. Künftig wird Rascher als spielender Co-Trainer für seinen Heimatverein TSV Bartenbach in der Landesliga aktiv sein.

 

Als württembergischer A-Jugendmeister und mit der Erfahrung von 20 Oberliga-Auftritten verabschiedet sich Torwarttalent Devin Immer vom TSB. Gegen Herrenberg stellte der 19-Jährige in der Schlussphase sein enormes Potenzial unter Beweis. Kein Wunder, dass die Gmünder ihn nur ungern zur TSG Söflingen ziehen lassen. In der neuen Oberliga-Saison kommt es dann zum Wiedersehen.

 

Mit erst 23 Jahren zählte Sven Petersen bereits zu den erfahrensten Akteuren im Team. Bereits als 17-Jährige debütierte das Gmünder Eigengewächs in der vierten Liga. 132 Partien (363 Tore) hat er inzwischen bestritten, trennt sich aufgrund seiner beruflichen Belastung aber vorerst vom Handballsport. „Vielleicht ist es kein endgültiges Aus“, hofft Hieber auf eine Rückkehr von Petersen, den er als „absoluten Wunschtyp“ für jeden Trainer bezeichnet: „Er ist ein unfassbar loyaler Mensch und geht mit vollem Herzen in alles, was er anpackt.“

Ständchen zum 34. Geburtstag

Mit einem Ständchen der Zuschauer zum 34. Geburtstag wurde Christian Waibel nach bedacht. „Der vielleicht beste Abwehrspieler, der je unser Trikot getragen hat“, wie sein ehemaliger Trainer meint, setzt einen Schlussstrich unter seine erfolgreiche Karriere. „Er ist kein Lautsprecher, aber immer mit Vollgas und gutem Einfluss auf alle Kameraden dabei gewesen“, lobte Hieber. Über 350 Spieler bestritt der Defensivstratege seit 2006 für den TSB, gekrönt von den beiden Oberliga-Aufstiegen 2014 und 2019. Die Achse mit Waibel, Spielmacher Aaron Fröhlich und Tormann Sebastian Fabian hat beim TSB eine Ära geprägt und sich in den vergangenen zehn Jahren in ganz Baden-Württemberg einen Namen gemacht.

400 Einsätze als Keeper

Fabian war mit über 400 Einsätzen seit 2006 die absolute Konstante auf der Torwartposition beim TSB. Hieber schloss seinen früheren Schützling zum Abschied deshalb innig in die Arme und sprach ihm seine Anerkennung aus: „Du bist als Person für unseren Verein unglaublich wichtig, bist zu einem der besten Keeper überhaupt geworden und hast alle Höhen und Tiefen durchgemacht. Du bist einer von uns und das wird sich niemals ändern.“

Jederzeit der entscheidende Mann

Dass dann sogar die Gegner aus Herrenberger stehend Applaus spendeten, als Aaron Fröhlich verabschiedet wurde, spricht für sich. Der Kapitän hatte mit vier Treffern zuvor die 1000 Tore-Marke in der Oberliga erreicht – und das wohlgemerkt in nur 157 Spielen. Ein schöneres Finale, um damit würdig abzutreten, hätte sich der frischgebackene Familienvater wohl kaum ausmalen können. „Du warst zu jederzeit der entscheidende Mann, du hast mit deiner Übersicht und deinen taktischen Fähigkeiten stets Verantwortung auf dem Spielfeld übernommen. Wir werden einen guten Weg finden, dass du uns erhalten bleibst – denn du stehst für den TSB“, betonte Hieber nochmals den Wunsch, Fröhlich in die Zukunft des Vereins einzubinden.

Minutenlanger Applaus


Der enorme Zuschauerzuspruch und die „grandiose Stimmung“ in der Halle seien während seiner zehn Spielzeiten im TSB-Trikot stets der große Antrieb gewesen, dankte der Rekord-Torjäger dem Publikum, das ihm minutenlang applaudierte: „Denn nur zusammen kann man so unheimlich viel erreichen, wie wir es geschafft haben.“ Mit noch mehr Stolz als die eigenen sportlichen Leistungen erfüllt ihn der Blick auf die von ihm geprägte Jugendarbeit beim TSB: „Das war vor einigen Jahren noch ziemlich dürftig.“ Inzwischen durften mehrere „seiner“ Jungs aus dem Jahrgang 2002 bereits Oberliga-Luft schnuppern. Sie werden in Zukunft noch mehr in der Verantwortung stehen als ohnehin schon. Tom Abt hat nicht erst mit seiner starken Vorstellung und zehn Toren im Saisonfinale bewiesen, dass er die Fußstapfen seines Lehrmeisters Aaron Fröhlich künftig ausfüllen kann. „Man hat die gesamte Saison über gesehen, dass es dem TSB für die nächsten Jahre nicht bange sein muss“, freut sich Fröhlich.

Abschiedsspiel am 10. Juli

Bevor der Generationenwechsel endgültig vollzogen wird, dürfen die TSB-Fans aber nochmal einem Highlight mit nostalgischem Charakter entgegenfiebern. Am 10. Juli gibt es ein Abschiedsfest in der Großen Sporthalle – einschließlich einem Einlagespiel mit der Aufstiegsmannschaft von 2014. Waibel, Fabian und Fröhlich – die letzten drei Akteure, die beide Oberliga-Aufstiege miterlebt haben, werden dann noch ein allerletztes Mal in den Harztopf greifen.  

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