Aikido ist gelebte Physik

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Karl Köppel zeigt seinen Schüler, wie man die Technik richtig einsetzt. Seine Erfahrung von über 45 Jahren Aikido gibt er auch auf Bundesebene weiter. Mit dem 8. Dan ist er zudem der am höchsten ausgezeichnete Aikidoka in Deutschland.

Die Aalener Sportallianz betreibt eine etwas andere Art der Kampfkunst. Es gibt keine Wettkämpfe, Gewichts- und Altersklassen. Dennoch gibt es sehr effektive Techniken.

Es gibt viele Kampfsportarten: Judo, Jujutsu, Karate und viele andere. Aikido unterscheidet sich deutlich von den anderen, erklärt Karl Köppel. Köppel macht seit 1972 Aikido, besitzt den 8. Dan (Meistergrad) und leitet die Aikido-Abteilung der Aalener Sportallianz.

"Bei uns gibt es keinen Leistungsdruck", nennt Köppel wohl den größten Unterschied von Aikido zu den anderen Kampfkünsten. Eine Aussage, die in der heutigen Zeit zwar verwundert, aber den Sinn von Aikido widerspiegelt. So gibt es keine Wettkampfformate, da man mit seinem Trainingspartner eine Einheit bildet.

Hierbei geht es aber nicht darum, dem Angreifer weh zu tun. Mit Kreis- und Spiralbewegungen wird er so außer Kraft gesetzt, dass er von selbst aufgibt bzw. sich abrollt. Dabei werden Techniken aus anderen Disziplinen vom Budo, was der Oberbegriff aller japanischer Kampfkünste ist, angewendet. Das hat vor allem damit zu, dass Meister Morihei Uyeshiba fast alle traditionellen Kriegskünste der Samurai erlernte, bevor er Aikido schuf.

Keine Altersklassen

Mitte der 1960er-Jahre kam der Sport nach Deutschland. Aufgebaut haben ihn Judoka, die aufgrund ihres Alters nicht mehr an Wettkämpfen teilnehmen konnten. Was nicht heißt, dass diesen Sport nur alte Menschen ausüben. Zwar ist die älteste Teilnehmerin in Wasseralfingen 78 Jahre alt, aber auch Jugendliche sind bei den Trainingsstunden dabei. "Zu uns kommen Menschen aus den ganz unterschiedlichsten Gründen. Wir hatte mal ein junges Mädchen dabei, die lernen wollte, wie man sich richtig fallen lässt. Sie ist nämlich sehr oft hingefallen und wollte endlich richtig fallen", sagt Köppel.

Ein weiterer wichtiger Unterschied zu anderen Kampfkünsten ist, dass es keine Gewichts- und Altersklassen gibt. "So kann ich mir, je wie ich mich fühle, einen Partner auswählen, mit dem ich trainieren möchte. Zudem ist es ja auch durchaus möglich, von jemanden angegriffen zu werden, der körperlich eine ganze andere Statur als man selbst", erklärt Harald Habermann, der selbst den ersten Dan besitzt.

Ranghohe Trainer

Er trägt wie seine Kollegen einen schwarzen Hakama, eine Art Hosenrock, den man ab dem ersten Dan verliehen bekommt. Habermann ist im Grad aber noch etwas hinter Köppel zurück. Dieser ist mit seinem 8. der am höchsten ausgezeichnete Aikidoka in Deutschland. Diesen hat er wie sein Trainerkollege Thomas Prim, der den 6. Dan besitzt, ehrenhalber bekommen, da nur bis zum 5. Dan geprüft wird. So dürfen beide auch einen rot-weißen Gürtel tragen, den man vom 6. bis zum 9. Dan trägt, und sitzen zudem in der technischen Kommission auf Bundesebene. Dort sitzen die 15 ranghöchsten Aikidoka und sind verantwortlich für die Lehre, die Technik und das Prüfungswesen.

Es schult ein Verhalten.

Thomas Prim Aalener Sportallianz, 6. Dan

Ihnen fällt dabei immer auf, dass Anfänger zuerst immer nur auf die Füße schauen. Nach gewisser Zeit gucken sie dann auf die Hände des Partners und wieder etwas später den Angreifer als Ganzes. Wenn sie das erreicht haben, bekommen sie ein viel besseres Gefühl für Gefahren. "Es schult ein Verhalten", ist sich Prim sicher.

Verhaltensschulung

Wichtig ist ihm dabei zu erwähnen, dass es um Respekt geht und man einen Perspektivwechsel bekommt. Zudem kann man nach einer gewissen Zeit die schwache Seite des Gegenübers erkennen, was in "aggressiven" Situationen vom Vorteil sein kann. "Die häufigste Frage, die uns gestellt ist, ob wir Aikido schon mal anwenden mussten. Wir sind froh, dass es noch nicht der Fall war", spricht Köppel für sich und seine Kollegen.

Ein Grund ist für sie das bereits erwähnte Gefühl für solche Situationen, sodass man eine Eskalation vermeiden kann. Sollte es dennoch mal zum Äußerstem kommen, wissen sie die Wissenschaft auf ihrer Seite. "Aikido ist gelebte Physik", stellt Köppel die Kampfkunst vereinfacht dar. Mit einem einfach Griff kann er zum Beispiel das Handgelenk so verbiegen, dass er seinen Gegner in die Knie zwingt.

Trainiert wird manchmal auch mit japanischen Waffen. Hauptsächlich sind das Bokuto, ein Holzschwert, Jo, ein runder Holzstock, und Tanto, ein kleines Kampfmesser. Sie dienen zur Verinnerlichung der Bewegungsabläufe. Die werden immer wieder trainiert, um für den Fall der Fälle vorbereitet zu sein.

Was brauche ich, um mit Aikido anfangen zu können?

Ausrüstung: Dafür ist zu Beginn gar nicht viel notwendig. Man kann zu Beginn in bequemer Sportkleidung kommen, bevor man den weißen Judogi anziehen muss. Zum Training sollte man auch Badeschlappen mitnehmen, da man auf der Matte nur barfuß sein darf und so den kalten Hallenboden nicht barfuß betritt.

Training: Wenn das Interesse geweckt ist, bietet die Aalener Sportallianz die Möglichkeit mitzutrainieren. Für Kinder von 8-18 Jahren ist es dienstags von 16.30 bis 18 Uhr in der Spiesel-Halle. Jugendliche ab 15 Jahren und Erwachsene können montags (19-22 Uhr), mittwochs (20-21.45) oder freitags (20-22) in der TSV-Halle trainieren.

Es wird auch mit Waffen trainiert, um zu wissen, wie man sich dagegen verteidigt.

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