Alex Zorniger erlöst mit dem Titelgewinn die Apollon-Fans

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Alexander Zorniger wird von den Fans gefeiert.
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Nach 16 titellosen Jahren: Der Fußballlehrer aus Schwäbisch Gmünd und sein Co-Trainer Beniamino Molinari sorgen für Begeisterungsstürme in Limassol - und spielen jetzt in der Champion-League-Qualifikation.

Limassol

Zwei Stunden Schlaf, mehr waren nicht drin in der Meister-Nacht von Apollon Limassol. Alexander Zorniger hat die Bilder noch vor Augen und spricht von einer „unfassbaren Feier“. Mit dem Titelgewinn haben der 54-Jährige und sein Co-Trainer Beniamino Molinari dem Club einen lang ersehnten Traum erfüllt. Die ganz große Party soll am letzten Spieltag steigen. Am kommenden Sonntag werden in der Innenstadt 100 000 Fans erwartet.

Schon vor dem Schlusspfiff haben die Ordner die Tore geöffnet. „Tausende Fans stürmten in den Innenraum und versammelten sich ums Spielfeld“, sagt Zorniger. Dessen Team lag zu diesem Zeitpunkt mit 4:1 gegen den Stadtrivalen Aris Limassol vorne, die Meisterschaft war perfekt. „Als das Spiel zu Ende war, ist alles zusammengebrochen“, sagt der Apollon-Trainer. „Fans haben die Tore und die Bandenwerbung abgebaut, sie haben Teile des Rasens rausgerissen. Ich weiß nicht, wie sie das aus dem Stadion gebracht haben ...“ Auch Zorniger war umlagert von den Anhängern, und seine Spieler feierten nur noch in Unterhosen bekleidet den Titel. Als er nach über einer Stunde den Weg in die Umkleidekabine geschafft hatte, war dort nichts mehr zu sehen. Nur Nebel von den gezündeten Pyros. Mit dem Bus ging's in die Stadt, und auch dort herrschte Ausnahmezustand: Zehntausende zündeten Bengalos, die Straßen waren feuerrot erleuchtet - bis in die frühen Morgenstunden. „Das war Wahnsinn“, sagt Zorniger - wohl wissend, dass die Party erst richtig los geht. Mit Höhepunkt am kommenden Sonntag, wenn das letzte Saisonspiel gegen AEK Larnaca ansteht. „Da werden 100 000 Fans in der Stadt erwartet.“ Es zeigt, wie groß die Titel-Sehnsucht bei Apollon war.

Karaoke als „Turnaround“

Wobei diese Tatsache auch die Arbeit des Gmünder Trainerduos nicht einfacher gemacht hat. „Die Meisterschaft steht über allem“, sagte Zorniger bei Amtsantritt. Und das Team lag von Anfang an auf Kurs. „Letztendlich waren wir in 27 von 31 Spieltagen Erster, an der Korrektheit der Meisterschaft gibt es keine Zweifel“, sagt der Fußballlehrer. Und lässt ein Aber folgen: „... aber es gab auch Phasen, in denen es nicht so lief.“ Im März und April hat Apollon neun Spiele in Folge nicht gewonnen, achtmal davon unentschieden gespielt. Dass der Verein trotzdem stets Erster war, lag an der Konkurrenz, die ebenso patzte. Dennoch: Zorniger musste reagieren. Untypisch für ihn ist er Kompromisse eingegangen, „es war eine Adaption nötig“, wie er sagt. Der Vorwurf der Spieler: Er sei zu fordernd. „Ich habe ihnen etwas gegeben, habe dafür aber auch etwas erwartet.“ Und: Zorniger hat spontan ein dreitätiges Trainingslager angesetzt. „Es gab dabei zwei Teamaktivitäten, und ein Karaoke-Wettbewerb war im Nachhinein der 'Turnaround'. Das war ein Mannschaftsabend, der unter besten Kumpels nicht besser hätte sein können.“ Was Zorniger außerdem gemacht hat: die Situation analysiert und mit den Verantwortlichen um Präsident Nicos Kirzis darüber gesprochen. „Wir haben an mehreren Stellschrauben gedreht, und alles war richtig.“ Der Fußballlehrer genoss weiter das Vertrauen, und das ist auf Zypern keineswegs selbstverständlich. „Zehn von zwölf Vereine haben in dieser Saison einmal oder öfter den Trainer gewechselt.“ Nicht so Apollon Limassol.

Die beiden Gmünder Alexander Zorniger und Beniamino Molinari haben das große Vertrauen zurückbezahlt. Und der Titelgewinn spült zudem rund 5 Millionen Euro in die Vereinskasse, weil Apollon Limassol nun international dabei ist. Als zypriotischer Meister spielt der Club Anfang August um die Qualifikation zur Champions League. Zorniger kann aktuell schwer einschätzen, wie groß die Chance auf die Königsklasse ist. Nur soviel: „Es wird eine Herausforderung.“

Zunächst aber ist Urlaub angesagt. Entspannen nach 11 Monaten Dauerstress mit den Feierlichkeiten als Höhepunkt. Die Familie Zorniger fliegt deshalb heim nach Deutschland. Wobei auch dort viele Gratulanten auf den Meistertrainer warten.

Ich habe den Spielern etwas gegeben.“

Alexander Zorniger, Trainer Apollon Limassol

Zorniger und Molinari: gemeinsam beim FC Normannia

Es war ihre erste gemeinsame Saison als Trainer und Co-Trainer. Zusammengearbeitet haben Alexander Zorniger und Beniamino Molinari aber schon beim FC Normannia Gmünd. Zorniger war damals ebenso Trainer, Molinari sein Spieler und verlängerter Arm auf dem Platz.

Über seinen Co-Trainer sagt Zorniger, dass „er mit der entscheidende Mann war“. Molinari habe oft konträre Ansichten und er wisse, wie „mein Fußball aussehen muss“. Außerdem sei das Vertrauen der Spieler in den Co-Trainer riesig. „Moli ist das Bindeglied zwischen mir und der Mannschaft“, sagt Zorniger.

Die Meister-Trainer von Apollon Limassol: Alexander Zorniger und sein Co-Trainer Beniamino Molinari haben den Verein vorzeitig zum Titel auf Zypern geführt.
Ausnahmezustand in Limassol: Die Apollon-Fans feiern den Titelgewinn.
Ausnahmezustand in Limassol: Die Apollon-Fans feiern den Titelgewinn.

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