Kommentar : Alexander Haag über die Bilanz von Trainer Uwe Wolf beim VfR Aalen

Barini rettet die Urlaubsstimmung

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Kollektiver Jubel im letzten Saisonspiel: Der VfR Aalen mit (von links) Kristjan Arh Cesen, Marcel Appiah, Alessandro Abruscia, Mark Müller, Ouadie Barini, Daniel Stanese, Leon Volz und Andreas Knipfer verabschiedete sich mit einem 4:2-Sieg gegen die TSG 1899 Hoffenheim II in die Sommerpause.
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Nach zuvor fünf sieglosen Partien: Im letzten Saisonspiel gelingt den Ostälblern mit einem 4:2 (2:1) bei der TSG 1899 Hoffenheim II die Wende. Trainer Uwe Wolf: „Wir haben unser Ziel erreicht.“

Sinsheim.

Nach zuletzt vielen Rückschlägen gab's einen versöhnlichen Saisonabschluss: Der VfR Aalen hat sich mit einem verdienten 4:2 (2:1)-Erfolg bei der TSG 1899 Hoffenheim II in die dreiwöchige Sommerpause verabschiedet. Der Absturz auf einen der letzten sechs Plätze wurde verhindert - die Ostälbler beenden die Runde mit 52 Punkten als Tabellen-13.

Uwe Wolf ist beim Saisonfinale von seinem hoch gelobten Jugendstil abgekommen. Die A-Junioren Michael Schaupp und Holger Bux saßen nur auf der Bank, und die Dreierkette wies beim Anpfiff einen Altersschnitt von 30,3 Jahren auf: mit Marcel Appiah (33), Gino Windmüller (31) und Daniel Stanese (27). „Natürlich tut so eine Achse gut“, sagt Mittelfeldregisseur Alessandro Abruscia, der selbst 30 Jahre alt ist. Es waren also die Erfahrenen, die lange verletzt gefehlt haben und es zum Schluss richten sollten. Und auch wenn sie nicht fehlerfrei waren, sie verliehen dem VfR Aalen wieder deutlich mehr Stabilität.

Trotz fünf siegloser Spiele in Folge begannen die Ostälbler selbstbewusst und diktierten von Anfang an das Geschehen gegen die extrem junge Bundesliga-Reserve aus Hoffenheim. Und: Nach nicht einmal einer Viertelstunde stand's bereits 2:0.

12. Minute: Leon Volz setzt sich auf der rechten Seite durch, seine Hereingabe drückt Ouadie Barini über die Linie - 1:0.

14. Minute: Nach einem Eckball von Abruscia steht Mark Müller goldrichtig und staubt ab - 2:0. Es war der erste Regionalligatreffer des 19-Jährigen.

Es ging weiter Schlag auf Schlag. Volz (23.) und Abruscia (24.) ließen weitere Möglichkeiten ungenutzt. Dann allerdings setzten die Hoffenheimer ein erstes Ausrufezeichen. VfR-Keeper Matthias Layer war bei einer Direktabnahme von Rui-Jorge Monteiro-Mendes zur Stelle (34.). Jetzt waren es die Gastgeber, die am Drücker waren - und durch Quincy-Lee Butler vor dem Pausenpfiff zum Ausgleich kamen (40.). Der zweite Durchgang, in dem Windmüller verletzungsbedingt in der Kabine blieb, begann zunächst verhalten. Bis eine Standardsituation zum dritten Aalener Treffer führte. Abruscias Freistoß beförderte Mario Erb ins eigene Tor - 1:3 (57.). Was Wolf dann ärgerte: Direkt nach Wiederanpfiff ging Stanese nur halbherzig zur Sache, Butler hatte keine Mühe den erneuten Anschlusstreffer zum 2:3 zu erzielen (59.). Es folgten zwei Großchancen, die jeweils kläglich vergeben wurden. Zuerst köpfte Kai Merk freistehend aus kurzer Distanz TSG-Keeper Robin Julian Balters in die Arme (64.), dann brachte der Hoffenheimer Fisnik Asllani das Kunststück fertig, den Ball aus zwei Metern (!) übers Tor zu schießen (69.). „Den kann man schon mal machen“, sagte auch Aalens früherer Torjäger Marcus Steegmann - und lächelte. Für freudige Gesichter beim VfR Aalen sorgte schließlich Ouadie Barini. Der Angreifer hatte viel Platz, blickte kurz auf - und hämmerte den Ball aus 22 Metern in den Winkel - 2:4 (72.). Es war der Schlusspunkt in einem unterhaltsamen Saisonfinale - und für den 29-Jährigen eine weitere Empfehlung für einen neuen Vertrag beim VfR Aalen.

Nur drei Wochen Pause

Aufatmen auch bei Wolf nach dem Schlusspfiff. „Das war ganz wichtig, dass wir uns mit einem Dreier in die Pause spielen. Sonst hätte das Ergebnis sehr lange gestanden, bis wir es wiedergutmachen hätten können.“ Und nicht nur das: Auch die Negativserie wurde rechtzeitig zur Sommerpause beendet. „Wir sind mit dem Ziel angetreten, sechs Mannschaften hinter uns zu lassen - das haben wir erreicht“, bilanziert Wolf. Und blickt selbstbewusst nach vorne. „Unser Plan ist, in drei Jahren in obere Gefilde zu kommen, da wollen wir in der kommenden Saison den nächsten Step machen.“

Die Vorbereitung dazu beginnt in Kürze. Uwe Wolf gönnt seinen Profis nur drei Wochen Urlaub. Trainingsauftakt zur Saison 2021/2022 ist am 5. Juli.

Ein Video gibt's unter www.schwaebische-post.de

Natürlich tut so eine Achse gut.“

Alessandro Abruscia, Mittelfeldspieler des VfR Aalen

Der Aufschwung bleibt aus

Platz 13 - der VfR Aalen hat das zu Saisonbeginn ausgegebene Minimalziel erreicht: den Klassenerhalt. Auch dann, wenn es bei sechs Absteigern geblieben wäre. Die Vereinsführung hat zwischenzeitlich daran gezweifelt - und im März überraschend den Trainer gewechselt. Roland Seitz wurde entlassen, Uwe Wolf geholt. Sportlich bezahlt gemacht hat sich dieser Tausch bislang nicht. Seitz' Bilanz war sogar einen Tick besser. Der gefeuerte Coach hat in 28 Partien durchschnittlich 1,25 Punkte geholt. Sein Nachfolger in 14 Spielen nur 1,21. Das ist enttäuschend, zumal er vollmundig Platz 8 als neues Ziel ausgab.

Was man dem 53-Jährigen zugute halten muss: dass die Mannschaft einen attraktiveren Fußball spielt. Und es ist ihm gelungen, junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs bei den Profis zu integrieren.

Andererseits geht Wolf oft fragwürdige Wege. Er praktiziert einen harten und teilweise nicht mehr zeitgemäßen Führungsstil. Er kritisiert Spieler öffentlich. Stellt sie durch Ein- und vorzeitige Auswechslungen bloß. Bislang haben Präsidium und Aufsichtsrat das stillschweigend hingenommen. Ob sie das in der neuen Saison auch tun können, hängt allein vom Erfolg ab.

Ein Punkteschnitt von 1,21 wird aber sicher nicht reichen.

alex

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