Bud Spencer? Er wird's gewesen sein

  • Weitere
    schließen
+
Der einstige VfB-Profi Helmut Dietterle (links) und SchwäPo/GT-Sportchef Werner Röhrich (rechts) unterhalten sich mit dem Journalisten und Buchautor Oskar Beck auf der SchwäPo-Dachterrasse.
  • schließen

Lange Jahre prägte Oskar Beck den Sportteil der Stuttgarter Nachrichten. In seinem neuen Buch „Und alles wegen Ali“ finden sich auch Geschichten von der Ostalb wieder.

Ostalbkreis.

Längst vorbei sind die Zeiten, als Zigtausende von Fußballfans - und nicht nur solche - seine Berichte über den VfB Stuttgart in den Stuttgarter Nachrichten täglich zum Frühstück verspeisten. Oskar Beck ist ein vielgefragter Mann in der Medienbranche. Seit er Ende der 80er Jahre seinen Chefsessel in der Sportredaktion der auflagenstärksten Tageszeitung in der Landeshauptstadt Baden-Württembergs verlassen hat, reist er als freier Autor um die Welt. Bei zehn Fußball-Weltmeisterschaften war er vor Ort, von Superbowl-Endspielen und Olympischen Spielen hat er direkt aus den Stadien berichtet. Diverse Bücher sind bereits erschienen. „Und alles wegen Ali“ ist sein neuestes Werk, in dem der gebürtige Remstäler über seine Begegnungen aus fünf Jahrzehnten mit den Stars dieser Welt erzählt. Es sind die Geschichten hinter der Geschichte, denen der Sportreporter stets nachspürt und die er versteht, in humorvoll treffender Weise zu pointieren.

Boxlegende Muhammad Ali, der dem damals jungen Oskar Beck den Einstieg in den Journalismus bescherte, zählt ebenso dazu wie Pele, der Beck „das kürzeste Interview meines Lebens“ schenkte, oder Mike Tyson, Jimmy Connors, Ben Johnson, Boris Becker, Jogi Löw und und und.

Auch die Ostalb ist vermerkt. Süffisant wirft Beck die Frage auf, ob Bud Spencer tatsächlich zur Einweihung des Gmünder Bud Bades persönlich zugegen war. Bei seinen Filmen, das durfte der Journalist bei Dreharbeiten in der Hitze Santa Fes erstaunt zur Kenntnis nehmen, stand der Haudrauf nur selten selbst vor der Kamera. Oft ließ er sein Double ran. „Ganz Gmünd freut sich auf Bud – aber ist es auch wirklich Bud, der da kommt? Oder schickt er Ron?“ fragt Beck sich und seine Leser.

Bud Spencer im Gmünder Freibad

Der Anlass für seine Gmünder Geschichte, die er in seinem neuesten Buch erzählt, ist weit mehr als ein halbes Jahrhundert alt. „Den Staub und den Schimmel habe ich vom 'Sportbericht' vom 9. Juli 1951 erst herunterklopfen müssen – aber jetzt weiß ich, was damals beim Schwimmländerkampf Deutschland gegen Italien im Freibad am Schießtalsee in Schwäbisch Gmünd los war“, schreibt er. „Die Post ist abgegangen, mit Musik. 5000 Zuschauer waren da, darunter der extra aus Stuttgarter herbeigeeilte Sonderberichterstatter Hans Saile - und der klimperte dann virtuos auf der Klaviatur seiner Nachkriegsschreibmaschine.“

Bud Spencer, damals noch unter seinen bürgerlichen Namen Carlo Pedersoli mehrfacher italienischer Spitzenschwimmer und späterer Olympiateilnehmer, lockte die Zuschauer aus dem ganzen Land zum Schwimm-Länderkampf in Gmünder Schießtal. Und er kehrte „als 82-jähriger, schwergewichtiger Rentner“ (Beck) wieder, um den neuen Freibad seinen Namen zu geben.

„Er wird es schon gewesen sein“, zwinkert Oskar Beck bei seinem Redaktionsbesuch in der Schwäbischen Post vergangene Woche auf die Nachfrage, ob er tatsächlich an ein Double in Gmünd glaube.

Begleitet zu einem amüsanten Gespräch auf der Dachterrasse der SchwäPo, dem Verlagsgebäude der Schwäbischen Post und Gmünder Tagespost, hat ihn Helmut Dietterle. „Als Journalist hast du nicht viele Freunde“, bekennt Oskar Beck. „Nur zwei sind mir geblieben. Helmut Dietterle und Karl Allgöwer“, sagt er. Dass beide Eingang in sein neuestes Werk „Und alles wegen Ali" gefunden haben, ist selbstredend. „Helmut war der erste Fußballer, der mir beim VfB Stuttgart über den Weg gelaufen ist“, erzählt der heute 71-Jährige im lässigen Outfit aus den Anfangsjahren seiner journalistischen Laufbahn. Zitate des damals noch unerfahrenen jungen Profifußballers von der Ostalb sind Beck bis heute hängengeblieben. Über Dieter Hoeneß, mit dem Dietterle zuvor beim VfR Aalen gespielt hatte, hat ihm Helmut Dietterle unverblümt gesagt: „Wenn Du mit Dieter Hoeneß Doppelpass spielen willst, musst du ihn anschießen.“ Das Zitat - das nach seiner Veröffentlichung der Schlichtung bedurft hatte - zählt zu den Sprüchen der Sportstars, die Oskar Beck in seinem neuesten Werk verewigt hat.

Die VfB-Kämpen von einst

Immer wieder ist der Weltklasse-Journalist - um in der Sportlersprache zu bleiben - zu Besuch auf der Ostalb. Die VfB-Kämpen von einst - Helmut Dietterle zählt dazu, Markus Elmer und Karl Allgöwer ebenso - treffen sich gelegentlich zum geselligen Meinungsaustausch, um den Bogen von gestern auf heute zu schlagen. Auch Oskar Beck fühlt sich in dieser Runde wohl. Vergangene Woche trafen sie sich in der Erzgrube in Wasseralfingen. Die Gespräche bilden eine wahre Fundgrube von Begebenheiten aus der großen Welt des Sports. Die besten davon finden sich in Oskar Becks neuestem Buch wieder. Ein Stück Zeitgeschichte des Sports, genial verpackt.

Und alles wegen Ali - Geschichten zu 50 Jahren Sport
Erschienen bei Edition Debuts, Preis: 29 Euro, ISBN: 978-3-9820948-2-3

„Helmut war der erste Fußballer, der mir beim VfB Stuttgart über den Weg gelaufen ist.“

Oskar Beck, Journalist und Buchautor

Der Autor: Oskar Beck

Oskar Beck, Jahrgang 1949, stammt aus dem Remstal. Über ein Volontariat bei der Waiblinger Kreiszeitung fand er 1971 den Weg in den Journalismus. 1976 wechselte er zu den Stuttgarter Nachrichten und war dort von 1980 bis 1987 Sport-Ressortleiter. Danach war er als freier Autor regelmäßig tätig für SPORTS, Sport-Illustrierte, SPORT, „Sport“ (Zürich), „HörZu“, „Welt“ und „Welt am Sonntag“. Seine Montagskolumne „Querpass“ erscheint seit 2003 in der „Welt“. Seit 1996 wöchentlicher Kolumnist in der Stuttgarter Zeitung.

Zurück zur Übersicht: Regionalsport

WEITERE ARTIKEL