Interview

Bundestrainer: „Carina Vogt kann es zurück in die Weltspitze schaffen“

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Olympia ohne die Olympiasiegerin: Carina Vogt gehört nicht zum DSV-Team.
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Das Olympia-Aus und die Folgen für die zwei Springerinnen des SC Degenfeld. Bundestrainer Maximilian Mechler hat weder die Olympiasiegerin noch Anna Rupprecht abgeschrieben.

Schwäbisch Gmünd / Oberstdorf

Die Entscheidung kommt nicht überraschend. Trotzdem schmerzt sie. Olympiasiegerin Carina Vogt und Anna Rupprecht gehören bei den Olympischen Spielen in Peking nicht zum deutschen Aufgebot. Bundestrainer Maximilian Mechler spricht im Interview über den aktuellen Leistungsstand der beiden und darüber, dass „Carina den Anschluss wieder schafft - wenn sie das selbst will“.

Herr Mechler, wie sehr ärgert es Sie, dass die Weltcups in Japan ersatzlos gestrichen wurden?

Mechler: Natürlich ist das ärgerlich. Die Wettbewerbe in Japan wurden so spät abgesagt, dass keine Zeit mehr blieb, Ersatzorte zu finden. Jetzt haben wir in der Hochphase drei Wochenenden ohne Wettkampf.

Und Ihre Mädels haben keine Möglichkeiten mehr, die Olympianorm zu schaffen.

Ja, auch das ist ärgerlich. Deshalb gehe ich davon aus, dass die vier Mädels, die wir dem DOSB für Olympia vorgeschlagen haben, auch fix sein werden.

Sie haben sich für Katharina Althaus, Pauline Heßler, Selina Freitag und Juliane Seyfarth entschieden - und damit gegen Carina Vogt und Anna Rupprecht.

Katharina Althaus und Pauline Heßler hatten als einzige die Norm geschafft. Bei den anderen beiden mussten wir die Weltcup-Ergebnisse bis Ljubno heranziehen und entsprechend der Reihenfolge entscheiden.

Carina Vogt war nie ein Thema für Peking.

Sie hatte ja kaum Wettkämpfe, und aufgrund ihrer Ergebnisse war es extrem schwierig.

Haben Sie sich von der Weltklasseathletin Carina Vogt nach der Verletzung mehr erhofft?

Sie hat in den vergangenen zwei Jahren sehr wenig trainieren und springen können. Ihre Ansätze waren nach der Rückkehr sofort wieder da, aber es hat sich viel verändert. Beispielsweise hat sich das Material weiterentwickelt. Das alles kann man mit ihrer Qualität schon einmal kompensieren, das hat Carina im vergangenen Jahr gezeigt. Aber auf Dauer braucht auch sie das regelmäßige Training.

Wie geht es mit Carina Vogt jetzt weiter?

Wir trainieren weiter, und es zeigt sich, dass es vorwärts geht. Das Wichtigste ist jetzt aber, dass kein weiterer Rückschlag kommt und sie schmerzfrei springen kann. Dann wird alles andere auch wieder kommen.

Carina Vogt wird am 5. Februar 30 Jahre alt. Trauen Sie Ihr die Rückkehr in die Weltspitze noch einmal zu?

Wir sind überzeugt, dass sie es schaffen kann - wenn sie es selbst will. Es gab schon genügend andere Beispiele. Ich denke an Severin Freund, der nach mehreren Kreuzbandrissen zurückgekehrt ist. Es ist viel möglich, und deshalb darf man nie Nein sagen.

Ist das auch eine Kopfsache?

Das ist etwas anderes und geht nicht von Heute auf Morgen. Carina durchläuft einen Prozess, alles muss wachsen.

Denken Sie, dass eine Olympiasiegerin und Fünffach-Weltmeisterin mit 30 Jahren noch einmal die Motivation aufbringen kann, sich zurückzukämpfen?

Das kann ich nicht beantworten, da müssen Sie sie selbst fragen.

Anna Rupprecht wurde vor einem Jahr Weltmeisterin und springt aktuell hinterher.

In den Wettkämpfen, ja. Und deshalb standen am Ende auch diese Ergebnisse. Im Training und in der Quali hat sie aber immer gute Sprünge gezeigt und war auf Augenhöhe mit den anderen. Grundsätzlich ist alles da bei ihr.

Was muss Anna Rupprecht anders machen?

Sie muss weitertrainieren. Sie muss ihre Stabilität wieder finden und mit viel Selbstvertrauen an die Wettkämpfe herangehen.

Das klingt in der Theorie simpel.

Ich weiß. Aber wenn's ein Patentrezept gäbe, wäre es leicht. Mit diesem Problem haben einige Athleten auch zu kämpfen.

Mit welchen Gefühlen fliegen Sie und Ihr Team zu den Olympischen Spielen nach Peking?

Natürlich fliegt aktuell das Risiko mit. Durch Omikron ist die Gefahr noch größer, dass sich jemand ansteckt und dann ausfällt. Aber wir werden alles dafür tun, dass das nicht passiert.

DSV-Alpendirektor Wolfgang Maier hat China als Gastgeberland der Olympischen Spielen scharf kritisiert. Er findet es „unverantwortlich“, die Sportler nach Peking zu schicken und spricht von einer dortigen „Willkür“.

Meine Angst beispielsweise vor bewusst falschen PCR-Tests ist nicht so groß. Wir wollen uns ohnehin aufs Sportliche konzentrieren. Wir haben die Sportliche Leitung und die Sportführung, die sich um diese Dinge kümmert.

Anna muss ihre Stabilität finden.“

Maximilian Mechler, Bundestrainer
Bundestrainer Maximilian Mechler hat Carina Vogt und Anna Rupprecht nicht abgeschrieben.

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