Bye, bye Kapitän

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Marc Schnatterer blickt nach 13 Jahren beim 1. FC Heidenheim stolz auf die Zeit zurück. Auf das familiäre Umfeld im Verein, die Erfolge mit der Mannschaft, den engen Kontakt mit den Fans.
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Eine Ära geht zu Ende. Marc Schnatterer verlässt nach 13 Jahren und drei gemeinsamen Aufstiegen den 1. FC Heidenheim. Am Sonntag trägt er zum letzten Mal das FCH-Trikot.

Heidenheim

Nach 13 Jahren ist nun Schluss. Er ist Identifikationsfigur des Vereins, Mannschaftskapitän, Standardkönig und die legendäre Nummer 7 der Ostalb. Marc Schnatterer verlässt den 1. FC Heidenheim und tritt am Sonntag gegen den Karlsruher SC zum letzten Mal auf den heimischen Rasen der Voith-Arena (Anpfiff: 15.30 Uhr). Ein Abschied, der dem 35-jährigen Mittelfeldmann nicht gerade leicht fällt. Aber ein Wiedersehen ist nicht ausgeschlossen.

Nach 13 Jahren verabschieden Sie sich nun vom FC Heidenheim. Wie blicken Sie auf die Zeit zurück?

Marc Schnatterer: Das sind 13 Jahre, die den Fußball hier in Heidenheim verändert haben. 13 Jahre, die mir die Möglichkeit gegeben haben, meinen Traum zu verwirklichen. Ich kann nur positiv auf die Zeit zurückblicken. Denn ich glaube, wir haben es geschafft, in den 13 Jahren Heidenheim zur richtig guten Nummer im deutschen Fußball zu machen. Und selber war ich ein Teil davon und konnte mit anpacken. Der Weg, den wir gemeinsam gegangen sind, ist unglaublich.

Gibt es besondere Momente, an die Sie besonders gerne zurückdenken?

Natürlich das Pokalspiel in München oder der Sieg in Stuttgart, die Aufstiege, die wfv-Pokalsiege - Triumphe, die man feiert, sind immer besondere Momente. Auch, wenn man einen wfv-Pokal nicht mit dem Spiel in München vergleichen kann. Aber das ist ein Titel, den wir geholt haben. Damit schreibst du Vereinsgeschichte. Das ist schon was Besonderes. Es geht um verschiedene Momente, die ich hier mit den Jungs erlebt und gefeiert habe. Es gibt einzelne Dinge, die überstrahlen. Aber auch die kleinen Erfolge sind es, die ich in meiner Erinnerung mitnehme. Weil es tolle Momente sind und ich weiß, wie viel Arbeit dahintersteckt.

Den Abschied am Sonntag haben Sie sich sicherlich anders vorgestellt als so ganz ohne Fans...

Da brauchen wir nicht drum herum reden. Für die Zeit, die wir hier zusammen gegangen sind und alles zusammen erlebt haben, ist es, bedingt durch die Coronapandemie, nicht der richtige Augenblick. Dafür kann niemand was. Aber es ist nicht der passende Rahmen dafür, dass ich hier ein bisschen die Identifikation vorgelebt, Loyalität gezeigt habe und für die Fans, die mich immer unterstützt und mir den Rücken gestärkt haben.

Wie geht es für Sie nun weiter?

Ich möchte weiter Fußball spielen und dazu fühle ich mich auch in der Lage. Deswegen suche ich eine neue sportliche Herausforderung für die nächsten ein, zwei Jahre. Ich muss sagen: Dieser Prozess läuft, aber es gibt noch keine finale Entscheidung. Wenn das geklärt ist, kann ich mir Gedanken machen, was danach der Plan ist. Da gibt es schon Ideen, aber auch da muss ich mir die Zeit nehmen, um herauszufinden, was der richtige Weg für mich ist. Da ist die Chance groß, dass ich wieder nach Heidenheim zurückkehre. Aber das wird man sehen und ich bin froh, dass es die Möglichkeit beim FCH für mich gibt.

Haben Sie einen Wunsch, wohin es gehen soll?

Das ist schwierig. Ich bin da seit ein paar Wochen in dem ein oder anderen Austausch - es gibt immer Sachen, die interessant sind. Aber unabhängig von der Liga - ob jetzt 2. oder 3. Liga - ich bin da wirklich offen. Ich bin ein Typ, der eine gute Mentalität hat. Ich bin einer, der sich überall einbringen kann, ich bringe Erfahrung mit und bin einer, der arbeitet und malocht und das auch noch mit 35. Ich reiße mir sehr gerne den Allerwertesten für den Erfolg auf. Ich sage mal, es sollte ein Verein sein, der, was er vorlebt, auch in mir sieht. Dann kann man zusammen erfolgreich sein.

Mal ganz unabhängig von Liga und Leistung gesehen: Egal ob Real Madrid oder Manchester City - Welcher Verein wäre Ihr Traum?

Schwer zu sagen. In Deutschland hätte ich gerne mal für den FC Bayerngespielt. Aber wenn‘s egal ist, dann wäre in Spanien Barcelona interessant gewesen, auch in England gibt es interessante Clubs. Wenn ich mich an meine Kindheit erinnere, war immer Arsenal top. Aber mittlerweile haben andere Mannschaften denen ein bisschen den Rang abgelaufen. Ich würde mich glaube ich für einen Verein entscheiden, bei dem ich schönes Wetter hätte und einen Strand. Dann vielleicht was in Spanien, Italien oder Portugal.

Haben Sie sich schon überlegt, wie Sie eine eventuelle fußballlose Zeit füllen würden?

Ich mache natürlich immer gerne Sport. Das ist aber nebenher etwas schwierig, wenn man aktiv auf einem Niveau spielt, wo man das Level halten möchte. Ansonsten unternehme ich viel mit meiner Freundin. Ich bin einer, der sich für Kaffee sehr interessiert, gerne Kaffee trinken geht, sich damit beschäftigt. Mit zwei Kumpels habe ich eine kleine Kaffee-Linie auf den Weg gebracht.

Was wird Ihnen beim FCH fehlen?

Da wird mir vieles fehlen. Ich kenne hier alles in- und auswendig. Ich kenne die Stadt, die Voith-Arena, das ist fast mein Wohnzimmer. Die Leute werden mir fehlen. Die haben es auch hier für mich ausgemacht: Man ist in die Stadt gegangen und hat immer Leute getroffen, die man kannte. Konnte sich unterhalten. Das Ganze hier, das Flair wird mir fehlen. ich kam schnell und gut zurecht mit Heidenheim. Und deswegen habe ich mich auch so wohl gefühlt und bin so lange hier geblieben. Deswegen werde ich hier alles vermissen.

Zum Spiel am Sonntag gegen den KSC: Was erwarten Sie?

Für mich möchte ich in erster Linie die Saison und das Spiel mit einem Sieg abschließen. Was wir uns vornehmen und erreichen wollen. Auch die Jungs sind dazu bereit zu gewinnen. Es kann dann aber schon emotional werden, weil mir dann gegen Schluss klar wird, dass es jetzt vorbei ist, was da dranhängt und was alles passiert ist. Ich nehme es, wie‘s kommt und schaue, was die Gefühle mit mir machen. Ich freue mich trotzdem darauf, auch wenn‘s das letzte Spiel ist.

Noch einmal in der Startelf stehen, wäre das was?

Wenn man‘s sich raussuchen könnte, würde man immer ja sagen. Ob es dazu kommt, wird man sehen. Ich habe immer versucht, Gas zu geben, weil ich immer bereit sein möchte. Wenn‘s am Schluss so ist, dann freut es mich. Aber in erster Linie will ich, dass wir am Sonntag gewinnen.

Ich reiße mir sehr gerne den Allerwertesten für den Erfolg auf.“

Marc Schnatterer

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