Carina Vogt ist unsere Leaderin

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Mit der Olympiasiegerin an der Spitze soll das deutsche Team wieder ums Podium mitspringen. Anna Rupprecht will der Bundestrainer aber nicht zu viel Druck auflasten.

Es soll wieder aufwärts gehen. Nach dem zuletzt enttäuschenden Winter wollen die deutschen Skispringerinnen in der am Freitag startenden Weltcup-Saison wieder konstant Top-Ten-Ergebnisse erzielen. Bundestrainer Andreas Bauer spricht im Interview über die Chancen von Carina Vogt und Anna Rupprecht vom SC Degenfeld.

Herr Bauer, wo stehen Ihre Springerinnen knapp eine Woche vor dem Weltcup-Auftakt?

Bauer: Ich habe die Konkurrenz aus Japan und Österreich nicht gesehen, deshalb ist es schwierig eine Prognose abzugeben.

Und wie ist die Hierarchie intern?

Carina Vogt ist wieder unsere Leaderin. Sie hat die konstantesten Sprünge gezeigt. Dahinter kommen Katharina Althaus und Juliane Seyfahrth, die Erfahrenen eben. Wir wollen versuchen, mit vier Springerinnen in die Top 15, vielleicht sogar Top Ten reinzuspringen.

Welche Rolle spielt dabei Anna Rupprecht, die zweite Degenfelderin neben Carina Vogt?

Anna gehört zu diesen Springerinnen, die dieses Ziel erreichen können. Sie muss jetzt versuchen, bei einem Weltcup-Springen ihre erste Top-Ten-Platzierung zu schaffen. Nach Platz 24 im Gesamtweltcup wäre jetzt ein Platz unter den ersten 15 ein Riesenschritt – den ich ihr auch zutraue.

Ist Anna Rupprecht schon eine Siegspringerin?

Nein, da muss man die Kirche im Dorf lassen, und diesen Druck wollen wir auch gar nicht aufbauen. Anna ist noch zu wechselhaft und wird noch zwei, drei Jahre brauchen, um eine Siegspringerin zu werden. Das war bei Carina Vogt damals aber nicht anders.

Wo muss sie noch zulegen?

Flugtechnisch hat sie noch die größten Reserven. Anna muss sich in eine gedrehtere Flugposition bringen und mit mehr Geschwindigkeit am Hang entlangfliegen.

Sie sagen aber auch, dass Anna Rupprecht große Fortschritte gemacht hat.

Genau. Sie hat jetzt in jedem Trainingssprung eine saubere Telemarklandung gesetzt, das hat sie vergangene Saison viele Punkte gekostet. Da war sie in der Vorbereitung sehr fleißig.

Carina Vogt hat die vergangene Saison als Elfte abgeschlossen. Sie sagt, dass das nicht ihr Anspruch gewesen sei.

Wir alle waren mit der vergangenen Saison nicht zufrieden. Das gilt nicht nur für Carina.

Die Olympiasiegerin kritisierte, dass damals zu Saisonbeginn das Setup noch nicht gefunden war.

Anna braucht noch zwei, drei Jahre

Andreas Bauer Bundestrainer

Das ist jetzt anders. Jetzt steht alles. Und das ist wichtig, denn wenn man ehrlich ist, sind Tests nicht mehr möglich, wenn man mal in der "Weltcup-Mühle" drin ist.

Was bedeutet das konkret?

Dass Carina am ehesten in Richtung Podest springen kann. Das würde auch gut tun im Hinblick auf die anstehende WM im Februar in Lahti.

Dort geht Carina Vogt als Titelverteidigerin an den Start. Ist die Titelverteidigung das Ziel?

Nein, das kann nicht das Ziel sein. Allerdings muss sie den Anspruch haben, dass sie in Lahti wieder um die Medaillen mitspringen kann. Dazu waren wir in der vergangenen Saison nicht in der Lage. Wir hoffen, dass wir das im kommenden Winter wieder sind.

Wie zuversichtlich sind Sie?

Auch da müsste ich zum jetzigen Zeitpunkt etwas prophezeien, das ich nicht kann. Das ist wie im Fußball vor dem ersten Spieltag. Vor dieser Saison hatte doch niemand erwartet, dass RB Leipzig plötzlich ganz vorne steht. Oder dass sich der VfL Wolfsburg nur auf dem 14. Platz wiederfindet.

Trotzdem war Carina Vogt bei den Großereignissen immer auf den Punkt genau in Bestform.

Glauben Sie mir, wir haben uns auch für die WM 2017 einen speziellen Plan ausgedacht. Den werde ich aber nicht verraten.

Dann verraten Sie uns doch, wo die Schwerpunkte in der Vorbereitung auf die neue Saison lagen?

Es gab wieder einige technische Veränderungen. In erster Linie bei den Anzügen, in denen jetzt ein starres, eng anliegendes Band eingenäht sein muss. Es kam in der Vergangenheit oft der Verdacht auf, dass einige Nationen den Schritt nach unten gezogen haben, um im Flug mehr Fläche aufzubauen. Das geht jetzt nicht mehr.

Wie wirkt sich das aus?

Dass die Springerinnen bei der Anfahrt eingeengter sind. Das ist ein ungewohntes Gefühl. Ungefähr so, als wäre oberhalb des Hüftknochens ein Gürtel umgeschnallt. Darauf haben wir uns frühzeitig eingestellt. Und noch etwas anders ist neu.

Was denn?

Die Charakteristik der Vorbereitung bei Carina Vogt. Im vergangenen Jahr hat sie wegen ihrer Ausbildung viele Trainingslager verpasst. In diesem Jahr war sie bei allen dabei. Die Zusammenarbeit war enger, die Videoanalysen hochwertiger. Das ist sicherlich ein großer Vorteil.

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