Charlotte Helzle löst Roland Vogt im VfR-Präsidium ab

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Gruppenbild mit der ersten Dame seit hundert Jahren in der Vorstandsetage des VfR Aalen. Von links: der scheidende Präsidiumssprecher Roland Vogt, Charlotte Helzle, Walter Höffner und der neue Präsidiumssprecher Michael Weißkopf.
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Beim VfR Aalen sitzt nach hundert Jahren die erste Frau im Präsidium. Charlotte Helzle rückt für den bisherigen Präsidiumssprecher Roland Vogt nach.

Exakt hundert Jahre waren Vorstandschaft und Präsidium des VfR Aalen nur von Männern besetzt. Seit dem 100. Geburtstag des Fußball-Regionalligisten ist das anders. Charlotte Helzle, Geschäftsführerin der Aalener Firma hema electronic GmbH, gehört seit diesem Montag dem Präsidium des VfR Aalen an. Dafür nicht mehr an Bord dieses Gremiums sein wird der bisherige Präsidiumssprecher Roland Vogt. Nach dem Verkauf seiner Fa. Vohtec will er sich "mehr Zeit für sein Privatleben gönnen." Fünf Jahre war der heute 63-Jährige im Präsidium vertreten. Dem Verein will er - fortan im Aufsichtsrat - weiter mit Rat und Tat zur Seite stehen.

"Verlasse kein marodes Schiff"

"Wenn ich mich beruflich zurückziehe, möchte ich auch meine ehrenamtlichen Aufgaben reduzieren." Das hatte Roland Vogt seinen Präsidiumskollegen schon seit längerem angekündigt. Fünf Jahre hatte Vogt das Amt des Präsidiumssprechers inne. Fünf Jahre, die ihn in seinem ehrenamtlichen Engagement enorm gefordert hätten, betont er. Galt es doch, den Verein nach der Insolvenz 2016 in turbulenten Zeiten finanziell wieder in die Spur zu bringen. "Wir mussten ein finanzielles Schiff, das halb abgesoffen war, wieder aufrichten und wieder in ein ruhigeres Fahrwasser bringen", sagte Vogt und betonte: "Ich verlasse kein marodes Schiff. Ich sehe eine gute Zukunft für unseren VfR Aalen." Er bedanke sich bei seinen Präsidiumsmitgliedern – alle "harte Streiter" für den Verein im positiven Sinne – und alllen, die mit dazu beigetragen haben, dass man wieder auf einem guten Weg sei. Er werde sich weiterhin im Aufsichtsrats des Vereins einbringen. Sein Wunsch: "Dass wir wieder wahrgenommen werden in der Region."

"Es geht vorwärts"

"Wir sehen ein Ziel und es geht vorwärts." Es lohne sich, sich für diesen Verein mit seinem über 1100 Mitgliedern, davon rund 180 Kinder und Jugendliche, einzusetzen. Deshalb, so Charlotte Helzle, habe sie ja gesagt zu einem Amt im Präsidium des VfR Aalen. Charlotte Helzle ist die erste Frau in der Vorstandschaft beziehungsweise im Präsidium in der auf den Tag genau hundertjährigen Vereinsgeschichte des VfR Aalen. Dass es der Weltfrauentag war, an dem sie dieses Amt übernommen hat, entlockte ihr ein Schmunzeln.

Die Geschäftsführerin der international agierenden IT-Firma hema electronic will ihre Erfahrung als Unternehmerin vor allem aus den Bereichen Unternehmensführung, Finanzen und Marketing in den Verein einbringen. "Der Verein hat die Substanz, dass er es wert ist", sagt Helzle und verweist unter anderem auf die gesellschaftliche Funktion, in der der VfR Aalen vielen Mitgliedern, Fans und vor allem seinen Kindern und Jugendlichen ermögliche, Heimat zu finden. "Das", so Hölzle, "ist ein sehr hoher Wert" – auch wenn es die derzeitige Situation der Corona-Pandemie nicht einfach mache. Aber, betont das neue Präsidiumsmitglied: "Wir wollen gewappnet sein für die Zeit nach Corona."

Neuer OB - neue Chance

Ich sehe meine Aufgabe im Präsidium darin, dem Verein zu dienen.

Charlotte Helzle  Präsidiiumsmitglied

Dafür, daraus machte sie keinen Hehl, "brauchen wir vielfältige Unterstützung." Sie sehe "meine Aufgabe im Präsidium darin, dem Verein zu dienen, um mit dem Verein Erfolg zu haben und anschließend auch feiern zu können." Es seien schon "einige Dinge im Werden." Vorrangig gelte es, an der Verbesserung der wirtschaftlichen Situation und der Verbesserung der sportlichen Leistungen zu arbeiten. Die Trainingsbedingungen müssten zum Beispiel verbessert werde.

Und mit Blick nach Heidenheim, wo Fußball-Zweitligist FCH und die Stadt seit Jahren gemeinsam an einem Strang ziehen, sieht Charlotte Helzle in einem baldigen neuen Aalener Oberbürgermeister auch die Chance, "wieder einen besseren Draht" und "eine bessere Verankerung mit der Stadt" zu bekommen. "Das ist wichtig für den Verein, für die Spieler, die Fans und auch die Stadt."

Es sind dieselben Schwerpunkte, die dem jetzigen Präsidiumssprecher Michael Weißkopf wichtig sind. Es gelte, "den Verein finanziell abzusichern." Dies sei wichtig, um sportlich wieder erfolgreich sein zu können, sagt er und nennt die Rückkehr in die 3. Liga als Ziel, das der VfR Aalen mittelfristig im Auge behalten werde. Die Stadt und die Region seien so wirtschaftsstark, dass es finanziell kein Problem darstellen sollte, wieder höherklassiger zu spielen. Es sei gemäß seinem Leitbild "Die Grenze ist, wo die Vorstellungskraft endet" ein Ziel, das man sich setzen müsse. "Denn was ich mir nicht vorstellen kann, werde ich auch nicht erreichen. Wenn wir also nicht an die 3. Liga glauben, werden wir es auch nicht schaffen." Dann, so die Hoffnung Weißkopfs, "kann man auch wieder durch Aalen laufen, ohne dass man angepöbelt wird."

In allen Gremien Platz

An die Kritiker gewandt sagte Weißkopf: "Gestaltet doch die nächsten 100 Jahre mit. Wir haben in allen Gremien Platz zur Mitarbeit. Wir würden uns freuen." Es sei schließlich "eine tolle Sache, gemeinsam den Verein wieder nach vorne zu bringen."

Die Organe des VfR Aalen und die Aussicht auf eine Mitgliederversammlung

Präsidium: Präsidiumssprecher Michael Weißkopf (Sport, Finanzen), Walter Höffner (Infrastruktur und weitere Abteilungen), Charlotte Helzle (Finanzen, Marketing).

Aufsichtsratsmitglieder: Heiko Rössel, Thomas Taferner, Peter Peschel, Peter Kummich, Hermann Rieger, Hans-Peter Weber, Roland Vogt.

Ehrenrat: Gerhard Wünsch (Vorsitzender), Winfried Mack, Ansgar Kaufmann, Horst Rolletschek, Rudolf Kaufmann.

Satzungskonform: Die Ernennung von Roland Vogt in den Aufsichtsrat steht dem Präsidium zu und ist satzungskonform.

Mitgliederversammlung: Die im vergangenen Jahr wegen der Corona-Pandemie verschobene Mitgliederversammlung soll baldmöglichst als Präsenzveranstaltung nachgeholt werden. Ein Termin kann noch nicht genannt werden.

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