Corona: Ein Leistungssportler leidet

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So kennt man Michael Kucher: Der 400-Meter-Läufer der LG Staufen gehört zu den schnellsten Sprintern im Land. Aktuell wird der 25-Jährige aber noch von den Spätfolgen seiner Corona-Infektion gestoppt, die er sich bei der Silvesterfeier zugezogen hat.
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An Silvester: Michael Kucher und Lisa Ostertag von der LG Staufen infizieren sich mit dem Virus. Der 400-Meter-Läufer erzählt von seiner Erkrankung und den Langzeitfolgen.

Schwäbisch Gmünd.

Es war ein Abend im kleinen Kreis. Mit Raclette und einem Glas Sekt haben das Sportler-Paar Michael Kucher und Lisa Ostertag mit einem weiteren Pärchen aufs neue Jahr angestoßen. Am 2. Januar kamen dann Grippesymptome. Und am 4. Januar die Gewissheit: Sie sind mit Corona infiziert. Den Sprinter der LG Staufen hat das die Saison gekostet.

Michael Kucher steht normalerweise sechsmal in der Woche auf der Tartanbahn. Der 25-Jährige gehört zu den besten 400-Meter-Läufern im Land, war 2019 Süddeutscher Meister. Auch seine Lebenspartnerin Lisa Ostertag ist eine erfolgreiche Drei- und Weitspringerin, war ebenso Süddeutsche Meisterin.

Während Ostertag ihre Corona-Erkrankung gut weggesteckt hat und schon nach wenigen Wochen wieder einsatzbereit war, leidet Kucher auch ein halbes Jahr danach noch an den Spätfolgen. Klar, es gehe ihm gut, „Ende März war ich wieder ein normaler Mensch“. Aber zwischen Alltag und Leistungssport ist ein großer Unterschied. In der vergangenen Woche habe er erstmals wieder leichtathletikspezifisch trainieren können.

In den Monaten davor sei das alles unmöglich gewesen. Die ersten zehn Tage seien „elend“ gewesen. Halsschmerzen, Husten, „wie eine Grippe ohne Fieber, dafür viel langwieriger“, beschreibt der Sportler das Virus. Der Geschmacksverlust, der zwischendurch auch dazu kam, sei nicht so tragisch gewesen. Viel schlimmer war sein Fitnesszustand. „Ich hatte Probleme beim Treppensteigen, war schnell müde. Eigentlich habe ich nur auf dem Sofa gesessen, ferngesehen und Videospiele gezockt.“ Von (Leistungs-)Sport war Kucher meilenweit entfernt. „Tempoläufe und Krafttraining waren undenkbar. Nach einigen Wochen habe ich es erstmals mit Joggen versucht - und nach 500 Metern wieder aufgehört, weil mein Puls durch die Decke geschossen ist.“ Ein 180er-Puls sei nach wenigen Metern normal gewesen.

„Und das wurde lange Zeit kaum besser.“ Für Kucher war diese Tatsache „erschreckend“, er hat mehrere Ärzte aufgesucht und hat sich zudem in der Uniklinik in Ulm durchchecken lassen. „Ich hatte die Sorge, dass ich bei einer Belastung irgendwann umfalle. Ja, ein bisschen Angst war auch da ...“ Aber: Es wurden keine auffälligen Werte festgestellt. Der mehrfache baden-württembergische Meister hat sich danach langsam zurückgekämpft. Es war ein zähes Unterfangen. Immerhin hat er es nach mehreren Wochen geschafft, 30 Minuten am Stück zu joggen.

Inzwischen sagt Kucher, dass „meine Grundphysis wieder auf Normalniveau ist“. Was ihm aber fehlt: sechs Monate Training. Und er weiß jetzt schon, dass Corona ihn die Saison 2021 kostet. In der kommenden Woche steht der eigentliche Saisonhöhepunkt an - die deutschen Meisterschaften in Braunschweig. „Undenkbar“ sei eine Teilnahme an den Titelkämpfen, sagt Kucher und wagt einen Vergleich: Meine Bestzeit über die 400-Meter-Distanz beträgt 47,49 Sekunden. Aktuell würde ich es knapp unter 60 Sekunden schaffen ...“ Dass das im Leistungssport Welten sind, versteht sich von selbst.

Leid tut es Michael Kucher vor allem für seinen Trainer bei der LG Staufen. „Lutz Dombrowski investiert so viel Zeit in mich. Er ist selbst auch schockiert, dass dieses Virus solche Auswirkungen haben kann.“ Vor allem bei einem durchtrainierten Sportler. Und das war Kucher. Selbst eine Stammzellenspende bei der DKMS im vergangenen Herbst hat der 25-Jährige locker weggesteckt.

Endlich gemeinsam joggen

Dennoch: Aufgeben kommt für den Sprinter trotz des verlorenen Jahres nicht in Frage. „Sonst hätte ich schon längst die Segel gestrichen.“ Stattdessen will Kucher zurück auf die Tartanbahn. Will sich wieder mit der Konkurrenz über 400 Meter duellieren. Siege feiern. Und Titel gewinnen.“ Dann gibt es noch ein großes persönliches Ziel: „Ich möchte den Vereinsrekord der LG Staufen knacken.“ Der steht bei 47,39 Sekunden, aufgestellt von Wolfgang Kraus im Jahr 1999.

Und rückblickend hatte die Corona-Erkrankung sogar noch etwas Gutes für das Sportlerpaar: „Das Positive an Michis Nachwirkungen war, dass es eine kurze Zeitspanne gab, in der sein Ausdauer-Niveau so schlecht war - da konnten wir dann endlich mal gemeinsam joggen gehen ...“, sagt Lisa Ostertag.

Ja, ein bisschen Angst war auch da.“

Michael Kucher, Sprinter der LG Staufen
Sportlerpaar der LG Staufen: Lisa Ostertag und Michael Kucher haben sich mit Corona infiziert.

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