Das (fast) perfekte Drehbuch beim Legenden-Abschied

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Handball, Oberliga, Männer: TSB Schwäbisch Gmünd - H2Ku Herrenberg . Aaron Fröhlich Foto: Jan-Philipp Strobel

Trotz einer 28:30 (15:12) – Niederlage zum Saisonfinale feiert der TSB Gmünd den fünften Tabellenplatz und nimmt Abschied. Zum Karriereende von Aaron Fröhlich, Sebastian Fabian und Christian Waibel spielte die SG H2Ku Herrenberg den Partycrasher. Schoch

Schwäbisch Gmünd.

Für Trainer Dragoș Oprea und insgesamt sechs Spieler war es der letzte Auftritt bei den „Jets“ (siehe Extra-Artikel). Dass es mit dem erhofften Sieg zum Saisonfinale nicht klappte und der TSB den vierten Tabellenplatz noch an den HC Neuenbürg abtreten musste, störte letztlich niemanden. Weder die 550 Zuschauer, die noch lange nach Spielende in der Halle blieben und die Gmünder für ihre mit 36:24 Punkten erfolgreichste Oberliga-Saison feierten, noch Oprea selbst. „Es war einfach eine überragende Saison“, erklärte der 40-Jährige: „Während meiner gesamten Zeit hier im Verein haben sich die Jungs unheimlich weiterentwickelt und alle Beteiligten immer am gleichen Strang gezogen. Das hat mir gezeigt, dass man gemeinsam etwas bewegen möchte – auch in der Zukunft.“

 

Obwohl es zur Nebensache geworden war, hielt das Spitzenspiel der beiden besten württembergischen Teams alles, was es im Vorfeld versprochen hatte. Ohne Nicola Rascher, der beste TSB-Torschütze (161 Saisontreffer) wurde aufgrund einer Handverletzung vorsichtshalber geschont, legten die Hausherren zunächst ein 3:2 (7.) vor. Die Herrenberger zeigten anschließend, warum sie sich zuvor schon nicht unverdient den dritten Rang gesichert hatten. Angeführt vom herausragenden Rechtsaußen Alexander Zürn (10 Tore) drehten sie den Spielstand auf 4:8 (12.). Die Gmünder ließen sich nicht abschütteln und zogen mit vier Toren in Folge rasch wieder gleich. Durch die beiden Youngster Arian Pleißner und Eric Zimmermann holte sich der TSB beim 10:9 (21.) die Führung zurück. Bis zur Pause befand sich das Oprea-Team dann auf Kurs in Richtung Heimsieg. Tormann Daniel Mühleisen lief einmal mehr zur Höchstform auf, Tom Abt erhöhte auf 15:12 (30.).

Nach dem Seitenwechsel allerdings schlüpfte Herrenberg in die Rolle des Partycrashers. Bis zum 19:17 (39.) lag der TSB noch knapp vorne, danach wendete sich das Blatt. Für Kreisläufer Stephan Mühleisen war die Saison mit der dritten Zeitstrafe (43.) vorzeitig beendet, in Unterzahl geriet sein Team mit 20:22 (46.) ins Hintertreffen. Da sich Tom Abt und Marian Rascher immer wieder entschlossen durchsetzten, wuchs der Rückstand zunächst nicht weiter an. Als aber SG-Spielmacher Valentin Mosdzien einen Strafwurf im zweiten Anlauf zum 22:26 (53.) verwandelte, schien die Niederlage schon besiegelt. Im Siebenmeterduell mit Mosdzien durfte auch TSB-Urgestein Sebastian Fabian nach seiner langen Verletzungspause noch ein letztes Mal auf die Platte, musste jedoch viermal hinter sich greifen. „Damit kann ich leben“, erklärte Fabian später ganz locker. Die Emotionen des nahenden Abschieds hatten die ohnehin bedeutungslose Begegnung längst in den Hintergrund gedrängt.

Aufholjagd

Es passte allerdings ins Bild dieser außergewöhnlichen Saison, dass sich die Jets nicht aufgaben und in den Schlussminuten wieder einmal eine Aufholjagd starteten. In der Hauptrolle: Kapitän Aaron Fröhlich, der ebenso wie Fabian und Abwehrchef Christian Waibel seine Hallenschuhe an den Nagel hängt. Im ersten Durchgang hatte Fröhlich bereits einmal eingenetzt und nur noch drei weitere Tore fehlten ihm zu einem ganz besonderen Meilenstein: Dem 1000.Treffer in der BW-Oberliga. Mit dem 23:26 (53.) ließ er nochmals Hoffnung aufkeimen, auch Linkshänder Sven Petersen konnte sich bei seiner Abschiedsvorstellung nochmals in die Torschützenliste eintragen.

 Obwohl Torwarttalent Devin Immer nach seiner Einwechslung mehrmals bravourös parierte, war die Partie beim 25:30 (58.) endgültig entschieden. Zweimal traf Herrenberg in Überzahl ins leerstehende Gmünder Tor. Für die Schlusspointe sorgte aber Fröhlich, der ein letztes Mal aufblitzen ließ, weshalb er über viele Jahre hinweg der beste Spielmacher in Baden-Württemberg war. Zweimal nacheinander tankte er sich entschlossen durch und knackte mit dem Doppelschlag zum 27:30 in der letzten Minute die magische 1000 Tore-Marke – die Halle stand Kopf. Marian Rascher, der zu seinem Heimatverein TSV Bartenbach zurückkehren wird, traf zum 28:30-Endstand. So war es das perfekte Drehbuch für diesen besonderen Abend – abgesehen von der Niederlage, die aber nichts an der verblüffend starken Saison des TSB ändert. Als Abstiegskandidat gestartet, verabschieden sich die Jets als Top Fünf-Team in die verdiente Sommerpause.

  TSB : Daniel Mühleisen, Sebastian Fabian, Devin Immer – Tom Abt (10), Aaron Fröhlich (4), Wolfgang Bächle (3), Marian Rascher (3), Eric Zimmermann (3), Jonas Waldenmaier (2), Stephan Mühleisen (1), Sven Petersen (1), Arian Pleißner (1), Christian Waibel, Philipp Schwenk, Valentin Pick, Nicola Rascher (n.e.)

SG: Nicolas Rhotert, Sven Rinderknecht – Alexander Zürn (10), Valentin Mosdzien (9/6), Janne Böhm (3), Finn Böhm (2), Joshua Stöffler (2), Nick Lange (1), Maximilian Brühl (1), Sascha Marquardt (1), Frederik Todt (1), Marvin Seeger

Rote Karte: Stephan Mühleisen (TSB/44./Dritte Zeitstrafe)

Schiedsrichter: Holger Krieg, Magnus Enßle (JSG Rosenstein)

Zuschauer: 550

 

Handball, Oberliga, Männer: TSB Schwäbisch Gmünd - H2Ku Herrenberg . Foto: Jan-Philipp Strobel
Handball, Oberliga, Männer: TSB Schwäbisch Gmünd - H2Ku Herrenberg . Foto: Jan-Philipp Strobel
Handball, Oberliga, Männer: TSB Schwäbisch Gmünd - H2Ku Herrenberg . Foto: Jan-Philipp Strobel
Handball, Oberliga, Männer: TSB Schwäbisch Gmünd - H2Ku Herrenberg . Foto: Jan-Philipp Strobel
Handball, Oberliga, Männer: TSB Schwäbisch Gmünd - H2Ku Herrenberg . Foto: Jan-Philipp Strobel
Handball, Oberliga, Männer: TSB Schwäbisch Gmünd - H2Ku Herrenberg . Foto: Jan-Philipp Strobel
Handball, Oberliga, Männer: TSB Schwäbisch Gmünd - H2Ku Herrenberg . Aaron Fröhlich Foto: Jan-Philipp Strobel
Handball, Oberliga, Männer: TSB Schwäbisch Gmünd - H2Ku Herrenberg . Foto: Jan-Philipp Strobel

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