Das nächste Schwergewicht der Liga beim TSB

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Handball, Oberliga, TSB Gmünd, TV Plochingen. Foto: Jan-Philipp Strobel

Drittliga-Absteiger TV Germania Großsachsen gibt am Samstagabend in Schwäbisch Gmünd seine Visitenkarte ab.

Schwäbisch Gmünd

Trotz drei Niederlagen aus den vergangenen vier Partien steht der TSB Gmünd als Tabellensechster weiterhin voll im Soll. Vor dem zweiten Duell mit Drittliga-Absteiger TV Germania Großsachsen am Samstag (19:30 Uhr / Große Sporthalle) richtet sich der Fokus auf die zuletzt anfällige Defensive.

Es ist Halbzeit in der Baden-Württemberg-Oberliga. Wobei das für den TSB Gmünd noch nicht so ganz stimmt, denn die „Jets“ haben noch ein Nachholspiel gegen den TSV Weinsberg ausstehen und damit bislang eine Partie weniger absolviert als die Konkurrenz. 20:12 Punkte stehen auf dem Konto des Tabellensechsten, der damit sogar knapp vor den beiden letztjährigen Drittligisten TSV Blaustein und TVG Großsachsen (beide 20:14) rangiert. Diese Zwischenbilanz hätte Michael Stettner vor Saisonbeginn ohne zu Zögern unterschrieben. „Wir haben bislang gut abgeliefert und sind voll im Soll“, erklärt der TSB-Trainer zufrieden.

Allerdings wäre für die zweitjüngste Mannschaft der Liga sogar mehr drin gewesen. Aus den vergangenen vier Auftritten vor und nach der kurzen Weihnachtspause gingen die Gmünder viermal als Verlierer vom Feld. So trauert Stettner zwei bis drei Zählern hinterher, „die definitiv drin gewesen wären, wenn wir etwas cleverer gewesen wären.“ Wobei der 39-Jährige das gar nicht als Vorwurf an seine Spieler meint. Angesichts eines Durchschnittsalters von 22,1 Jahren seien Leistungsschwankungen völlig normal. „Wie sagt man so schön? Das ist Meckern auf hohem Niveau“, meint Stettner: „Man darf dabei nie vergessen, dass der Klassenerhalt unsere Zielsetzung bleibt.“ Um die dafür nötige 30 Punkte-Marke zu erreichen, gilt es nun, die eigenen Leistungen weiter zu stabilisieren.

Die 33:39-Heimschlappe gegen Klassenprimus Waiblingen am vergangenen Sonntag legte schonungslos offen, wo aktuell der Schuh drückt. Dass die Abwehr trotz des konstant guten Tormanns Daniel Mühleisen derzeit die Problemzone ist, hat vielfältige Gründe. Zum einen gilt es das verletzungsbedingte Saisonaus von Kreisläufer Stephan Mühleisen zu kompensieren, gegen Waiblingen verlor der TSB nach nicht einmal zwei Minuten seinen Kapitän Nicola Rascher aufgrund einer Roten Karte. „Damit war uns das Herzstück herausgerissen“, erklärt Stettner. Diese Ausfälle zu kompensieren, „das geht nicht von heute auf morgen.“ Dem Trainer selbst wurden dadurch fast sämtliche personellen und taktischen Alternativen geraubt.

Deshalb dürfe man trotz extrem vielen Gegentoren nicht alles schlecht reden: „Man darf nicht vergessen, dass wir gegen den Tabellenführer mit dem stärksten Angriff der Liga gespielt haben, bei dem in der zweiten Halbzeit einfach alles funktioniert hat. Deshalb werfe ich jetzt nicht die ganze Abwehr über den Haufen.“ Entsprechend galt es, die bislang deutlichste Heimniederlage schnell aus den Köpfen zu bekommen. Wobei Coach und Spieler genau wissen, dass es besser geht. Vielmehr sogar besser gehen muss. In der Trainingswoche hat Stettner den Hebel daher ganz bewusst in der Abwehrarbeit angesetzt. „Wir haben an unserer Abstimmung gefeilt und einige Sachen wiederholt. Denn ich habe nach wie vor großes Vertrauen in meine Jungs.“

Der Blick richtet sich nun nach vorne auf das nächste „Schwergewicht“ der Liga. Von den namhaften, erfahrenen Teams nämlich bekam die junge Gmünder Truppe oftmals die eigenen Grenzen aufgezeigt. Sei es in den Heimspielen gegen Plochingen und Waiblingen, aber auch bereits im Saisoneröffnungsspiel beim Drittliga-Absteiger TVG Großsachsen. An der Bergstraße holte sich der TSB damals eine 30:37-Niederlage ab, die nahezu ein Spiegelbild des jüngsten Heimspiels war. „Wir haben gesehen, dass das eine harte Nuss ist und wir in eigener Halle nun vieles besser machen wollen“, betont Stettner: „Daheim wollen wir sowieso immer gewinnen, zumal wir da schon genug Punkte haben liegen lassen.“

Der TSB hat also im doppelten Sinne etwas gut zu machen. Auch wenn sich die Ausgangslage kaum vergleichen lässt. Vor dem Hinspiel war die Favoritenrolle klar verteilt, nun aber verspricht die Tabellensituation ein Duell auf Augenhöhe. Zwischen dem Sechsten und Achten erwartet Stettner ein „Fifty-Fifty-Spiel“. Wobei die Gäste deutlich mehr unter Zugzwang stehen, wenn sie denn weiter von einer Rückkehr in die 3.Liga träumen wollen. Bereits sechs Punkte liegt Großsachsen von einem Aufstiegsplatz entfernt. Durch einen 33:32-Auswärtserfolg in letzter Sekunde bei der HSG Konstanz II konnte sich das Team um den früheren Bettringer Marcel Spindler – Zwillingsbruder von TSB-Spielmacher Jan Spindler – immerhin wieder ein Stück weit von der Abstiegszone absetzen.

Fünf vor Zwölf

„Wenn sie hoch gehen wollen, dann ist es langsam fünf vor Zwölf und dann haben sie definitiv deutlich mehr Druck als wir“, sagt Stettner über den kommenden Gegner. Beim ersten Aufeinandertreffen hatten die Gmünder allen voran die beiden Außenspieler Simon Spilger (77/6 Saisontore) und Patrick Buschsieper (103/52) nicht in den Griff bekommen. Der Schlüssel zur erhofften Revanche sei es laut dem TSB-Trainer, die eigene Fehlerquote deutlich zu reduzieren. Da kommt es nur gelegen, dass die personellen Sorgenkinder wieder grünes Licht gegeben haben. Philipp Schwenk ist gegen Waiblingen umgeknickt, hat sich aber nicht ernsthaft verletzt. Tom Abt und Andreas Maier haben eine Prellung an der Wurfhand davongetragen. Beide konnten nur eingeschränkt trainieren, doch ein Einsatz am Samstag ist nicht in Gefahr.

Es ist der Auftakt zu einer Rückrunde, die Stettner als noch schwieriger und kräftezehrender einschätzt als den bisherigen Saisonverlauf. Bis zum letzten Spieltag am 20.Mai wird es kein spielfreies Wochenende mehr geben. „Der Wahnsinn, den sie uns in der Oberliga aufbrummen, geht jetzt erst richtig los“, blickt der Trainer voller Unverständnis auf die 34 Spieltage andauernde XXL-Runde. Der Weg zum Klassenerhalt wird also ein extrem steiniger sein. „Bevor wir da nicht durch sind, brauchen wir auch nicht über eine Zielsetzung zu reden“, sträubt sich der Trainer daher gegen ein zu großes Anspruchsdenken. „Meine Jungs haben gemerkt, dass es kein Selbstläufer ist und uns nichts geschenkt wird. Wir müssen weiter fokussiert bleiben und nachlegen.“ Am Besten schon gegen das Schwergewicht aus Großsachsen.

TSBDaniel Mühleisen, Giovanni Gentile – Nicola Rascher, Tom Abt, Moritz Werner, Andreas Maier, Jan Spindler, Arian Pleißner, Jonas Schwenk, Philipp Schwenk, Louis Waldraff, Wolfgang Bächle, Vincent Pick, Eric Zimmermann, Jonas Waldenmaier

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