Der Bundestrainer als Mutmacher

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Mit viel Können und Erfahrung: Anna Rupprecht hat beim zweiten Weltcup auf der Hochfirstschanze in Titisee-Neustadt einen Sturz verhindert. Allerdings war die 24-Jährige des SC Degenfeld nach dem verunglückten ersten Durchgang ohne Chance aufs Finale.
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Am ersten Tag Platz 25, am zweiten dann den Finaldurchgang verpasst: Anna Rupprecht ist in Titisee-Neustadt von sich selbst enttäuscht. Von Andreas Bauer gibt's trotzdem Lob.

Anna Rupprecht schüttelte den Kopf. Und winkte resignierend ab. "Das war ein Sprung zum Abhaken, und eigentlich war's sogar ein Wochenende zum Abhaken", sagte die 24-Jährige des SC Degenfeld am Sonntag. Bundestrainer Andreas Bauer hat den Auftritt bei weitem nicht so negativ gesehen.

Irgendwie passte die Laune von Anna Rupprecht zum verregneten Heim-Weltcup in Titisee-Neustadt. "Natürlich bin ich enttäuscht." Eigentlich hatte sie gehofft, auf der Hochfirstschanze im Hochschwarzwald wieder einen Schritt in Richtung Weltmeisterschaft in Oberstdorf (25. Februar bis 3. März) zu machen. So aber sagte die Gmünderin nach den beiden Wettbewerben: "Das war ein Dämpfer für mich, da verliert man das Vertrauen in sich selbst."

Mit dem Dämpfer meinte sie vor allem den zweiten Weltcup am Sonntag, als sie mit 101,5 Metern den Finaldurchgang verpasste. Dabei war die Weite zunächst zweitrangig. Gleich nach dem Absprung musste sich kräftig mit den Armen rudern, um sicher zu landen und einen Sturz zu verhindern. Für die Statistik: Der Sprung reichte am Ende nur für Platz 37 – bei 38 gewerteten Starterinnen. Nach Ausreden suchte sich jedenfalls nicht: "Ich bin der Pilot auf der Schanze, und wenn es mich so verdreht, liegt es nur an mir und nicht an irgendwelchen anderen Bedingungen." Andreas Bauer kann den Frust im ersten Moment verstehen. "Das ist doch völlig normal ..." Aber: Nach der Analyse sagte der Bundestrainer, dass gerade dieser Sprung "sehr viel Potenzial" gehabt habe. "Anna hatte eine große Höhe. Die Qualität des Absprungs und der Übergang in die erste Flugphase waren wirklich sehr gut. Es hätte weit hinunter gehen können." Wäre da nicht dieser Fehler gewesen: Der Bundestrainer erklärt, dass die Symmetrie beim V-Stil nicht gepasst habe, und das habe zum abgebrochenen Versuch und dem vorzeitigen Aus geführt. Dementsprechend kann er auch den Frust seiner Athletin verstehen: "Da kommen die Emotionen hoch, und natürlich nagt das am Selbstvertrauen."

Schon am Vortag haderte die Gmünderin mit sich selbst. "Nö", antwortete sie kurz und knapp auf die Frage, ob sie mit ihrem Auftritt beim ersten Weltcup zufrieden gewesen sei. Wobei es die 24-Jährige das dann relativierte. Unzufrieden war sie nur mit dem ersten Durchgang und ihrem Sprung auf 106 Meter.

Steigerung auf 113 Meter

Da verliert man das Vertrauen in sich selbst.

Anna Rupprecht Skispringerin des SC Degenfeld

Dass es Rupprecht viel besser kann, bewies sie im Finaldurchgang, wo sie mit 113 Metern immerhin noch auf Platz 25 vorrückte. Und auch da sparte Andreas Bauer nicht mit Lob: "Mit dem ersten Tag bin ich sehr zufrieden", sagte er. "Das war zwar kein Highlight, aber eine solide Leistung." Und dieser zweite Sprung sei auch ein Schritt in die richtige Richtung gewesen, so Bauer. Für Anna Rupprecht waren die Worte des Bundestrainers dennoch ein schwacher Trost. "Ich habe den ganzen Sommer versucht, Vertrauen auf der Großschanze aufzubauen. Wenn du dann aber solche Sprünge dabei hast, tut das weh."

Es gehe jetzt darum, den Weltcup von Titisee-Neustadt schnellstmöglich aus dem Kopf zu bekommen. "Ich muss versuchen, einfach nicht mehr drüber nachzudenken." Stattdessen richtet sich die Konzentration jetzt ausschließlich auf das kommende Wochenende. Da geht es im österreichischen Hinzenbach weiter. "Das ist eine kleinere 90-Meter-Schanze, und das ist eher mein Metier." Der Bundestrainer sieht's genauso: "Anna hat auf solchen Anlagen mehrfach bewiesen, zu was sie in der Lage ist. Ich traue ihr in Hinzenbach auf jeden Fall einen Platz in den Top 15 zu."

Aber auch das war nach der Regenschlacht im Schwarzwald nur ein schwacher Trost für Anna Rupprecht.

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