Der Sport bietet sich für Pilotprojekt an

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Sport und Bewegung sind für die Entwicklung von Kindern enorm wichtig. Die Sportvereine können wegen der Corona-Pandemie schon llange kein Angebote mehr anbieten.
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Der Sportkreis Ostalb unterstützt die Bemühungen des Landrats. Die Sorge des Sportkreisvorsitzenden Manfred Pawlita gilt den Kindern, die nicht kommen.

Ostalbkreis

Wenn der Landkreis mit seinen Kommunen eine Pilotfunktion im Land übernehmen will, „dann halte ich es für ganz ganz wichtig, dass der Sport ganz eng dabei ist“, sagt der Vorsitzende des Sportkreises Ostalb, Manfred Pawlita. Dies hat er Landrat Dr. Joachim Bläse deutlich signalisiert und die Unterstützung zugesagt.

Dass Sport und Bewegung für die Menschen elementar wichtig sind, ist unbestritten. „Für uns als Sportvereine gilt es deshalb, sobald als möglich wieder in den Genuss zu kommen, wieder Sport für unsere Mitglieder anbieten zu können.“ Ein ganz besonderes Augenmerk legt Manfred Pawlita, der als Vizepräsident des Württembergischen Landessportbundes (WLSB) die Situation im Land bestens kennt, auf die Kinder und Jugendlichen. „Wir müssen ein besonderes Auge auf die Kinder- und Jugendarbeit haben“, sagt er. „Kinder und Jugendliche haben einen ganz natürlichen Bewegungsdrang, den sie in unseren Sportvereinen ausleben dürfen. Ganz nebenbei sozialisieren wir die Kinder in unseren Vereinen. Wir bringen ihnen den Teamgedanken nahe, vermitteln die Idee des Gewinnen-Wollens und des Verlieren-Könnens.“ Viele Vereine im Ostalbkreis würden es mit Ideenreichtum und großem Engagement auch in diesen schweren Pandemiezeiten schaffen, die Kinder und Jugendlichen bei sich zu halten. Die Statistik bestätigt dies.

Manfred Pawlita

Im Altersbereich U8 geht uns ein kompletter Jahrgang verloren.“

Manfred Pawlita, Sportkreisvorsitzender

Corona hat den Prozess dynamisch verschärft

Dass die Zahlen 2021 insgesamt rückläufig sind, das macht der Sportkreisvorsitzende weniger an den Vereinsaustritten fest. „Die gibt es auch“, sagt Pawlita. Auf dem Land weniger als in den Städten. Was ihm allerdings große Sorge bereitet, sind die ausbleibenden Eintritte. „Logisch. Wenn wir kein Sportangebot machen können, ist unser Kaufhaus leer. Niemand kommt.“ Dies ist vor allem im Kinderbereich zu spüren. Wenn kein Kinderturnen, kein Eltern-Kind-Turnen, keine Schwimmkurse angeboten werden können, bleiben die Neuanmeldungen in den Sportvereinen aus. Das schmerzt. Beim Blick auf die Zugangszahlen im Altersbereich der U8 zum Beispiel „können wir festhalten, dass uns ein kompletter Jahrgang an Kindern verloren gegangen ist.“

Bezogen auf die Sportarten treffe es vor allem die Kinderstube des Sports. Dazu zählen das Turnen, die Grundsportart Leichtathletik, so gut wie alle Ballsportarten und das Schwimmen. Beim Schwimmen seien die Auswirkungen am deutlichsten zu erkennen. Immer weniger Kinder können schwimmen. Pawlita: „Corona hat diesen Prozess noch einmal dynamisch verschärft.“

Während in der Altersgruppe der über 60-Jährigen trotz Corona 2020 sogar ein leichter Mitgliederzugewinn zu verzeichnen war, weist die Statistik in der Altersgruppe der unter Zehnjährigen einen Rückgang von rund 1200 Kindern aus. „Das ist viel“, ordnet Manfred Pawlita diese Zahl ein. Für ihn „ist klar, dass wir hier ansetzen müssen.“

„Wir müssen den Blick jetzt nach vorne richten und vorbereitet sein, wenn es wieder weitergeht“, ruft er seine Vereine dazu auf, die Weichen dafür zu stellen. Es gebe auch im Ostalbkreis eine Reihe an Sportvereinen, die mit vorbildlichen Hygienekonzepten, mit guter interner und externer Kommunikation und einem sehr hohen Maß an Disziplin ihrer Mitglieder beweisen würden, dass es gelingen kann, diese Pandemie zu meistern.

In einem Schreiben an Landrat Dr. Bläse und die Oberbürgermeister, Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der Kommunen im Ostalbkreis bietet der Sportkreisvorsitzende solche Vereine als „Mustervereine“ an, die in einer Pilotphase beispielgebend für andere Vereine sein können.

„Es wird nicht mehr lange dauern, dann müssen wir die Vorbereitungsszenarien in der Schublade liegen haben“, hegt der Sportkreisvorsitzende und WLSB-Vizepräsident die Hoffnung, dass die Inzidenzzahlen bald wieder eine zunehmende Öffnung des Sports möglich machen. „Ich habe“, betont Pawlita“ aus vielen Gesprächen das Gefühl, dass sich unsere Vereine auf eine kleine Explosion vorbereiten müssen. Alle warten darauf, dass es wieder weitergeht.“ Er sei sich sicher, dass die Vereine „absolut vorbereitet“ seien.

Wenngleich es nach wie vor Felder gebe, auf denen - angepasst an die gesellschaftliche Entwicklung - Veränderung notwendig sei. Das große Feld der Ehrenamtlichen zählt Manfred Pawlita dazu. „Wir haben das Ehrenamt mehr denn je neu zu denken“, sagt er. Gerade auch, weil die Sportvereine die größte ehrenamtliche Organisation darstellen würden. „Die Menschen wollen nicht mehr Tag und Nacht fürs Ehrenamt arbeiten.“ Das sei nicht erst seit Corona so. Aber die Pandemie habe diese Entwicklung beschleunigt. Arbeit teilen, Teambildung sei angesagt.

„Manches“, auch da verschließt der Sportkreisvorsitzende nicht den Blick vor der Realität, „wird sich sicherlich nur über die Finanzen regeln lassen.“ Von der Politik sieht er die Vereine diesbezüglich gut begleitet. Die Erhöhung der Übungsleiterpauschale und der Freibetragsgrenzen seien auf Bundesebene „gute Signale. Dafür bin ich sehr dankbar.“ Auch der von der Landesregierung beschlossene Solidarpakt mit einer deutlichen Erhöhung der Fördermittel, das 40 Millionen Euro schwere Sonderpaket zum Abbau des Fördermittelstaus im Sportstättenbau seien „gute Nachrichten“. Auch die erst an diesem Dienstag beschlossene Aufstockung des Soforthilfeprogramms um sechs Millionen auf insgesamt 25 Millionen Euro zählen dazu.

Allerdings muss die Laufzeit auf Ende 2021 verlängert werden, bittet der Sportkreischef. „Wir können in vier bis sechs Wochen bis zum jetzigen Laufzeitende 30. Juni 2021 dieses zusätzliche Geld nicht weiterleiten an die Antragsteller. Pawlita denkt zugleich an die Jahre „nach“ der Pandemie: „Natürlich sind bestimmte Strukturen beschädigt. Und für die 'Reparatur dieser Schäden' brauchen wir den Partner Politik mit einem Corona-Nachsorgepaket“.

Bürokratieabbau macht das Ehrenamt attraktiver

„Ich bin gespannt, wie wir uns als systemrelevanter Sport in de Koalitionsvereinbarungen wiederfinden“, blickt Manfred Pawlita auf die demnächst neuformierte Landesregierung. Eines seiner Hauptanliegen: Bürokratieabbau. Denn das bedeute Steigerung der Attraktivität des Ehrenamts.

AfD passt nicht ins Wertebild des WLSB

„Froh und dankbar“ sei er, „dass wir im Ostalbkreis sehr gute und kontaktfreudige Abgeordnete auf allen Ebenen haben.“ Das gelte für die bisherigen Bundes- und Landtagsabgeordneten. Und er sei überzeugt, dass dies auch für die neuen Abgeordneten des Ostalbkreises gelte, die nun in den Landtag einziehen werden. Er werde „auf jene zugehen, deren Parteien sich am Wertebild des WLSB orientieren.“ Ganz offen sagt er: „Da passt die AfD nicht dazu. Jedenfalls solange nicht, solange sie mit ihren Aussagen dem entgegensteht.“

Auszug aus dem Wertebild des Württembergischen Landessportbundes

„Jeder Mensch muss die Möglichkeit zur Ausübung von Sport ohne Diskriminierung jeglicher Art und im olympischen Geist haben; dies erfordert gegenseitiges Verstehen im Geist von Freundschaft, Solidarität und Fairplay.“ Dieses Wertefundament des weltweiten Sports, niedergeschrieben in der Präambel der Olympischen Charta, teilt der Württembergische Landessportbund e.V. als Dachverband der Sportvereine und -verbände in Württemberg aus tiefster Überzeugung. (...).

Der WLSB stellt sich klar gegen alle Ideologien und politischen Positionen, die Ungleichheit, Rassismus, Homophobie und Abwertung von Menschen mit Behinderung befördern. (...).

Der Württembergische Landessportbund e.V. betrachtet den Einsatz gegen menschenverachtende Handlungen und Äußerungen und für eine weltoffene, freiheitliche und demokratische Gesellschaft als dauerhafte Aufgabe.

Im Sport, in den Sportvereinen und -verbänden in Württemberg werden Diskriminierung, Rechts- bzw. Linksextremismus, antidemokratische Einstellungen und nicht zuletzt alle Personen und Gruppierungen, die sich nicht ebenso eindeutig von derartigen Verfehlungen distanzieren, nicht toleriert – ohne Wenn und Aber!

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