Der TSB verliert sein Kämpferherz: Marian Rascher geht „mit weinendem Auge“

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Handball, Oberliga, Marian Rascher, TSB Gmünd

Ein herber Verlust für den
TSB Gmünd. Aus persönlichen Gründen verlässt Marian Rascher die Jets nach zwei
Spielzeiten und schließt sich ab Sommer seinem Heimatverein TSV Bartenbach an.

Schwäbisch Gmünd.

Für Trainer Dragoș Oprea ist er der „Löwe“. Einer, der immer sein ganzes Herz auf dem Spielfeld lässt und auch mit Blessuren bis zum Ende für die Mannschaft kämpft. Marian Rascher ist ein großer Faktor dafür, weshalb sich der TSB in den vergangenen eineinhalb Jahren von einem Oberliga-Abstiegskandidaten wegentwickelt hat und nun in der oberen Tabellenhälfte mitmischt. Dieses Lob von außen schiebt der 26-Jährige zwar elegant zur Seite: „Als emotionalerer Spielertyp will ich natürlich vorangehen, zumal ich bereits zu den Älteren zähle. Ich denke, das gelingt mir ganz gut.“

 

Der Weg dahin war steinig. Als die Saison 2020/21 nach nur vier Spieltagen abgebrochen wurde, nutzte Rascher die unfreiwillige Pause für eine Operation am lädierten Knie. „Ich hatte wenig Druck und konnte mir genügend Zeit lassen, um wieder vollständig fit zu werden“, so der Rechtshänder. Inzwischen ist er beschwerdefrei und läuft so richtig zur Hochform aus, ist mit 41/17 Treffern aktuell der drittbeste TSB-Torschütze und gleichzeitig ein wichtiger Pfeiler im Abwehrverbund. „Es ist beeindruckend zu sehen, wie sich jeder Einzelne und das Team entwickelt und wir gemeinsam auch Rückschläge wegstecken“, freut sich Rascher. Das war erst am Samstagabend zu sehen, als die Jets in Herrenberg einen Sechs Tore-Rückstand aufholten und sich ein 26:26-Remis verdienten.

 

Umso mehr schmerzt beide Seiten der bevorstehende Abgang des unbestrittenen Führungsspielers, der im Juli Vater eines Sohns wird. „Das ist der beste Grund, um ein bisschen kürzertreten“, erklärt Rascher lächelnd, fügt aber hinzu: „Die Entscheidung ist mir extrem schwer gefallen.“ Denn im Sommersemester wird er sein Lehramt-Studium auf Sport und Mathematik abschließen, startet anschließend sein Refendariat an einer Schule. „Darauf freue ich mich sehr, doch ich gehe auf jeden Fall mit einem weinenden Auge“, sagt der Rückraumspieler, der sich bereits nach kurzer Zeit beim TSB heimisch fühlte: „Ich hätte mir auf jeden Fall einen viel längeren gemeinsamen Weg vorstellen können. Doch da sich bei mir beruflich und privat nun die Prioritäten verschieben, ist der zeitliche Aufwand für mich leider nicht mehr machbar.“ Gleichzeitig hebt er die „super Kommunikation“ mit dem Sportlichen Leiter Jürgen Rilli und Abteilungsleiter Michael Hieber hervor.

 

„Wir hätten uns einen Verbleib gewünscht und haben ihm alle Möglichkeiten offen gelassen“, meint Rilli, der sich bis zuletzt um einen Verbleib Raschers bemüht hatte: „Denn Marian ist einfach ein totaler Kämpfertyp, der in der Kabine den Ton angibt und uns mit seiner Persönlichkeit enorm weitergebracht hat.“ Der Abgang schmerze deshalb unheimlich, sei aber aufgrund der besonderen Umstände für den TSB nicht zu verhindern: „In der aktuellen Situation ist der Handball für ihn in den Hintergrund geraten. Da können wir nicht viel mehr machen. Er ist einfach in einer Situation, in dem ihm alles zu viel wird.“

 

Dem Handballsport wird Rascher dennoch treu bleiben – wenn auch in zeitlich reduzierter Form. Seine neue Mission: Er wird bei seinem Heimatverein TSV Bartenbach einsteigen und dort als spielender Co-Trainer an der Seite seines Onkels Ralf Rascher, in der Saison 2011/12 einst Coach des TSB Gmünd, agieren. Als Bezirksliga-Tabellenvierter sind Bartenbacher derzeit sogar mittendrin im Aufstiegsrennen. So oder so sei es das Ziel, „sich in den nächsten Jahren ein oder zwei Ligen höher zu etablieren“, wie Marian Rascher anmerkt: „Dieses coole Projekt reizt mich sehr. Wir haben dort eine junge Truppe mit viel Entwicklungspotenzial.“ Um den Verein wieder attraktiver zu machen, wurde eigens eine Beachhandball-Abteilung gegründet. Ob auch Raschers Beach-Team „Die Otternasen“, der auch einige TSBler angehören, ein Teil davon werden, sei noch in der Diskussion.

 

Bis zum Sommer aber richtet sich Raschers voller Fokus darauf, mit dem TSB Gmünd so früh wie nur möglich“ den Oberliga-Klassenerhalt zu schaffen. Als Tabellensiebter mit acht Punkt Vorsprung zur Gefahrenzone könnte die Ausgangslage vor dem Start der Rückrunde kaum besser sein. „Wir wollen an unsere bisherigen Leistungen anknüpfen und hoffen, dass Corona uns da keinen Strich durch die Rechnung macht“, spricht Rascher wohl allen Mitspielern aus der Seele: „Für mich persönlich wäre es natürlich optimal, wenn wir die Saison in der oberen Tabellenhälfte abschließen können und ich vor Zuschauer einen gebührenden Abschluss erlebe.“

 

Gleichzeitig muss eine Rückkehr zum TSB nicht völlig ausgeschlossen sein, wie das Beispiel Philipp Schwenk zeigt. Auch der Allrounder hatte nach dem Abstieg 2018 seine Handballschuhe aufgrund der beruflichen Zukunft und längerer Verletzungsbeschwerden zunächst an den Nagel gehangen, hielt sich anschließend bei der HSG Bargau/Bettringen fit. Zu Saisonbeginn feierte Schwenk im TSB-Perspektivteam sein Comeback, ist nun längst unverzichtbar für das Oberliga-Team. Eine ähnliche Geschichte will auch Rascher keineswegs ausschließen: „Ich bin ein ambitionierter Typ, noch nicht sonderlich alt und daher weiß man natürlich nie. Ich verstehe mich mit allen Jungs super und werde gerne in die Halle kommen zum zuschauen, wenn es die Zeit zulässt. Der Kontakt nach Gmünd wird auf jeden Fall bestehen bleiben, ganz besonders über Bruder Nicola Rascher und Vater Andreas „Rudi“ Rascher, der das TSB-Perspektivteam coacht.

 

Aus sportlicher Sicht steht bereits ein adäquater Ersatz für das „Kämpferherz“ Marian Rascher bereit. Neuzugang Andreas Maier (20, TSV Alfdorf/Lorch) soll die entstandene Lücke füllen. „Er hat viel Talent und ich traue ihm zu, die Rolle von Marian zu übernehmen“, ist der Sportliche Leiter Jürgen Rilli fest überzeugt.

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