Die Ehrgeizige mit dem trockenen Humor

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Einer der schönsten Momente in ihrer Karriere: Anna Rupprecht (2. von links) vom SC Degenfeld hat am Montagabend gemeinsam mit Karl Geiger (links), Markus Eisenbichler und Katharina Althaus die Goldmedaille überreicht bekommen. Das Quartett mit der Gmünderin hat am Vortag völlig unerwartet den WM-Titel im Mixed gewonnen.
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Vom ersten Hüpfer bis zum WM-Titel: Anna Rupprecht spornt eine Handy-Hülle ihres Bruders an. Sie arbeitet hart, muss viele Rückschläge einstecken und krönt sich mit der Goldmedaille, als niemand damit rechnet.

Ein Wort fällt immer wieder, wenn es um Anna Rupprecht geht: ehrgeizig. Die Gmünderin wollte noch nie nur dabeisein. Sie wollte immer oben sein. Nach dem Einzelwettbewerb bei der WM in Oberstdorf sagte die 24-Jährige noch: "Ich bin hier 14. geworden und habe nicht gewonnen – aber ich mache das um zu gewinnen." Und sie lässt Taten folgen: Seit Sonntag um 18.49 Uhr ist Anna Rupprecht Weltmeisterin! Ein Blick zurück auf ihre bisherige Karriere, die nicht immer nur erfolgreich verlief. Wie alles begann: Mit drei Jahren steht Anna Rupprecht zum ersten Mal auf Ski, kurz danach kommt sie mit ihrem Bruder Julian übers Schülerferienprogramm erstmals mit dem Skispringen in Kontakt. "Anna ist zweimal den Auslauf runtergefahren und hat dann die Ski in die Ecke geworfen", sagt Mutter Sandra Rupprecht. Allerdings nicht lange: Als Julian Rupprecht beim ersten Wettbewerb eine Handy-Hülle mit einem Plüsch-Raben gewinnt, wird sie wieder schwach. Und beschließt, Skispringerin zu werden. Der erste Wettkampf: Es war am 29. Dezember 2003, als Anna Rupprecht erstmals bei einem Wettbewerb an den Start geht. Sandra Rupprecht weiß das deshalb so genau, weil es der 7. Geburtstag ihrer Tochter ist. Und die macht sich selbst das schönste Geschenk. Anna Rupprecht hat die junge Konkurrenz im Griff und gewinnt das Springen am Ruhestand im Schwarzwald. Der erste Titel: Anna Rupprecht ist erst 13 Jahre alt, als sie ihren ersten Titel gewinnt: Bei den deutschen Meisterschaften in Oberhof 2010 sichert sie sich im Einzel überraschend Gold.

Erster internationaler Auftritt: Ebenso im Jahr 2010 startet die Gmünderin bei der Junioren-WM in Hinterzarten. Rupprecht landet auf dem neunten Rang. Vom Mädchen zur Frau: Die Pubertät geht auch an Anna Rupprecht nicht spurlos vorüber. "Da hat sie schon mal zu meinem Mann Martin und mir gesagt, dass wir sie zum Skispringen zwingen würden. Aber das war nie der Fall", sagt die Mama. Und Jugendtrainer Thomas Aubele erzählt vom "losen Mundwerk" der frisch gebackenen Weltmeisterin. Daran hat sich bis heute nichts geändert: "Anna hat einen sehr trockenen Humor, sie ist immer ehrlich, sagt aber auch gerade raus, was sie denkt", sagt Bundestrainer Andreas Bauer Und fügt hinzu: "In gewissen Momenten müssen wir sie da einbremsen." Das weiß auch Sandra Rupprecht: "Anna ist ein typischer Steinbock: mit dem Kopf durch die Wand ..." In einem sind sich aber alle einig: Man kann ihr nie böse sein. Das Weltcup-Debüt: Wie auch Olympiasiegerin Carina Vogt debütiert Rupprecht im Weltcup am 7. Januar 2012 in Hinterzarten – als 15-Jährige. Sie belegt die Plätze 46 und 48.

Erster Rückschlag: 2013 muss Anna Rupprecht an beiden Knien operiert werden, die Knochen müssen wegen Absplitterungen geglättet werden. "Davon hat sie sich aber nicht stoppen lassen. Anna ist ein Stehaufmännchen, sie gibt nie auf", sagt Sandra Rupprecht. Erster WM-Titel: Bei der Junioren-Weltmeisterschaft 2015 in Almaty steht Anna Rupprecht ganz oben auf dem Podest: Gold im Teamwettbewerb mit Henriette Kraus, Pauline Heßler und Gianina Ernst, Ärgerlich: Im Einzel wird sie wegen zu langer Ski disqualifiziert. Die Hiobsbotschaft: Die Weltcup-Saison 2016/2017 hat so gut begonnen, da passiert es: Anna Rupprecht stürzt am 10. Dezember 2016 in Nischni Tagil. Diagnose: Kreuzbandriss. Der Albtraum eines Skispringers. Im Weltcup ganz vorne: Einmal steht Anna Rupprecht in einem Weltcup-Springen bislang ganz oben: Am 9. Februar 2019 gewinnt sie das Teamspringen mit Carina Vogt, Katharina Althaus und Juliane Seyfarth.

Anna ist ein typischer Steinbock ...

Sandra Rupprecht Mutter von Anna Rupprecht

Die WM-Premiere: Für die Weltmeisterschaft in Seefeld wird Anna Rupprecht als fünfte Springerin nominiert. Im Teamwettbewerb ist sie daher nur Ersatz, im Einzel wird sie 24. "Anna war unglaublich nervös, dabei habe ich zu ihr gesagt, dass es dafür absolut keinen Grund gibt", sagt Andreas Bauer. Der nächste Rückschlag: "Mein Meniskus ist zerfetzt, außerdem habe ich einen Knorpelschaden erlitten." So beschreibt Anna Rupprecht ihre Verletzung, die sie im Juni 2019 wieder weit zurück wirft. Es folgt eine fast einjährige Leidenszeit mit der Reha bei der Bundespolizei in Bad Endorf.

Das Comeback 2.0: Das "Stehaufmännchen" lässt sich auch davon nicht unterkriegen. Wieder kommt der große Ehrgeiz bei der Gmünderin durch, und Rupprecht kämpft sich erneut zurück. Die Nummer eins: Beim Weltcup-Auftakt am 18. Dezember 2020 wird Rupprecht in Ramsau völlig überraschend Achte und damit beste Deutsche. "Das habe ich nicht erwartet", sagt sogar Bundestrainer Andreas Bauer. Die Krönung: Bei der Heim-WM gewinnt Anna Rupprecht im Mixed den WM-Titel. Wieder überrascht Anna Rupprecht alle – am meisten sich selbst.

7. Januar 2012: Anna Rupprecht feiert in Hinterzarten ihr Weltcup-Debüt. Sie belegt die Plätze 46 und 48.
9. Februar 2019: Anna Rupprecht (vorne) holt mit dem Team in Ljubno ihren bislang einzigen Weltcup-Sieg.
Dezember 2019: Anna Rupprecht (hinten) quält sich in der Reha bei der Bundespolizei in Bad Endorf.
18. Dezember 2020: Anna Rupprecht setzt beim Weltcup-Auftakt das erste Ausrufezeichen – und ist als Achte beste Deutsche.
29. Dezember 2003: Anna Rupprecht bestreitet an ihrem 7. Geburtstag ihren ersten Wettkampf – und gewinnt.
Einer der schönsten Momente in ihrer Karriere: Anna Rupprecht (2. von links) vom SC Degenfeld hat am Montagabend gemeinsam mit Karl Geiger (links), Markus Eisenbichler und Katharina Althaus die Goldmedaille überreicht bekommen. Das Quartett mit der Gmünderin hat am Vortag völlig unerwartet den WM-Titel im Mixed gewonnen.

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