„Die falsche Position gibt es nicht“

  • Weitere
    schließen
  • schließen

Für einige Profis ist der Trainerwechsel beim VfR Aalen nicht ohne Konsequenzen geblieben, andere finden auch unter Uwe Wolf nicht zu ihrer Stärke. Es gibt aber auch Gewinner.

Aalen.

Neuer Trainer, neues Glück. Oder: Neuer Trainer, unerwartete Sorgen. Das ist beim VfR Aalen nicht anders. Profis, die unter Roland Seitz Leistungsträger waren, spielen unter dem neuen Chefcoach Uwe Wolf plötzlich kaum noch eine Rolle - was auch am Systemwechsel liegt. Es gibt aber auch Gewinner.

Goson Sakai: Der Japaner leidet wohl am meisten unter dem Trainerwechsel. Bei Roland Seitz gesetzt, ist Sakai unter Wolf plötzlich zweite Wahl. Nur einmal durfte der Allrounder ran - weil sich Tim Grupp gegen Stadtallendorf verletzte. Ansonsten: Bankdrücker. Ist Sakai das Bauernopfer des neuen Trainers? „Nein“, stellt Wolf klar. Er habe nicht einmal gewusst, dass der Defensivspezialist unter seinem Vorgänger immer gespielt habe, und „es interessiert mich auch nicht“. Stattdessen bewerte er ausschließlich Trainingsleistungen. „Außerdem muss ein Spieler zur Spielstrategie passen.“ Wobei: Sakai ist äußerst flexibel, er kann in der Defensive fast alle Positionen spielen. Wolf stellt dabei klar, dass „sich jeder über Trainingsleistungen anbieten kann“.

Kolja Herrmann: Nach der Verletzung von Kristjan Arh Cesen war Kolja Herrmann als Linksverteidiger eine feste Größe. Wolf hat auf eine Dreierkette umgestellt, für den 23-Jährigen ist seitdem kein Platz mehr.

Kevin Hoffmann: Das große Rätsel. Unter Roland Seitz hat der vom Zweitligisten Jahn Regensburg gekommene Mittelfeldspieler fast nie sein wahres Können abrufen können, und unter Wolf geht's gerade so weiter. Schwach gegen Stadtallendorf, noch schwächer in Kassel. „Ich habe ihn nicht umsonst ausgewechselt“, sagte Wolf nach Schlusspfiff. Liegt's daran, dass sich der hoch gehandelte Hoffmann auf der linken Seite nicht wohl fühlt? „Es gibt keine falsche Position. Das ist eine Einstellungssache“, sagt der Trainer klipp und klar. In der Nachbetrachtung des Spiels habe er mit Hoffmann ein Einzelgespräch geführt. „Und ihn gefragt, wie oft er aufs Tor geschossen und eine Flanke geschlagen hat. Er wusste selbst, dass das zu wenig war.“ Wolf sagt deutlich, dass er von dem 25-Jährigen mehr erwartet. „Fußball ist ein Laufspiel, das ist nicht erst seit gestern bekannt.“ Hoffmann müsse mehr Körperspannung und Präsenz zeigen. Er müsse sich mehr zutrauen und lauter werden. „Ich will jetzt endlich sehen, dass er einst in Regensburg war ....“

Dijon Ramaj: Eigentlich war die Zeit des 22-Jährigen beim VfR Aalen bereits abgelaufen. Seitz hat Ramaj seit Ende Oktober 2020 nicht mehr berücksichtigt, eine Vertragsverlängerung im Sommer war ausgeschlossen. Und jetzt? Wolf hat den Offensivspieler zurück in den Kader geholt, gegen Stadtallendorf und in Kassel hatte er sogar seine ersten Kurzeinsätze. „Ich weiß um seine Qualitäten, Dijon ist ein begnadeter Fußballer“, sagt Wolf. und fügt hinzu, dass der Flügelspieler sogar eine Option für die Startelf sei. Ramaj trainiere unter ihm „sehr ordentlich“. Entscheidend sei aber die Einstellung - und die war zumindest unter Seitz nicht immer vorbildlich.

Ouadie Barini: Der 29-Jährige kam unter Seitz kaum zum Zug. Im ersten Spiel unter Wolf wurde der Angreifer eingewechselt und erzielte auf Anhieb den Führungstreffer beim 1:1 gegen Schott Mainz. Auch in Kassel bekam Barini zuletzt den Vorzug vor Kai Merk, der nur auf der Bank saß.

Mark Müller: Mark, wer? Viele hatten den Youngster, der aus der U19 aufrückte, gar nicht auf dem Schirm. Unter Seitz kam der schmächtige Außenbahnspieler vereinzelt zu Kurzeinsätzen. Mehr nicht. Das ist jetzt anders. Gegen Stadtallendorf feierte Müller sein Startelfdebüt, und er lieferte eine ordentliche Vorstellung ab. Der Lohn: In Kassel spielte er wieder 90 Minuten durch. Auch am Samstag wird er beginnen. Wolf: „Wie heißt es bei Bayern? Müller spielt immer! Das lasse ich jetzt mal so stehen.“ Der neue Trainer gerät fast schon ins Schwärmen. „So wünsche ich mir einen jungen Spieler: abgezockt, frech und unbekümmert.“ Klar, Müller gelinge nicht alles, aber „er setzt dann sofort nach“. Deshalb schenke er dem Jungen sein Vertrauen.

Ein

Uwe Wolf, Trainer des VfR Aalen

Zurück zur Übersicht: Regionalsport

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL