Die FIFA hält sich nicht an die eigenen Regeln

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Carmen Venus.
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Warum Carmen Venus, die Gleichstellungsbeauftragte des Ostalbkreises, bei der WM in Katar nur den Kopf schütteln kann.

Der Fußball-Weltverband hat nun auch noch die „One Love“-Kapitänsbinde bei der Weltmeisterschaft in Katar verboten. Damit unterbindet die FIFA selbst diesen stillen Protest gegen das Land, in dem Homosexualität verboten ist und das System der männlichen Vormundschaft Frauenrechte unterdrückt. Carmen Venus, Beauftragte für Chancengleichheit des Ostalbkreises, erzählt im Interview, was sie davon hält, dass die Fußball-WM dort stattfindet.

Schauen Sie die Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar?

Carmen Venus: Nein. Ich schaue ganz selten Fußball im Fernsehen. Ich gehe einmal im Jahr zu einem Spiel des VfR Aalen oder zum VfB Stuttgart, mehr Fußball schaue ich nicht.

Was halten Sie davon, dass Katar die WM ausrichtet, ein Land, in dem die Frauenrechte beschnitten sind und in dem Homosexualität verboten ist?

Solche internationalen Wettbewerbe tragen zur Völkerverständigung bei, sie fördern das Verständnis füreinander und wecken die Neugier auf die andere Kultur. Das hat man etwa 2010 in Südafrika gesehen. Doch bei dieser WM schafft es die FIFA nicht, ihre eigenen Regeln durchzusetzen: die Wahrung der Menschenrechte. Es geht gar nicht, dass ein Land die Spiele ausrichtet, das die Menschenrechte ganz klar missachtet. Zumal: Die FIFA hat auch gefordert, dass der Frauenfußball gefördert werden muss. Doch das ist nicht geschehen. Wieso steht die FIFA nicht hinter ihren eigenen Werten?

Wegen des Geldes ...

Ja, da haben wir es. Dabei gilt die FIFA als gemeinnütziger Verein, während der Deutschen Umwelthilfe die Gemeinnützigkeit abgesprochen worden ist. Doch die FIFA ist ein milliardenschweres Unternehmen, das ein Problem mit Korruption hat.

Sehen Sie in der WM auch eine Chance auf Wandel, weil die Menschen weltweit nun auf die Zustände dort schauen?

Für die eine oder andere Frau könnte schon ein Schritt nach vorne gehen, weil Frauen jetzt auf öffentlichen Plätzen unterwegs sind und gesehen werden. Zumindest während der Weltmeisterschaft spielen sie eine gewisse Rolle. Doch für Homosexuelle wird sich dort sicher durch die WM nichts ändern.

Wie kann ein Dialog gelingen?

Ich bin so froh um unseren Artikel eins im Grundgesetz: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Ich kann aus Sicht unserer westlichen Welt nicht verstehen, dass andere Länder diesen Grundsatz nicht haben. Doch ich werde dies nicht verurteilen, denn auf dieser Basis könnte kein Dialog entstehen. Wenn ich den anderen verstehen und die Gemeinschaft fördern will, kann ich nicht verlangen, dass mein Gegenüber auf mein Niveau kommt. Ich kann auch nicht zu einer konservativen muslimischen Frau sagen, ich will mit ihr reden, doch dafür soll sie erstmal das Kopftuch absetzen. Aber bei dieser WM steht die FIFA ganz klar nicht hinter ihren eigenen Werten – und dabei kann ich nur den Kopf schütteln. ⋌Julia Müller

Carmen Venus : zuständig für Chancengleichheit

Carmen Venus (48) ist seit 2019 Beauftragte für Chancengleichheit des Ostalbkreises. Die Aalenerin hat nach ihrer Schulzeit eine Ausbildung zur Jugend- und Heimerzieherin absolviert. Anschließend hat sie das Studium der Bildungswissenschaften an der Fernuni Hagen mit dem Bachellor abgeschlossen. Sie hat bei der Aktion Jugendberufshilfe in Ostwürttemberg (AJO) gearbeitet, bevor sie zum Landratsamt gewechselt ist.

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