Die Hymne hat er laut mitgesungen

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Athletiktraining bei Apollon Limassol. Beniamino Molinari beobachtet genau, ob die Spieler ihre Liegestützen richtig durchdrücken. Als Co-Trainer von Alexander Zorniger hat er sich auf der Mittelmeerinsel bereits gut eingelebt.
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Wie Beniamino Molinari, bei Alexander Zorniger Co-Trainer des zypriotischen Erstligisten Apollon Limassol, den Europameistertitel Italiens gefeiert hat und wie es ihm auf Zypern gefällt.

Limassol.

Die italienische Hymne vor dem Finale hat er laut mitgesungen - aus voller Brust. Wie Giorgio Chiellini. „Dazu bin ich sogar aufgestanden“, gibt Beniamino Molinari offen zu. „Wir haben verdient diesen Titel geholt. Weil wir einfach den aufregendsten Fußball gespielt haben bei dieser EM. Und weil wir den besten Mannschaftsgeist hatten“, sagt der Italiener, der viele Jahre die Kapitänsbinde in der Oberliga bei der Gmünder Normannia getragen hat, später deren Trainer wurde, dann als Chefcoach zum TSV Essingen wechselte und heute Co-Trainer an der Seite von Cheftrainer Alexander Zorniger beim zypriotischen Erstligisten FC Apollon Limassol ist.

Auf den Tag genau fast einen Monat ist es her, seit Beniamino Molinari seine Zelte in Essingen abgebrochen hat, um dem Ruf seines ehemaligen FCN-Trainers und Freundes Zorniger zu folgen. „Ich hatte schon als Spieler das eine oder andere Mal die Möglichkeit, ins Profilager zu wechseln. Damals gab es immer Gründe, die dagegen gesprochen haben.“, sagt der schwäbische Italiener, dessen Familie seit Jahrzehnten in Schwäbisch Gmünd fest verwurzelt ist. „Wenn ich die Chance jetzt nicht wahrgenommen hätte, hätte ich mir das vielleicht immer selbst vorgeworfen.“ Dass sein bisherigen Arbeitgeber, die Deutsche Post/DHL ihm die Möglichkeit eingeräumt habe, zurückzukehren, „hat mir die Entscheidung absolut erleichtert“, gesteht der 41-jährige Familienvater.

Ehefrau Nadine sowie der 17-jährige Sohn Nico und Tochter Marie (13) werden im August nachkommen. Der Älteste, Luca (19), der bereits eine Ausbildung absolviert und - wie einst sein Vater - sein Fußballtalent bei der Gmünder Normannia wirkungsvoll zur Geltung bringt - bleibt zuhause. „Wir werden unsere Wohnung in Schwäbisch Gmünd nicht aufgeben“, betont Beniamino Molinari seine Verbundenheit zur Stauferstadt. Auch Nico, der im September eine Ausbildung beginnt, wird wieder zurückkehren. Denn: „Für uns alle ist das schon ein stückweit auch ein Abenteuer.“ Mit hoffentlich gutem Vorlauf.

Extrem viel Spaß

Diesbezüglich hegt Molinari keine Zweifel. „Dieser Club hier wird absolut professionell geführt“, sagt er über seinen neuen Arbeitgeber FC Apollon Limassol. „Wir haben hier ein riesiges Trainingszentrum mit allem, was dazugehört. Das ist absolut bundesligareif.“ Die Arbeit selbst mache „extrem viel Spaß.“ Es sei überwältigend, welche Erfahrungen er bereits in den ersten vier Wochen in der Zusammenarbeit mit Alexander Zorniger - seinem Chef - bei Limassol gesammelt habe. „Das macht einfach einen riesen Spaß.“

Der Zeitaufwand freilich ist mindestens ebenso groß. „Ich war natürlich schon ein paar Mal in der Stadt, um mich umzusehen. Das ist sehr schön hier“, sagt Beniamino Molinari. Zeit, um sich die nähere Umgebung anzusehen, hat er bisher nicht wirklich gefunden. „Ich bin ja auch nicht als Tourist hier.“

Nach einem ersten Trainingslager in den Bergen Zyperns wäre jetzt ein zweites in Schladming in Österreich angestanden. Doch weil zwei Spieler positiv auf Corona getestet worden sind, war die Reise nach Österreich gestrichen. Stattdessen hat das Team in Paphos rund eine Autostunde von Limassol entfernt Quartier bezogen. Dort hat man sich am Sonntagabend nach dem Training auch gemeinsam das EM-Finale zwischen England und Italien angeschaut. „Bis das Elfmeterschießen vorbei war, war es bei uns schon nach 1 Uhr. Wir sind hier eine Stunde voraus“, erzählt Beniamino Molinari. „Da sind dann alle auf ihre Zimmer gegangen. Wir mussten ja am anderen Tag wieder früh ran.“

Trainiert wird früh morgens und abends

Trainiert wird nämlich frühmorgens um 8 und abends ab 19 Uhr. „Seit ich hier bin, gibt's täglich Temperaturen zwischen 30 und 40 Grad. Keine Wolken, kein Regen, nur Sonne. Da kannst du einfach nicht mitten am Tag trainieren. Das würde keinen Sinn machen.“

Dennoch hat er in der Nacht noch den Kontakt zu seiner Familie und den Freunden in Schwäbisch Gmünd gesucht. Und dabei erfahren, dass auf dem Gmünder Marktplatz noch gefeiert wurde. Schnell war er für einen kleinen Moment noch live zugeschaltet. „Vor dem Turnier hätte ich eher auf Frankreich, Deutschland oder Spanien getippt. Am Ende hat sich Italien diesen Titel absolut verdient“, sagt er. „Was Roberto Mancini in den letzten drei Jahren aufgebaut hat, ist sensationell.“

Die Champions-League lockt

Einen Titel, den des zypriotischen Meisters haben auch Alexander Zorniger und sein Team im Visier. Ob es auf Anhieb klappen kann, wird sich zeigen. „Wir haben einen großen Umbruch im Kader“, sagt Molinari. Da gelte es, eine neue und schlagkräftige Mannschaft zu bilden, die in der nächsten beiden Jahren die Meisterschaft feiern kann. Auch wenn es in diesem Jahr nicht klappen sollte mit dem Titel, schielt der Verein mit einem Auge auf die Teilnahme an der Qualirunde zur Champions-League. Zwei Vereine darf Zypern stellen. Dazuhin gibt es noch die Möglichkeit, in der neu geschaffenen „Conference League“ an den Start zu gehen.

Zum Testspiel nach Athen

International zu spielen, das ist schließlich der Traum eines jeden Fußballers. Am Donnerstag geht's jetzt erst einmal ins benachbarte Griechenland, um bei AEK Athen ein Testspiel zu absolvieren.

„Seit ich hier bin, gibt's täglich Temperaturen zwischen 30 und 40 Grad.“

Beniamino Molinari, Co-Trainer FC Apollon Limassol
Beniamino Molinari im Kraftraum von Apollon Limassol.

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