Diszipliniert an die Hanteln

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Woche eins nach dem Neustart: In den Fitnessstudios kehrt langsam wieder der Alltag ein. Trotz einiger Vorschriften nutzen die Sportler die Angebote. Nur die Duschen bleiben gesperrt.

Das Handy am Boden. Die Lautstärke voll aufgedreht, den Trainer klein vor Augen: Und schon startet das Programm im heimischen Wohnzimmer. Nein, eine Dauerlösung sei das nicht, sagt Simone. Die 39-Jährige hat sich nicht immer motivieren können fürs Onlinetraining. Damit ist jetzt Schluss. "Es ist ein schönes Gefühl, wieder im Fitnessstudio trainieren zu dürfen. Das hat mir gefehlt."

Ein Desinfektionsspender am Eingang, dazu markierte Laufwege am Boden. Und teilweise reduzierte Öffnungszeiten. Wer in diesen Tagen die Studios betritt, merkt schnell, dass Corona einiges verändert hat. Und das macht sich auch für die Betreiber bemerkbar. "Der große Ansturm ist bislang ausgeblieben", sagt Studioleiter Alexander Romanjuk vom "FairFitness Plus". Auch die Inhaber Dorian Haas vom "Vita Sports" und Manuel Graf vom Studio "Petro" sprechen von einem "verhaltenen Beginn".

Allerdings: Bei denjenigen, die wieder ins Studio kommen, sei eine große Erleichterung zu spüren. "Die Leute sind einfach glücklich, dass sie endlich wieder ins Studio dürfen", sagt Haas. Das erlebt auch Manuel Graf so. "Der Drang, im Studio zu trainieren, ist bei vielen sehr groß." Der "Petro"-Inhaber blickt dann auf die elfwöchige Zwangspause zurück: "Ich musste über 2500 Mails beantworten und erklären, wann es endlich weitergeht." Graf: "Das war auch für mich keine schöne Zeit, jeden Morgen in ein leeres Studio zu gehen ..." Klar habe es Onlineangebote gegeben. Und eine Liegestütze-Challenge. Aber gemeinsam im Studio zu trainieren sei einfach etwas anderes.

Was Alexander Romanjuk vor dem Neustart wichtig war: "dass die Leute mit einem guten Gefühl kommen und nicht ständig mit Corona konfrontiert werden." Trotzdem waren Veränderungen angesichts der Vorschriften nicht zu vermeiden. "Wir haben die Geräte verschoben, um die Abstände zu vergrößern. Wir haben mehrere Desinfektionsspender aufgestellt. Und natürlich diverse Hinweisschilder", sagt Graf und fügt mit einem Lächeln hinzu: "Ich mag diesen Schilderwald eigentlich nicht, aber es muss halt sein ..." Was die Betreiber der Fitnessstudios besonders freut: die Disziplin der Sportler. Zwar achten die Trainer penibel darauf, dass die Vorschriften eingehalten werden. "Wir mussten aber noch nicht eingreifen, weil wirklich alle die Regeln beachten."

Keine hochintensiven Kurse

Auch wenn nach und nach der Alltag einkehrt, alles dürfen die Fitnessstudios noch nicht anbieten. Gerade im Kursbereich sind Einschränkungen spürbar. "Die hochintensiven Kurse sind nach wie vor untersagt", sagt Graf. Dazu gehören beispielsweise Spinning, Indoor-Cycling oder Power-Zirkel. Das "Vita Sports" ist deshalb kreativ geworden. "Wir haben einige dieser Kurse einfach ins Freie verlegt", sagt Haas. Ansonsten beschränken sich die Angebote auf Rücken- und Bauchkurse oder Yoga.

Ich musste über 2500 Mails beantworten.

Manuel Graf Inhaber Fitnessstudio "Petro"

Was den Inhaber des Studios "Petro" am meisten stört: dass sowohl der Saunabereich als auch die Duschen weiter gesperrt bleiben müssen. "Ich kann das teilweise nicht nachvollziehen", sagt Graf. "Wenn ich in eine Finnische Sauna, in die 40 Personen passen, nur fünf reinlasse, dann kann doch nichts passieren ..." Diese Verbote nerven auch die Trainierenden am meisten. "Es ist fast alles wie vor Corona. Dass man sich aber nicht umziehen und duschen kann und verschwitzt nach Hause gehen muss, das ist alles andere als angenehm", sagt Simone.

Und wie verhält es sich mit den Mitgliedsbeiträgen während der elfwöchigen Zwangspause? "Das ist ganz unterschiedlich. Die einen setzten die Beiträge aus, die anderen sind solidarisch und unterstützen das Studio", sagt Manuel Graf.

So geht es auch Alexander Romanjuk im "FairFitness". "Wir hatten während der Zwangspause eine Kündigungsrate von unter 3 Prozent. Die Mitglieder unterstützen uns toll und sind sehr solidarisch."

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