Dr. Dalferth: auch die Pandemie im Blick

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Dr. Ralph Dalferth kümmert sich bei er EM in Sotschi nicht nur um die Blessuren der Trampolinturnerinnen und -turner.

Der Gmünder Sportmediziner Dr. Ralph Dalferth hat für die Reise nach Sotschi für die Trampolin-Nationalmannschaft ein spezielles Hygienekonzept erarbeitet.

Schwäbisch Gmünd.

An diesem Montag machte sich eine 36-köpfige Delegation des Deutschen Turnerbundes (DTB) auf den Luftweg nach Sotschi zu den Europameisterschaften im Trampolinturnen. Während Bundestrainerin Katarina Prokesova auf die eine oder andere Finalteilnahme hofft und sechs Athleteninnen und Athleten des DTB noch hoffen, sich für die Olympischen Spiele im Tokio zu qualifizieren, steht der Gmünder Sportmediziner Dr. Ralph Dalferth vor einer ganz besonderen Herausforderung: Der DTB-Verbandsarzt, der die deutsche Trampolinmannschaft seit über zehn Jahren auch bei Großveranstaltungen weltweit medizinisch betreut, hat als Teamchef ein umfangreiches Hygienekonzept mitentwickelt, um alle Sportlerinnen und Sportler und den Trainer/Betreuer-Staff ohne Corona-Infektionen durch die Wettkämpfe und vor allem wieder gesund nach Hause zu bringen. Denn das Auswärtigen Amt der deutschen Bundesregierung stuft Russland trotz leicht rückläufiger Inzidenzen immer noch als Risikogebiet ein und warnt vor „nicht notwendigen touristischen Reisen“ dorthin.

„Nachdem Großbritannien vor sechs Wochen seine Teilnahme abgesagt hat, gab es auch im Deutschen Turnerbund Überlegungen, ob man angesichts der Corona-Pandemie das Wagnis einer Reise in die Olympiastadt von 2014 an der russischen Schwarzmeerküste eingehen soll“, räumt Dr. Ralph Dalferth ein. „Man entschied sich dann aber unter strengen Auflagen und bei stringenter Einhaltung eines Hygienekonzeptes im Sinne der Athleten/innen für eine Teilnahme“. Die Ausarbeitung dieser Regelungen und die Reiseleitung lag federführend beim Gmünder Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie.

Unter Kurt Bücheler einst selbst eine Trampolingröße

Der heute 55-Jährige, den seine Freunde Pit rufen, gehörte in seiner aktiven Zeit über 20 Jahre lang zur Trampolin-Bundesligamannschaft des TSB Gmünd, die unter der früh verstorbenen Trainerlegende Kurt Bücheler mit so bekannten Turnern wie dem späteren Bundestrainer Michael Kuhn, Joachim Krieg, Berthold Bareiss und Christian Kemmer dreimal Deutscher Meister wurde. „Pit“ Dalferth sammelte außerdem Gold-, Silber- und Bronzemedaillen bei deutschen Titelkämpfen. Sein Vater, der frühere Pharmazierat und Pfauen-Apotheken-Besitzer Dr. Siegfried Dalferth (85), ist passionierter Reiter und war jahrelang Vorstandsmitglied der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Und seine Söhne Patrick und Philipp sind aktuell neben Henning Mühlleitner die besten Gmünder Schwimmer.

Wertvolle Tipps von Lufthansa-Pilot Kohleisen

„Ein wesentlicher Baustein in unserem Hygiene-Konzept ist die An- und Rückreise“, erklärt Dalferth. Sehr hilfreich seien ihm dabei die Ratschläge und Tipps seines Freundes und Lufthansa-Berufspiloten Boris Kohleisen, dem Vater des Gmünder Schwimmtalentes Yannik Kohleisen, gewesen.

Das Trampolinteam fliegt mit der Lufthansa von Frankfurt zum Moskauer Flughafen Domodedowo. „Vor dem Abflug müssen alle Teilnehmer negative PCR-Test vorweisen. Im Flieger haben wir so die Plätze gebucht, dass wir praktisch eine Blase mit deutlichem Abstand zu den wenigen anderen Fluggästen bilden“, erklärt Dalferth. „Im Transitbereich von Domodedowo sind wir so gut wie isoliert“. Von Moskau aus geht es dann per dreistündigem Inlandsflug nach Sotschi – Dalferth: „Wir haben dafür eine kleine Maschine gebucht, in der wir so gut wie alleine sind. Getränke und Essen gibt es in der Maschine nicht, der Mund-Nasen-Schutz muss immer getragen, ein Zwei-Meter-Abstand gehalten werden“. Gleiches gilt auch für die Fahrt vom Flughafen Sotschi ins Hotel „Bogatyr“. Ab dort greifen dann alle gültigen russischen und die speziellen Veranstaltungs-Hygieneregeln.

Auch Anna Rupprecht gibt Erfahrungen weitet

„Die sind streng und wirksam“, ist sich Ralph Dalferth sicher, nachdem er sich bei Anna Rupprecht erkundigt hat. Die Gmünder Skisprungweltmeisterin startete kürzlich beim Weltcup in Chaikovsky in Sibirien und versicherte, dass auf die Einhaltung der Regeln sehr geachtet wurde.

Das deutsche Trampolinteam bezieht im Hotel eine eigene Etage mit Essraum und ohne Aufzug. „Wir bilden hier eine geschlossene Blase, ohne Kontakt zu den den anderen Hotelgästen oder Teams, privaten Ausgang gibt es nicht“, so Dalferth.

Auch bei den Wettkämpfen im nahegelegenen Palace of Sport gelten strenge Regeln und Kontaktbeschränkungen. „Die einzelnen Teams absolvieren ihre Übungen weitgehend separat, der Kontakt zu anderen Sportlerinnen und Sportlern ist sehr begrenzt“, lässt Dalferth wissen, „und jeden zweiten Tag wird getestet“. Auch nochmals vor dem Abflug von Sotschi über Moskau zurück am kommenden Montag.

„Wir hoffen natürlich alle, dass wir wieder gesund nach Hause kommen – und vielleicht mit der einen oder anderen Medaille im Gepäck“, sagte Ralph Dalferth vor seiner bislang anspruchsvollsten Aufgabe als Verbandsarzt der deutschen Trampolin-Nationalmannschaft.

Getränke und Essen gibt es in der Maschine nicht.“

Dr. Ralph Dalferth, Nationalmannschaftsarzt

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