Ein Gmünder will in den VfB-Beirat

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Mit diesem Bewerbungsfoto kandidiert Michael Reichl am 18. Juli für einen Posten im Vereinsbeirat des VfB Stuttgart. Der 50-jährige Gmünder will sich in der Säule „Mitglieder und Fans“ engagieren.
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Michael Reichl stellt sich bei der Mitgliederversammlung am 18. Juli für die Säule „Mitglieder und Fans“ zur Wahl. Nach der ersten Vorauswahl hat der 50-Jährige noch fünf Mitbewerber.

Schwäbisch Gmünd / Stuttgart

Michael Reichl erinnert sich noch genau an den 26. Mai 1984. Der damals 14-Jährige ist daheim ausgebüchst, weil ihm seine Mutter den Stadionbesuch verboten hatte. Er ist heimlich nach Stuttgart gefahren und hat im B-Block des damaligen Neckarstadions miterlebt, wie der VfB Stuttgart trotz eines 0:1 gegen den Hamburger SV Deutscher Meister wurde. Spätestens jetzt waren die Roten sein Herzensverein, und daran hat sich bis heute nichts geändert. Nun will der 50-Jährige in den Beirat - und sich für die Mitglieder und Fans engagieren.

Es war ein Erlebnis im Familienkreis, das ihn dazu bewogen hat, die Kandidatur abzugeben. Bei seinen beiden Kindern Pauline (8) und Luis (5) seien bittere Tränen geflossen, als sie vom Weggang ihres Idols Gregor Kobel erfahren hätten. Der Keeper hat den VfB bekanntlich in Richtung Borussia Dortmund verlassen. „Ich habe ihnen gesagt, dass es mir früher genauso ging und ich traurig und auch sauer war, vor allem wenn Spieler zu Bayern München gewechselt sind.“ Aber: Reichl habe auch gesagt, dass „der Brustring und das Wappen alles zusammenhält“. Und genau das wolle er auch in Zukunft schützen und weiterentwickeln. „Ich möchte mithelfen, dass der VfB den Menschen in der Region Identität und Heimat bietet“, sagt der Gmünder in seinem Bewerbungsvideo.

Apropos Bewerbung: Reichl hat eine ausführliche Mappe samt Video zusammengestellt und diese Präsident Claus Vogt geschickt. Und der erste Eindruck war überzeugend. 24 Bewerbungen sind für die Säule „Mitglieder und Fans“ in Stuttgart eingegangen, aus denen der VfB sechs Kandidaten ausgewählt hat. Einer davon: Michael Reichl. Er und seine fünf Mitbewerber kämpfen nun bei der Mitgliederversammlung am 18. Juli um die drei freien Plätze im Vereinsbeirat. Wahlberechtigt sind alle Mitglieder, die bei der Versammlung in der Mercedes-Benz-Arena anwesend sind. „Die Veranstaltung ist ein Modellprojekt in Corona-Zeiten, es dürfen 5000 Mitglieder teilnehmen“, sagt der Gmünder Bewerber.

Er selbst ist nicht nur seit 45 Jahren Fan des VfB, sondern seit 1. Juli 1992 auch Mitglied. In jenem Jahr 1992 hat Reichl mit den Stuttgartern erneut den Deutschen Meistertitel gefeiert. „Danach war mit klar: Ich möchte ein Teil dieses Vereins sein.“ Auch sein Umzug nach Heldenstein habe nichts an dieser Tatsache geändert. Wobei dies in Bayern nicht einfach sei. „Ich lebe hier im tiefroten Bayern-München-Land, aber ich halte seit Jahren furchtlos und treu unsere VfB-Farben hoch“, so der selbstständige Berater und Konfliktcoach.

„Extrem gegen den Strich“

Schwierig fand Reichl bei allen sportlichen Erfolgen zuletzt die Außendarstellung abseits des Rasens. „Wie Präsident Claus Vogt und Vorstandsvorsitzender Thomas Hitzlsperger in öffentlichen Briefen miteinander umgegangen sind, ist mir extrem gegen den Strich gegangen.“ Was er aber auch sagt: „Ich muss den beiden hoch anrechnen, dass sie wieder zusammengefunden haben. Das hätte ich nicht gedacht.“ Diese positiven Entwicklungen hätten ihn auch zur Kandidatur bewogen. Und er wolle im Falle einer Wahl mithelfen, „die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen wie Vielfalt und Nachhaltigkeit zu leben“. Das alles möchte er „durch den starken Zusammenhalt der VfB-Familie und mit starken Mitgliederrechten“ schaffen. Wichtig ist dem Gmünder außerdem, dass im Verein „offen und ehrlich kommuniziert wird“.

Der 50-Jährige sieht die Aufgabe im Vereinsbeirat als „große Herausforderung“ an. Denn: „Ein Verein mit 72000 Mitgliedern ist ein Abbild der Gesellschaft. Und diesen Wertewandel möchte ich beim VfB aktiv begleiten.“

Info: Das Bewerbungsvideo gibt es auf Instagram unter micha_1893_vfb.

Ich möchte ein Teil dieses Vereins sein.“

Michael Reichl, Kandidat für den VfB-Vereinsbeirat

Der Beirat des VfB Stuttgart und seine drei Säulen

Termin. Die Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart für das Jahr 2020 musste wegen Corona verschoben werden. Nachgeholt wird diese nun am Sonntag, 18. Juli 2021, ab 12 Uhr. Gleichzeitig wird an diesem Termin auch die Versammlung fürs Jahr 2021 abgehalten.

Beirat. Der Vereinsbeirat des VfB Stuttgart umfasst drei Säulen: „Sport und Verein“, „Wirtschaft und Gesellschaft“ sowie „Mitglieder und Fans“. Für die dritte Säule kandidiert der Gmünder Michael Reichl. Insgesamt sechs Bewerber kämpfen um drei Plätze.

Ort. Die Mitgliederversammlung findet in der Mercedes-Benz-Arena statt. Maximal 5000 Mitglieder haben Zutritt. alex

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