Ein Implantat für den Beckenrand

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Freut sich auf seine neue Aufgabe: Björn Koch ist neuer Trainer des Schwimmvereins Gmünd. Seinen ersten Arbeitstag hat der 33-Jährige am 15. August.
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Der SV Gmünd geht mit Björn Koch (33) in die Zukunft. Im Interview spricht der neue Trainer über seine Bewerbung und darüber, wie er mit seiner Hör-Behinderung am Wasser umgeht.

Schwäbisch Gmünd

Björn Koch ist ein lockerer Typ. Der 33-Jährige mag es nicht, wenn man sich unter Sportlern siezt. Er hat klare Vorstellungen, was seinen Job als Trainer des SV Gmünd angeht. Und er spricht offen über seine Hör-Behinderung, die seine Schwester Dr. med. Larissa Koch entdeckt hat und die ihn dort am wenigsten beeinträchtigt, wo er sich am wohlsten fühlt: am Wasser.

Herr Koch, Sie stammen aus Niedersachsen, leben aktuell im Allgäu. Warum der Wechsel ins Schwabenland?

Koch: Als ich die Stellenbeschreibung gesehen habe, wusste ich gleich, dass diese Tätigkeit zu mir passt.

Was genau passt zu Ihnen?

Ich möchte leistungsorientiert Schwimmer aufbauen - das geht von der Schwimmausbildung bis zum Leistungssport. Ich möchte diese Schwimmer langfristig fördern, da ist es wichtig, dass man einen roten Faden hat. Und ich möchte den Verein als Mannschaft sehen, obwohl es eine Einzelsportart ist.

Hatten Sie vorher schon Berührungspunkte mit Schwäbisch Gmünd?

Ja. Im Jahr 2002 haben dort die württembergischen Meisterschaften stattgefunden. Ich bin über 200 Meter Schmetterling einen neuen Altersklassenrekord geschwommen. Das habe ich nie vergessen.

Dann kennen Sie die Infrastruktur in Gmünd.

Ja, die Schwimmhalle war optimal. In Gmünd hatte alles gepasst, die sportliche Einstellung, die Organisation. Der Schwimmverein hat wirklich einen sehr guten Ruf. Und ich kenne ein paar Schwimmer aus Gmünd, Florian Abele beispielsweise.

Sie selbst gehen sehr offen mit Ihrem Handicap um.

Ja, ich habe eine angeborene Hör-Behinderung. Meine Schwester Larissa, die selbst Ärztin ist, hat diese in einem Gespräch festgestellt. In zwei operativen Eingriffen wurden mir in den Ohren Implantate eingesetzt. Vorher konnte ich rund 20 Prozent hören, jetzt sind es 70 bis 80 Prozent.

Beeinträchtigt das die Kommunikation mit den Athleten, auch durch die Wassergeräusche?

Nein, im Gegenteil. Techniker der Uniklinik haben meine Implantate speziell für den Beckenrand eingerichtet. Die Wassergeräusche werden reduziert, und ich kann meinen Job ohne Beeinträchtigungen ausführen. Und früher als ich selbst noch aktiver Schwimmer war, hat mir das sogar geholfen - für mich war's im Wasser immer ruhig ...

Sie haben eine außergewöhnliche Karriere hingelegt - sind viermal Welt-, fünf mal Europa- und 39 Mal Deutscher Meister geworden.

Ich denke, dass mir diese Erfolge bei meiner Trainertätigkeit enorm weiterhelfen. Ich kenne die Gefühle, die Leistungssportler umtreiben. Die Siege, aber auch die Niederlagen, in denen es Tiefpunkte gibt. Da geht es sehr viel um Motivation, und da kann ich meine Erfahrungen einfließen lassen.

In welche Ligen wollen Sie die Schwimmer des SV Gmünd führen?

Die Männer wollen wir in der 2. Bundesliga halten, und die Frauen zunächst in der Oberliga. Aber auch sie würde ich gerne in die 2. Liga bringen. Das wäre super.

Der Schwimmsport hat extrem unter Corona gelitten, die Wasserflächen waren monatelang gesperrt.

Ja, die Schwimmer durften teilweise ein Jahr lang nicht ins Wasser. Es wurden keine Schwimmkurse angeboten, deshalb denke ich, dass wir viele junge Menschen verloren haben. Sie haben andere Interessen entdeckt, haben andere Sportarten gefunden. Ich bin wirklich froh, dass es in Schwäbisch Gmünd wieder losgegangen ist.

Das heißt, Sie befürchten durch die Pandemie langfristige Auswirkungen fürs Schwimmen?

Das auf jeden Fall. Wobei ich auch glaube, dass die Nachfrage sehr groß sein wird, wenn es jetzt wieder losgeht. Da müssen wir gut organisieren, weil die Wasserflächen begrenzt sind.

Gibt es etwas, das Sie in Gmünd vermissen?

Ganz klar eine 50-Meter-Bahn in der Schwimmhalle. Ich denke, dass sich erfolgreiche Athleten den Stützpunkten anschließen, die eine solche Bahn haben.

Sie selbst treten Ihren Job beim SV Gmünd am 15. August an.

Ich werde Ende Juli schon nach Gmünd kommen. Eine Wohnung habe ich ebenso schon gefunden, nur fünf Gehminuten von der Schwimmhalle entfernt. Das ist optimal für mich.

Und was machen Sie, wenn Sie nicht am Beckenrand stehen?

Wandern und radfahren. Auch da freue ich mich sehr auf die Umgebung in Gmünd.

Der SV Gmünd hat einen sehr Ruf.“

Björn Koch, Neuer Trainer des SV Gmünd

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