Ein Senior allein an der Spitze beim Staufer-Open

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Josef Gabriel, (Bildmitte) besiegte überraschend seinen wesentlich stärkeren Gegner und steht nach fünf Runden als absoluter Außenseiter allein an der Spitze der 200 Teilnehmer im A-Open.

Zur Turnierhalbzeit hält Oberligist Josef Gabriel aus Stuttgart die Profis auf Distanz. Gmünder Nachwuchsspieler Thomas Lang vorne mit dabei.

Schwäbisch Gmünd. In wenigen Tagen wird er 78 Jahre alt – aber in Schwäbisch Gmünd spielt er wie ein Junger auf. Der Stuttgarter Oberliga-Schachspieler Josef Gabriel hat beim Staufer-Open einen Lauf. Nach fünf Runden liegt er mit 4,5 Punkten allein an der Spitze des 200-Teilnehmer-Feldes im A-Open. Zuletzt hat Gabriel am Mittwochvormittag an den abgetrennten Spitzenbrettern den Fide-Meister Marco Riehle (SF Sasbach) bezwungen. Anstelle eines Kommentars hat Gabriel nach der Partie nur verschmitzt gelächelt – der Gegner hatte eine Figur eingestellt.

Im ausgeglichen besetzten Spitzenfeld nehmen sich ansonsten die Profis gegenseitig die Punkte weg. Wer nicht schnell remisiert, kämpft lange. So auch Turnierfavorit Großmeister (GM) Eltaj Safarli, der in der fünften Runde gegen den Internationalen Meister (IM) Frank Zeller nach fünf Stunden Spielzeit gewonnen hat. Zeller startet für den Verein Zugzwang München. Die Gmünder kennen ihn noch aus seiner Zeit als Oberliga-Spitzenspieler bei der Schachgemeinschaft. Safarli hat jetzt vier Punkte, ebenso wie acht weitere Spieler.

Mit starken 3,5 aus 4 gestartet war der 19-jährige Gmünder Verbandsliga-Spitzenspieler Thomas Lang. Damit lag er nach vier Runden im A-Open mit vier Punktgleichen an der Spitze. Doch am Mittwochvormittag hat Lang gegen Fide-Meister Oliver Stork aus Oberursel verloren. Stork siegte mit den schwarzen Steinen im Königsangriff. „Ich hätte bestenfalls noch die Damen tauschen können“, kommentierte Lang. „Aber auch im Endspiel wäre ich klar schlechter gestanden.“ Von einem Endspiel sprechen die Schachspieler, wenn nur noch wenige Figuren auf dem Brett stehen.

Wie Thomas Lang und 20 weitere Spieler 3,5 Punkte aus fünf Runden hat der Gmünder Oberligist IM Josef Jurek. Nach einigen Remisen gewann Jurek am Mittwoch in 51 Zügen dank eines starken Läuferpaares – und war damit wieder vollauf zufrieden. Anders der Gmünder Oberliga-Spitzenspieler, GM Petr Velicka. Er stand gegen den 16-jährigen Kevin Haack aus Hofheim klar besser, übersah aber ein gegnerisches Turmopfer und wurde mattgesetzt. Nun hat Velicka 3 aus 5.

SG Gmünd führt Teamwertung an

Die SG Gmünd führt knapp vor Hellern in der Mannschaftswertung. Auf 2,5 Zähler kommt ihr Oberligist Andreas Weiß, der in Runde 5 seinen Gegner mit zwei Türmen und zwei Freibauern mattgesetzt hat. Weiß: „Er hätte aktiver spielen müssen!“ Der Gmünder hat zur Turnier-Halbzeit 50 Prozent geholt – gegen starke Gegner. 2,5 Zähler haben auch der Leinzeller Bezirksliga-Spitzenspieler Jürgen Denk sowie die Spraitbacher Landesligisten Tim Kurz und Alexander Ziegler.

Im B-Turnier der Spieler mit niedrigeren Ratingzahlen führt nach fünf Runden Tobias Klingler aus Dinkelsbühl. Die Nummer 15 der Startrangliste hat als einziger im 233-Teilnehmer-Feld alle fünf Partien gewonnen. Dahinter rangieren sieben Spieler mit 4,5 Zählern – unter ihnen auf Platz 3 Dieter Frühsorger, Landesligist aus Sontheim, und auf Platz 7 der Spraitbacher Landesligist Johannes Klos. Der an acht gesetzte Gmünder Verbandsligist Roland Macho hat bisher zwei Unentschieden abgegeben und liegt mit vier Punkten im Verfolgerfeld.

An diesem Donnerstag werden zwei Spiele um 9.30 und 16 Uhr ausgetragen. Die Schlussrunde beginnt am Freitag um 9.30 Uhr; gegen 15.30 Uhr ist dann Siegerehrung. Wie gehabt können auch schwächere Spieler einen von zahlreichen Sonderpreisen absahnen. Aktuelle Ergebnisse und Auslosungen stehen unter www.staufer-open.de im Internet.

Körperscans im Stadtgarten

Mit Handy oder Smartwatch drohen beim Schach immer mal wieder Betrügereien. Damit kein Computer verbotenerweise zugeschaltet werden kann, dürfen elektronische Geräte in Turnieren nicht am Körper getragen werden. Das wird streng kontrolliert; wer sich nicht daran hält, verliert sofort. Amaru Juscamayta aus dem Schiedsrichterteam zieht deshalb, erstmals beim Staufer-Open, mit einem Metalldetektor durch den Stadtgarten. Immer wieder holt er einzelne Spieler und scannt sie. „Ich kontrolliere jede Runde jeweils einen oder zwei Spieler im A- und B-Turnier“, sagt der Schiedsrichter. „Die Abschreckungswirkung ist enorm.“

⋌Matthias Reichert

Partie des Tages - Damenfang nach zwölf Zügen

Ein schwungvoller Angriff glückte in der fünften Runde des B-Opens dem 15-jährigen Kreisklassenspieler Samuel Schmid aus Sontheim.

Samuel Schmid – Thomas Leykauf

1.e4 d5 2.exd5 Dxd5 (Die skandinavische Verteidigung.)

3.Sc3 Da5 4.d4 Sf6 5.Sf3 Lg4 (Besser ist wohl Lf5.)

6.Lc4 Sbd7 7.Ld2 (Um die Position der schwarzen Dame auszunutzen.)

7…c6 8.Sd5 Dd8 9.Sxf6+ Sxf6? (Erzwungen war 9…exf6.)

10.Se5! Dxd4? (Die Dame kann Schwarz nicht nehmen, weil er sonst mit 11.Lxf7 mattgesetzt wird. Der einzige Zug, der nicht sofort verliert, ist hier 10…Le6.)

11.Lxf7+ Kd8 12.La5+ (Ein Abzugsschach gewinnt die Dame.)

Schwarz gibt auf, 1:0

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