Ein tänzerisches Feuerwerk der Extraklasse

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Das Siegerpaar: Marcel Hammrich und Maira Djouban vom TSC Rot-Gold Casino Nürnberg

Der TC Rot-Weiss Schwäbisch Gmünd feiert sein 60-jähriges Jubiläum. Nürnberger Paar Marcel Hammrich und Maira Djouban siegen im Lateinturnier der Klassen A/S um den Gmünder Einhornpokal. 

Schwäbisch Gmünd

Brigitte Disam nahm ihren Sohn Alexander immer wieder in den Arm: Die Ehrenvorsitzende des TC Rot-Weiss Schwäbisch Gmünd herzte den heutigen Vorstand und beide nahmen zusammen die Gratulationen entgegen – für den Rot-WeissBall, mit dem der Tanzsportverein sein 60-jähriges Jubiläum im Schwäbisch Gmünder Stadtgarten feierte. Das gesellschaftliche Ereignis des Jahres, längst nicht nur für Tänzerinnen und Tänzer. Mit zwei Jahren Verspätung holte der TC all das nach, was Corona über so lange Zeit nicht zugelassen hatte. Das Publikum erlebte eine Show der Extraklasse und einen Alexander Disam als Moderator in Bestform.

Der Wermutstropfen blieb klein und kaum einer nahm im großen Rund des Peter-ParlerSaales davon Notiz: Rund 200 Besucher weniger zählte der Ball, der einzige, der in Schwäbisch Gmünd tatsächlich noch in dieser Form geboten wird. „Wir sind zufrieden und dankbar“, konstatierte Alexander Disam. „Drei Jahre hat Corona uns gekostet, drei Jahre wird es dauern, bis alle in unserer Gesellschaft wieder in der Normalität angekommen sind.“ Disam sprach als Vorsitzender von der „Tradition, die niemals enden darf“. Er rief dem Publikum zu: „Notieren Sie sich bereits jetzt den letzten Samstag im November 2023 für den nächsten Rot-Weiss-Ball.“

Wer zuvor die über vier Stunden Show erlebt hatte, der dürfte sich das nicht zweimal sagen lassen. Da begeisterten die Kids des Vereins ebenso wie die neugegründete Formation. Das würdigte auch der 1. Bürgermeister der Stadt, Christian Baron, und ließ es sich nicht nehmen, viele Tänze mit der stellvertretenden Vorsitzenden des Vereins Leila Abourjeilly auf der Tanzfläche zu verbringen: „Wir sind stolz und glücklich, dass es solche Traditionen wie diesen Ball in Schwäbisch Gmünd gibt“, sagte Baron. „Dieses Ereignis ist ein fester Bestandteil des Stadtgartens und der gesellschaftliche Höhepunkt des Jahres.“ Da griff denn auch ein Rädchen ins andere: Bestens bewirtet vom Team „S genuss“, das neben dem Stadtgarten auch das Rokoko-Schlösschen betreibt, erfreute sich das Publikum, den Stadtgarten wieder für den Ball nutzen zu dürfen. „Herzlich willkommen zurück auf dem Parkett“, hieß es dann auch vom neuen Kongresszentrumsleiter Jonas Grill in seinem Grußwort. Der Saal strahlte, die Technik funktionierte, der Rahmen stimmte.

Showblock: Monate der harten Arbeit

Seit Juli diesen Jahres hatte das Team des TC Rot-Weiss daran gearbeitet, den Gästen wieder einen Showblock zu bieten, wie er seit den 90-er Jahren fester Bestandteil des Balles ist. Die Ehrenvorsitzende Brigitte Disam liebt es zu sehen, wie viele sich in dem Verein, den sie einst aus dem TSB in einen eigenständigen Tanzclub geführt hatte, fürs Tanzen begeistern: „Dieser Showblock ist mit das Schönste für uns alle. Er steht für all die Arbeit, die in diesem wunderbaren Verein gemacht wird, und er ist der Lohn für all die Mühen.“ All die unterschiedlichen Gruppen zeigen sich Jahr für Jahr darin: Hiphop, Jazzdance, Standard, Latein, Formation… Es ist die Vielfalt, die im TC Rot-Weiss gelebt wird. „Und dass ich hier vorne als Moderator meine Klappe so weit aufreißen kann, das ist doch nur das Ergebnis aus dem, was Ihr alle leistet“, rief Alexander Disam all denen zu, die in 30 Minuten die Musik der letzten 60 Jahre auf dem Parkett lebendig werden ließen. Der 41-Jährige leitete grandios durch den Abend, sorgte für viele Lacher, für noch mehr Information und nur ein einziges Mal versagte im kurz die Stimme: „Jetzt hab ich einen Kloß im Hals“, sagte er selbst mit Tränen in den Augen. Denn „über kurze Zeit standen hier drei Generationen meiner Familie auf der Fläche“. Eine Familie, die das Tanzen lebt – im Stadtgarten ebenso wie im Tanzsportzentrum Disam in Mutlangen. „An all die Lebenspartnerinnen und Partner unsererTänzerinnen und Tänzer: Auch Ihr gehört dazu, wo Ihr so viel auf uns verzichten müsst und uns den Rücken freihaltet.“ 

Tanzen ist (auch) Hochleistungssport

Wie es beste Tradition ist, hatte der Ball im Stadtgarten zwei Seiten: Einerseits stellt er den Rahmen, damit viele Gäste das Tanzbein schwingen können. Andererseits aber zeigt er durch den Einhorn-Pokal, dieses Mal in seiner 34. Auflage, wie sehr Tanzen auch Hochleistungssport sein kann. Neun Paare bewiesen auf dem Parkett ihr großes Können bei einem Lateinturnier der Klassen A/S. „Ich glaube, wir haben hier heute ein Turnier auf höchstem Standard erlebt“, so Alexander Disam zu den Leistungen der Paare. Und auch auf diesem hohen Tanzniveau gibt es nochmals Unterschiede. So kristallisierten sich aus demFeld recht schnell zwei Paare heraus, die das Publikum in ihren Bann zogen: Marcel Hammrich und Maira Djouban vom TSC Rot-Gold Casino Nürnberg sowie Simon Porzarski und Caroline Böck vom Schwarz-Weiß Club Pforzheim. Und lieferten sich ein Duell auf Messers Schneide. Der Sieg ging schließlich an die Nürnberger unter dem tosenden Jubel des Publikums – so schön, so exakt und so ästhetisch kann Tanzen sein. Die beiden Paare nahmen die Pokale aus den Händen von Leila Abourjeilly und Christian Baron bzw. Marita Böhm (vom Tanzsportverband des Landes) und Brigitte Disam entgegen. Platz drei ging an Luis Sandor und Moemi Sapone aus Backnang. Gefeiert wurden im Stadtgarten zudem Denis Bachmann und Saskia Schmerer. Zwar starten sie unter der Fahne des TC Ludwigsburg, waren aber die Lokalmatadore im Feld der Tanzpaare und schnitten mit Platz fünf sehr gut ab. Denis Bachmann ist seit vielen Jahren Sportwart im TC Rot-Weiss.

Alexander Disam läutet das nächste Jahrzehnt ein

Bevor der Vorsitzende Alexander Disam noch einmal die Tanzfläche für die Tanzbegeisterten frei gab und die Band „Happyness Voice“ lange nach Mitternacht den Ball beendete, blickte er in die Zukunft: „Wir alle werden weiter hart daran arbeiten, der Stadt dieses Ereignis einmal im Jahr zu bewahren.“ Am liebsten allerdings, ohne sich nochmals durch Corona oder sonstige Krisen für zwei Jahre und mehr unterbrechen zu lassen. Denn eines war am Ende allen im Saal klar: Dieser Ball hatte gefehlt – umso schöner, dass er wieder wie so vieles andere in unserer Gesellschaft möglich und Normalität ist, dabei aber allerdings alles andere als normal ist.

Tänzerische Klasse beim Gmünder Rot-Weiss-Ball.
Tänzerische Klasse beim Gmünder Rot-Weiss-Ball.
Gmünds Erster und Sportbürgermeister Christian Baron (links) überreichte den Pokal des Gmünder Einhorns beim Gmünder Rot-Weiss-Ball. Hier die Siegerehrung.
Die Tanzshow beim Gmünder Rot-Weiss-Ball führte zurück in die 60er-Jahre.

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