Ein Weltmeister als neuer Trainer

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Ein Höhepunkt in seiner Karriere: Im April 2010 erhält Björn Koch (2. von rechts) vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler (Mitte) und Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (3. von rechts) das Silberne Lorbeerblatt.

Der Nachfolger von Patrick Engel ist gefunden: Björn Koch tritt am 15. August seine Stelle beim SV Gmünd an. Der Neue hat bei den Gehörlosen viele internationale und nationale Titel gewonnen.

Schwäbisch Gmünd

Der neue Trainer des SV Gmünd heißt Björn Koch. Der Nachfolger des früheren Stadtsportlehrers Patrick Engel wurde von der achtköpfigen Trainerfindungskommission des SVG einstimmig gewählt. Der erste Arbeitstag von Koch ist der 15. August. „Wir hatten 23 zum Teil hoch qualifizierte Bewerbungen, auch von Frauen, aus der ganzen Welt, zum Beispiel aus Australien, Kanada, Russland, Dubai und Italien“, sagt SVG-Vorsitzender Roland Wendel.

Und fügt hinzu: „Wegen der Corona-Pandemie haben viele Schwimmtrainer ihre Jobs verloren“. Von den 23 Kandidaten lud der Schwimmverein zwei zum „Endlauf“ ein: „Wir haben uns mit beiden sehr intensiv unterhalten und haben ihnen ihr künftiges Arbeitsumfeld gezeigt“, sagt Wendel. Die Entscheidung pro Björn Koch sei einstimmig gefallen, sagt Wendel. „Weil sich sein Konzept, wie sich der Schwimmverein Gmünd strategisch aufstellen und entwickeln soll, mit unseren in der Stellenausschreibung definierten Vorstellungen voll deckt und weil uns die soziale Kompetenz von Björn Koch überzeugt, der tickt menschlich und schwimmerisch wie wir“. Auch Koch ist glücklich über seinen neuen Job: „Als ich die Ausschreibung der Cheftrainerstelle beim Schwimmverein Gmünd gelesen habe, war ich sofort Feuer und Flamme“, sagt der neue Trainer. Sein Ziel: „Ich will die Schwimmer auf nationaler Ebene weiter nach vorne bringen und vor allem den Mannschaftsgedanken fördern.“

Kein Stadtsportlehrer

Dabei baue er auf offene Kommunikation und Zusammenarbeit mit den Sportlern, Übungsleitern und den Vereinsverantwortlichen, sagt Koch, für den sich in der Findungskommission auch die beiden Interimscoaches Danny Fuchs und Peter Stich ausgesprochen haben. Koch wird im Gegensatz zu seinem Vorgänger Patrick Engel nicht als Stadtsportlehrer beim Gmünder Stadtverband Sport angestellt, sondern komplett als hauptamtlicher Trainer beim Schwimmverein. „Der Stadtverband und die Stadt Gmünd haben beschlossen, das seit 1983 bewährte System der Stadtsportlehrer in den olympischen Kernsportarten Leichtathletik, Schwimmen und Turnen nicht mehr fortzuführen“, so Wendel.

Neues Konzept

Und: „Stattdessen gibt es ein neues Konzept, das sich mehr um Grundlagensport im Kinderbereich kümmert.“ Der SVG-Vorsitzende setzt aber darauf, dass sich im Rahmen des städtischen KISS-Projektes oder ähnlich wie bei Skisprungtrainer Markus Rohde eine neue Form der Zusammenarbeit ergeben kann. Wendel appelliert: „Wegen der Corona-Pandemie haben inzwischen weit über 100000 Kinder in Deutschland nicht schwimmen gelernt, dem Schwimmsport sind mindestens zwei Generationen an Leistungsschwimmern verloren gegangen. Wir vom Schwimmverein wollen unseren Beitrag dazu leisten, aber ohne politischen Rückenwind geht das nicht“.

Zurück zum neuen Trainer: Die berufliche und sportliche Laufbahn von Björn Koch ist außergewöhnlich. Am 11. Januar in Wolfenbüttel (Niedersachsen) geboren, wurde bei ihm in seinem zweiten Lebensjahr eine angeborene Hörminderung festgestellt, die 2014 und 2016 durch Implantationen operativ weitgehend behoben wurde. Trotz – oder vielleicht auch wegen – dieser gravierenden Beeinträchtigung verfolgte Björn Koch seine beruflichen und sportlichen Ziele konsequent und ehrgeizig. Im Alter von sieben Jahren kam er zum Schwimmsport, zunächst in der „normalen“ Jugend- und Aktivenklasse. Dabei wurde er als Mitglied des TSV Wildbad im Jahr 2002 im Gmünder Hallenbad baden-württembergischer Meister über 200 Meter Schmetterling. 2003 wechselte er zum SV Nikar Heidelberg und gehörte dort der Bundesligamannschaft an.

2005 wurde Koch Mitglied im Deutschen Gehörlosen-Sportverband, für den er bei vielen nationalen und internationalen Veranstaltungen startete. Höhepunkte waren die Teilnahmen bei einer Weltmeisterschaft und an den Weltspielen der Gehörlosen in Taipeh (Taiwan) und in Sofia (Bulgarien).

21 Welt- und 23 Europarekorde

Ab 2008 für die SG Bayer Wuppertal/Uerdingen/Dormagen und ab 2012 für den Schwimmclub Aqua Köln startend, stellte Björn Koch im Einzel und in der Staffel bei den Gehörlosen 21 Welt-, 23 Europa- und 20 deutsche Rekorde auf. Er wurde viermal Weltmeister, fünfmal Europameister und 39 Mal Deutscher Meister, dazu kamen diverse Silber- und Bronzemedaillen. 2006 wurde er deutscher Juniorsportler des Jahres im Gehörlosensport und Weltsportler des Jahres und 2010 bekam Björn Koch vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler das Silberne Lorbeerblatt - die höchste sportliche Auszeichnung in Deutschland - verliehen.

Wir hatten 23 hoch qualifizierte Bewerbungen.

Roland Wendel, Vorsitzender SV Gmünd

Björn Koch: Studium, Lizenzen und Stationen

Ausbildung. Nach erfolgreichem Abschluss der Wirtschaftsrealschule in Heidelberg und dem Abitur am Berufskolleg in Essen studierte Björn Koch Sportwissenschaften und Mathematik an der Uni Wuppertal und an der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Lizenzen. Danach erwarb er die C-, B- und A-Trainer-Lizenzen sowie weitere Lizenzen als Wettkampfrichter und der DLRG.

Stationen. Die erste Station von Björn Koch als Trainer war bei SC Aqua Köln, seit 2012 ist er Honorartrainer im Deutschen Gehörlosensportverband, seit 2013 Assistent des Verbandstrainers. Dabei betreute er die Gehörlosennationalmannschaft bei den Weltspielen in Sofia und bei der EM in Saransk und in Lublin. Anfang 2019 wurde Koch zum Bundestrainer bestellt, in dieser Funktion leitete er das deutsche Team der Gehörlosen bei der WM in Sao Paulo. Im April 2019 übernahm Koch die Stelle als Cheftrainer des TV Kempten im Allgäu.

Björn Koch

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