Eine Goldmedaille für die ganze Stadt

+
Simon Gegenheimer wird Weltmeister in Graz.
  • schließen

Sie haben ihr Ziel erreicht: bei der WM für Aalen aufs Podium zu fahren. Marion Fromberger und Simon Gegenheimer vom MTB-Racingteam haben in Graz emotionale Momente erlebt.

Aalen

Simon Gegenheimer hält sie fest in der Hand: seine Goldmedaille. Der Mountainbiker des MTB-Racingteams Aalen hat bei der Weltmeisterschaft in Graz den Titel im Sprint gewonnen. „Für mich, das Team und die ganze Stadt“, sagt der 33-Jährige. Und der Triumph hat auch dafür gesorgt, dass die Tränen bei Teamkollegin Marion Fromberger (20) schnell wieder einem Lächeln gewichen sind. Jetzt sind die beiden wieder in Aalen - und haben zum Interview Teamchef Steffen Thum mitgebracht.

Herr Gegenheimer, Sie haben angekündigt, in den Aalener Bars feiern zu wollen, falls Sie eine Medaille gewinnen. Jetzt ist es Gold.

Gegenheimer:Die ersten Partys haben natürlich schon stattgefunden, und ich hoffe, dass noch weitere dazukommen.

Sie zeigen immer wieder Ihre enge Verbundenheit zu Aalen - obwohl Sie aus Karlsruhe stammen.

Gegenheimer: Ich fühle mich inzwischen als Aalener, ich wohne nur 300 Meter vom Marktplatz entfernt, und ich bin die meiste Zeit hier auf der Ostalb.
Thum:Das gilt auch für Marion. Obwohl sie aus Bad Griesbach stammt, ist sie 70, 80 Tage im Jahr hier in Aalen und trainiert auf der Ostalb.

Wann war klar, dass das Racingteam bei der Medaillenvergabe ein gewichtiges Wörtchen mitreden kann?

Thum: Eigentlich immer. Simon ist auch in den vergangenen Jahren immer vorne mitgefahren und war schon zweimal Vizeweltmeister. Und Marion hat schon mit 18 Jahren ein Weltcup-Rennen gewonnen. Damit ist klar: An Potenzial fehlt es ihr nicht, wenn, dann liegt es an der Umsetzung.

Herr Gegenheimer, Ihr Plan ist in Graz voll aufgegangen.

Gegenheimer: Ja, für mich war es der perfekte Tag.

Wann haben Sie am WM-Tag gespürt, dass es für den ganz großen Coup reichen kann?

Gegenheimer: Das habe ich schon die Wochen zuvor gespürt mit drei Podiumsplätzen im Weltcup, wobei die Tendenz eher nach unten ging. Aber ich hatte vor der WM ein freies Wochenende zum richtig trainieren und danach war ich bereit. Ich wusste: Diesmal gilt's! Meine Einstellung war eine andere.

Was heißt das?

Gegenheimer: Ich wollte unbedingt Gold. Ich habe gesagt, dass ich im Finale volles Risiko fahre - auch auf die Gefahr hin, dass ich dann vielleicht nur Vierter werde. Mit entscheidend war das Viertelfinale. Da waren zwei Gegner, die genauso dieses große Ziel hatten wie ich. Ich musste also schon dort Vollgas fahren. Als ich da beide im Griff hatte, wusste ich, dass ich es heute drauf habe. Es war ein sehr aggressives Rennen, bei dem es auf Technik und Taktik ankam.

Zu welchem Zeitpunkt haben Sie im Finale gewusst, dass Sie es schaffen?

Gegenheimer:Erst als ich über die Ziellinie gefahren bin. Im Finale habe ich den Start nicht gewonnen, war das ganze Rennen immer Zweiter. Ich habe probiert vorbei zu kommen, aber der Gegner war saustark. Da wusste ich, dass ich es auf der Zielgeraden klarmachen muss. Ich konnte die letzte Kurve auf der Ideallinie fahren und früher antreten. Das hat geklappt.

Frau Fromberger, bei Ihnen lief zunächst auch alles nach Plan.

Fromberger:Ja, bis zum Finale.

Was ist da passiert?

Fromberger:Fahrtechnisch habe ich nichts falsch gemacht. Eher im Kopf. Ich war nicht so nervös wie beispielsweise beim ersten Weltcup. Vielleicht war das das Problem, dass ich zu wenig Spannung hatte.

Wie groß war die Enttäuschung über einen vierten Platz bei einer Weltmeisterschaft?

Fromberger:Anfangs schon, und ja, es sind ziemlich viele Tränen geflossen. Aber dann hat Simon das Finale gewonnen, das hat mich aufgebaut. Am Abend kam dann aber die Enttäuschung wieder hoch.

Darf man über einen vierten Platz bei einer Weltmeisterschaft nicht stolz sein?

Fromberger:Doch, und das bin ich auch. Ich ärgere mich inzwischen eher darüber, dass ich mich über den vierten Platz ärgere. Aber ich bin noch so jung, ich habe hoffentlich noch ein paar Chancen, eine WM-Medaille zu gewinnen.

Thum: Das Gute ist, dass wir uns um eine WM-Qualifikation keine Sorgen machen müssen. Wir sind in der luxuriösen Situation, dass unsere Sportler dafür nicht kämpfen müssen. Wir wissen jetzt schon, dass Simon und Marion nächstes Jahr bei der WM wieder dabei sind, weil sie so stark sind.

Dann ist das Racingteam Aalen der FC Bayern München des Mountainbikesports?

Thum: Wir haben noch nicht den Stellenwert des FC Bayern München. Denn in München kennt jeder den FC Bayern, aber in Aalen kennt nicht jeder das Racingteam. Wenn Thomas Müller Weltmeister wird, darf er in München auf den Balkon. Da haben wir noch ein bisschen Arbeit vor uns.

Fehlt dem Team diese Anerkennung in der Stadt?

Gegenheimer: Ich habe viele Glückwünsche bekommen. Sogar von den Gegnern. Das ist mir mehr wert als beispielsweise der Eintrag ins Goldene Buch. Wobei mir auch das viel bedeutet.

Frau Fromberger, ziehen Sie nach dem undankbaren vierten Platz bei der WM zusätzliche Motivation fürs Weltcup-Finale?

Fromberger: Die WM hat mich kurz runtergezogen, aber in den beiden Weltcups danach bin ich zweimal aufs Podium gefahren. Und jetzt möchte ich auch im Saisonfinale mein Bestes geben und den zweiten Gesamtplatz halten. Das wäre schon richtig cool.

Und bei Ihnen, Herr Gegenheimer? Ist die Spannung jetzt weg?

Gegenheimer: Nein, der WM-Titel motiviert mich noch mal. Ich sehe jetzt immer die Regenbogenstreifen des Weltmeisters auf dem Trikot und Fahrrad. Ich möchte zeigen, dass ich ein würdiger Weltmeister bin. Und natürlich den Gesamtweltcup gewinnen.

Für mich war es der perfekte Tag.“

Simon Gegenheimer, Weltmeister aus Aalen
Mountainbike
Nach dem WM Titel Erfolg von Simon Gegenheimer traf sich Schwäpo-Sportredakteur Alexander Haag zum Interview mit Steffen Thum, Marion Fromberger und Weltmeister Simon Gegenheimer.
Nach dem WM Titel Erfolg von Simon Gegenheimer traf sich die Schwäpo zum Interview mit Steffen Thum, Marion Fromberger und dem Weltmeister.
Simon Gegenheimer
Marion Fromberger
Die Goldmedaille von Simon Gegenheimer
Die Goldmedaille
Zurück in Aalen: Steffen Thum, Marion Fromberger und Weltmeister Simon Gegenheimer

Zurück zur Übersicht: Regionalsport

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare