EM-Titel für Jule Rossner

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Jule Rossner aus Göggingen sicherte sich den Europameistertitel in einer Disziplin des Westernreitens.
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Die Westernreiterin aus Göggingen ergattert den Europameister-Titel in der Reining-Disziplin.

Göggingen

Dass unter den knapp 2400 Einwohnern Göggingens eine aktuelle Europameisterin weilt, dürften nur die Wenigsten wissen. Der Name der Titelträgerin lautet Jule Rossner. Sie stand bei der EM im Westernreiten in Rieden-Kreuth zusammen mit ihrem Pferd „Gottawhizlikethis“ in der Klasse „Snaffle Bit Hackamore Junior Reining“ ganz oben auf dem Siegertreppchen. Doch die Siegerin gibt sich bescheiden: „Im Westernreiten gibt es viele Disziplinen, daher mehrere EM-Titel - ähnlich wie beim Boxen. Man muss es relativieren, aber die Leistung muss dennoch immer stimmen.“

Ebenso weiß Rossner, dass das Westernreiten - im Vergleich zum Dressur- oder Springreiten - „eine Nische ist“. Ihren Ursprung hat diese Reitform selbstverständlich in den USA. Sie diente als Arbeitsweise, um die Rinderherden von A nach B zu bringen. „Daraus entstand eine Kunstform“, erklärt die ursprünglich aus der Nähe des Kaiserstuhls stammende Europameisterin. „Die Pferde laufen im besten Falle am losen Zügel und sind vom Charakter entspannter als Spring- oder Dressurpferde.“

Harmonie und Finesse

Die Reittiere brauchen dennoch die entsprechende Athletik sowie ein starkes Nervenkostüm, denn Westernreiten kombiniert Geschwindigkeit mit plötzlichen Stoppmomenten. „Es geht um ein harmonisches Miteinander und Finesse“, so Rossner. Und um diese Kombination zu erlangen, trainiert sie vier Mal die Woche. Um die 30 Wettkämpfe hat Jule Rossner bereits für sich entscheiden können, darunter auch den baden-württembergischen Landesmeistertitel 2018. Bei der diesjährigen Europameisterschaft stach sie knapp 30 Konkurrenten aus. Ein Westernsattel und Cowboy-Hut sind bei Wettbewerben übrigens Pflicht. „Ohne Hut, keine Bewertung“, sagt Rossner. „Das Outfit muss dem Westernstil entsprechen.“ Doch die Wahl-Göggingerin ist nicht nur als Teilnehmerin auf Turnieren unterwegs, sondern auch als Richterin. So war sie in dieser Funktion schon auf diversen Turnieren in Italien, Österreich, Frankreich und der Schweiz.

Turniergewinne sind zwar erfreulich, ihre Passion ist und bleibt aber das Training und die Ausbildung der Pferde. Ihren Hauptarbeitsplatz hat Rossner auf der Hy-Ranch in Göggingen. Zusammen mit ihrem Partner Benjamin Kohl betreut Rossner bis zu 35 Pferde auf zehn Hektar Land. „Die Pferde leben alle draußen und können sich frei bewegen“, erklärt Rossner und betont: „Es ist für die Tiere ein normales Leben in der Herde.“ Die dortige Reithalle ist ihr zweites Wohnzimmer. Viele der Tierbesitzer lassen sich von Rossner Unterricht geben, aber auch Auswärtstermine in fremden Ställen gehören zu ihrem Alltag. Das nächste große Projekt der beiden Ranch-Besitzer ist ein Außenreitplatz, um die Pferde unter optimalen Bedingungen auszubilden. Insgesamt dauert es übrigens etwa zwei Jahre, bis ein Pferd in dieser Klasse durch entsprechendes Training vollends ausgebildet wird.

Kein Wild-West-Fan

„Es ist nicht nur alles Ponyhof, sondern harte Arbeit“, so Rossner. Insbesondere die berühmten Western-Filme würden ein verzerrtes Bild der Realität vermitteln, was das Westernreiten anginge. Ein großer Fan der Wild-West-Streifen ist sie daher nicht.

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