„Für das ganze Team habe ich mich tierisch gefreut“

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Die Merlins Crailsheim (blau) setzten sich bei Aufsteiger Chemnitz mit 85:73 durch. Es war bereits der 20. Sieg in dieser Saison.

Crailsheims Manager Martin Romig äußert sich über den Einzug in die Playoffs.

Die vergangenen Tage hatten es bei den HAKRO Merlins Crailsheim in sich. Am Dienstag gab der finnische Erfolgstrainer Tuomas Iisalo bekannt, dass er den Club nach der Saison verlassen wird. Sebastian Gleim von den Fraport Skyliners wird der Nachfolger. Sportlich zeigten sich die Merlins von dieser Nachricht unbeeindruckt. Am Mittwoch setzten sie sich mit 85:73 in Chemnitz durch. Es war der bereits 20. Saisonerfolg im 29. Spiel, was gleichbedeutend mit Rang fünf ist. Im Interview spricht Crailsheims Manager Martin Romig über die Trainer-Situation und einem traurigen Einzug in die Playoffs.

Herr Romig, kam es für Sie überraschend, dass Trainer Tuomas Iisalo den Verein nach der Saison verlassen wird?

Martin Romig: Nein, das ist keine Überraschung. Tuomas Iisalo hat bei uns großartiges geleistet. Wir sind einer der kleinsten Clubs der Liga. Wir machen zwar Schritte, doch diese sind überschaubar. Auch die Corona-Situation erlaubt uns nicht, große Pläne zu entwickeln. Doch eines ist mir noch wichtig zu sagen:

Ja?

Dass ein Trainer wie Tuomas Iisalo mit seiner Qualität fünf Jahre in Crailsheim geblieben ist und mit uns solch einen Weg ging – vom Abstieg in die 2. Bundesliga in die Playoffs der Bundesliga: Das zeugt eigentlich von einer brutalen Beständigkeit und dass man nicht sofort die gewohnte Nervosität an den Tag legt. Das ist ja leider normal im aktuellen Sport. Wir in Crailsheim versuchen da gegen den Strom zu schwimmen.

Wissen Sie bereits, wie es mit Tuomas Iisalo weitergeht?

Nein, das weiß ich noch nicht. Er wird sicher Angebote bekommen oder bereits haben - und sich einem bedeutenden Club anzuschließen. Ich gehe davon aus, dass dieser in Europa schon deutlich über uns steht. Alles andere würde mich überraschen.

Zur kommenden Saison kommt Sebastian Gleim von den Fraport Skyliners Frankfurt als neuer Trainer. Hatten Sie schon länger Kontakt mit ihm?

Wir hatten über eine Spanne von fast zwei Monaten mehrere Gespräche mit unserem aktuellen Trainer Tuomas Iisalo gehabt. Doch ab einem gewissen Punkt hatten wir ihm mitgeteilt, dass wir uns auch anderweitig umschauen müssen, weil wir die Planungssicherheit auf dem Cheftrainer-Posten haben wollten. Dann hatte sich die Option Sebastian Gleim aufgetan.

Vor knapp zwei Wochen wurde nach dem Sieg gegen Bonn der Einzug in die Playoffs perfekt gemacht. Was war das für ein Gefühl, als der größte Erfolg der Vereinsgeschichte feststand?

Das Gefühl ist ja nicht plötzlich dagewesen, denn die Zeichen auf Playoffs standen ja bereits seit Januar. Für das ganze Team habe ich mich tierisch gefreut, das war einfach top. Dennoch bin ich auch etwas traurig und habe Tränen in den Augen.

Weshalb?

Weil wir diesen Erfolg, der alles andere als selbstverständlich für uns ist, nicht mit unseren Fans vor Ort feiern und genießen konnten. Das stößt bitter auf. Ich mag mir gar nicht ausmalen, was in unserer Arena los gewesen wäre, wenn Fans dagewesen wären. Für die gesamte Mannschaft ist es derzeit nicht einfach, mit dieser Situation umzugehen. Viele Spieler wissen ja gar nicht, wie geil der Standort Crailsheim bezüglich der Stimmung ist.

Fünf Spieltage stehen in der regulären Saison noch an. Haben Sie aktuell einen Wunschgegner für die Playoffs?

Nein, denn wir müssen einfach auf uns selber schauen. Es ist eigentlich total uninteressant, wer unser Gegner wird. Wir haben aktuell mit Verletzungen zu kämpfen und müssen schauen, dass wir dennoch etwas reißen. Natürlich wollen wir am liebsten jedes Spiel gewinnen und uns in der regulären Saison bestmöglich platzieren. Doch wer gegen uns letztlich in den Playoffs antreten wird, ist komplett nebensächlich. Dass wir die Playoffs überhaupt schon erreicht haben und ich mir Gedanken über einen potentiellen Gegner mache, ist der Wahnsinn und ein Traum.
Tim Abramowski

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