Gabriel ringt Hörfehler nieder

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Auf der Matte legt Gabriel (rechts) sein Hörgerät ab und sucht daher öfter den Blickkontakt zu seinen Trainern.
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Trotz seiner nur 40-prozentigen Hörleistung zeigt der junge KG-Defa-Ringer Gabriel Buczynski 100 Prozent Lebensfreude. Die Ringer-Gemeinschaft fördert Selbstwertgefühl und Akzeptanz.

Dewangen/Fachsenfeld

Wenn jemand den zehnjährigen Dewanger Gabriel Buczynski fragt, wie er mit seiner 40-prozentigen Hörleistung zurechtkommt, antwortet er selbstbewusst: „Sehr gut. Ich kenne es ja nicht anders, aber manchmal nervt es.“ Seit seiner Geburt muss Gabriel mit diesem Hörfehler leben. Unterkriegen oder einschränken lässt er sich dadurch nicht - auch nicht bei seinen Lieblingshobbys. „Ganz klar das Ringen und mich mit Freunden treffen“, sagt Gabriel.

Seit seinem sechsten Lebensjahr ist Gabriel Teil der Kampfgemeinschaft Dewangen/Fachsenfeld. Doch wie kommt man in diesem jungen Alter darauf, sich nicht auf dem Fußballplatz oder Handballfeld auszutoben, sondern lieber auf die Ringermatte zu steigen? „Ich wollte es einfach ausprobieren, da bereits Freunde beim Ringen waren“, so die einfache Erklärung des Nachwuchs-Ringers und er fügt hinzu: „Ringen ist bei uns Kindern in Dewangen beliebt.“

Dabei empfangen sowohl Patrick Abele, Sportlicher Leiter und Trainer der KG Defa, als auch Jugendleiter Tobias Gräupel die junge Ringer-Generation mit offenen Armen. „Wir haben einen offenen Umgang und freuen uns über alle Kinder, die zum Training kommen und den Ringersport ausüben wollen“, sagt Patrick Abele. „Wir haben bei uns auch Kinder mit anderen Beeinträchtigungen wie ADHS, Legasthenie oder Entwicklungsstörungen.“ Keine leichte Aufgabe für die Trainer, die dabei Sensibilität und Verständnis an den Tag legen müssen. Abele verrät aber, was die KG Defa einzigartig macht: „Wir suchen uns aus Eigeninitiative Coachings zu Themen, die außerhalb der klassischen Schulung von Übungsleitern liegen.“ Die Resonanz spricht mit derzeit 78 Kindern und Jugendlichen im Verein Bände. „Diese Anzahl sucht seinesgleichen im Württembergischen Ringerverband.“

Ausschlaggebender Punkt sei jedoch auch immer die „offene und vertrauensvolle Kommunikation mit den Eltern“. Und in Gabriels Fall fanden die Eltern es toll, dass er etwas anderes als die „klassischen“ Sportarten ausprobieren wollte. Zudem stärkt die Gemeinschaft der KG Defa Gabriels Selbstwertgefühl, welches er durch die Akzeptanz im Verein erhalte. Aber auch die anderen Kinder profitieren vom Umgang mit Gabriel, wie Abele weiß. „Es hilft beiden Seiten. Für Gabriel, dass er sich willkommen fühlt und für die anderen Kinder in Bezug auf die Sozialkompetenz.“

Ungewohnte Kommunikation

Auch Trainer Patrick Abele schätzt den Nachwuchs-Ringer. „Er ist ein großartiges Kind. Nur dass er ohne technische Unterstützung nicht hören kann.“ Tatsächlich erfolgte in Gabriels Fall die Kommunikation zunächst per Sprachmodul. Dabei hing sich Abele den Kommunikator um den Hals, der über eine Sprechtaste die Verbindung zu Gabriels Hörgerät aufnehmen konnte. „Das war am Anfang noch ungewohnt“, so Abele. „Es hat sich aber schnell eingespielt.“

Mittlerweile aber benutzt Gabriel ein Hörgerät, das kein Sprachmodul mehr benötigt. Mit dieser, kaum sichtbaren Unterstützung kommt Gabriel auf eine Hörleistung von 90 Prozent. Wenn es aber zu einem Duell auf der Matte kommt, nimmt der Zehnjährige das Hörgerät ab. „Da merkt man ihm nichts an“, sagt der Sportliche Leiter. „Er versucht dann zwischendurch Blickkontakt mit uns zu halten. Er ist ein toller und fairer Ringer.“

Wettkampferfahrung hat Gabriel schon seit dem Eintritt in den Verein. „Die Trainer haben uns immer auf Anfängerturniere mitgenommen. Seit letztem Jahr ringe ich auch in der Mannschaft“, sagt er stolz. Doch es ist nicht nur das Wettkampf- und Trainingsgeschehen, das die Nachwuchs-Ringer schätzen. „Der Zusammenhalt der Gruppe und die coolen Aktionen“, erzählt Gabriel. Ein wichtiger Punkt auch für die Verantwortlichen des Vereins. Jugendfreizeit, Sommerfest mit Übernachtung oder eine Nikolausfeier sind nur ein paar Beispiele der Events, die der Verein außerhalb des regulären Betriebs organisiert. Dies wird sowohl von den Kindern als auch den Eltern positiv aufgenommen - sehr zur Freude von Patrick Abele. „Es wird die Arbeit aller Trainer geschätzt. Nicht nur das Engagement während des Trainings, sondern insgesamt.“

Gabriels tolle Persönlichkeit

Die Chemie im Verein stimmt und Gabriel fühlt sich sichtlich wohl. Auf die Frage, ob Gabriel eines Tages Teil der Oberliga-Mannschaft werden könnte, sagte Abele deutlich: „Das kann nur mit Ja beantwortet werden. Wenn das Interesse bestehen bleibt, stehen ihm alle Möglichkeiten offen. Den Ehrgeiz und die Persönlichkeit hat er dazu.“

Diese Eigenschaften bestätigt der junge Ringer auch bei der Antwort auf die Frage seines Traumberufs. „Den weiß ich jetzt noch nicht, aber ich möchte einen guten Schulabschluss machen.“

Auf der Matte legt Gabriel (links) sein Hörgerät ab und sucht daher öfter den Blickkontakt zu seinen Trainern.
Patrick Abele, Sportlicher Leiter und Trainer der KG Defa, nutzt ein Sprachmodul, um mit Gabriel kommunizieren zu können.
Gabriel (rechts) im Kampf auf der Matte.

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