Gerd Müller hat's ihm angetan

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Als Cheftrainer des VfB Stuttgart nahm Alexander Zorniger kein Blatt vor den Mund.
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Mit gewohnt schwäbischem Unterton sprach Alexander Zorniger bei Sky 90 über Trainer-Entlassungen, die Leiden im Abstiegskampf und Zu-Spät-Kommer.

Schwäbisch Gmünd

Julian Nagelsmann nannte er ein „Jahrhunderts-Trainertalent in bestimmten Aspekten“. Er diskutierte mit aus der Sicht eines Trainers - eines Trainers, der das Geschäft in der Bundesliga kennt. Der weiß, wie es sich anfühlt scheitern zu müssen und der weiß, wie es ist, Meister zu werden.

Alexander Zorniger war am Sonntagvormittag zu Gast in der Talkrunde „Sky 90“. Hier diskutierten rund um Moderator Patrick Wasserziehr neben Alexander Zorniger auch Heribert Bruchhagen und Didi Hamann die aktuellen Themen rund um des Deutschen liebsten Sport.

An diesem Morgen regierte vor allem die Entlassung Florian Kohfeldts bei Werder Bremen die Medien. „In einen solchen Prozess fließen viele Strömungen mit ein“, so Zorniger. Man werde Gründe gehabt haben, warum man in der vergangenen Saison noch an Kohfeldt festhielt, aber jetzt die Reißleine ziehen muss. Und das, obwohl Werder die Relegation noch selbst in der Hand hat. Und kann aus Sicht eines Trainers anbringen, der so etwas aus seiner Zeit beim VfB Stuttgart kennt, wie er sagt: „Du weißt nicht, wie es in ihm aussieht. Wenn es nicht läuft, hast du auch als Trainer nicht mehr viele gute Nächte.“ Und schiebt hinterher: „,Augen auf bei der Berufswahl' sagte Markus Babbel immer. Denn du weißt, dass es am Ende um deinen Kopf geht.“

Gerade im Abstiegskampf, wie ihn momentan Arminia Bielefeld, Werder Bremen oder der 1. FC Köln erleben, hätten viele Leute gut gemeinte Ratschläge. „Aber die können die noch mehr in die Ungewissheit treiben“, so der 53-Jährige. Egal, ob die Angst abzusteigen oder die Freude am Klassenerhalt überwiegen - am Ende ist Abstieg Abstieg. „Und dann liegt es nicht nur an der individuellen Leistung der Spieler, sondern auch an der Leistung der Mannschaft. Da muss man sich am Ende fragen, woran es gelegen hat.“

Eine kleine persönliche Anekdote erzählt Alexander Zorniger dann doch. Er erzählt davon, wie er in seiner Zeit als Trainer bei der SG Sonnenhof Großaspach auf Gerd Müller traf. „Ich konnte mich die ersten zehn Minuten gar nicht aufs Spiel konzentrieren“, so angetan sei er von dessen Erscheinung gewesen. Gerd Müller? Der könnte am letzten Spieltag dieser Saison seinen Tore-Rekord abgeben müssen. Denn Robert Lewandowski ist mit seinem Treffer in Freiburg mit dem „Bomber der Nation“ gleichgezogen, hat nun 40 Tore auf dem Konto. Mit dem letzten Spiel der Saison gegen Augsburg könnte der Münchner Spieler Müllers Torrekord toppen. „Der Gleichstand steht ihm gut zu Gesicht“, findet Zorniger. Und Didi Hamann schlägt dem Stürmer vor, doch im letzten Match nicht aufs Feld zu gehen. „Es geht um nichts mehr. Und damit könnte er ein Zeichen setzen aus Respekt an Gerd. Ein Zeichen an den Fußball und die ganze Welt.“ Damit könnten Werte, die im Fußball längst verloren zu sein scheinen, wiederbelebt werden. Bruchhagen findet: „Das setzt Lewandowski ganz schön unter Druck. Schließlich ist er Sportler durch und durch. Ich würde es mir wünschen, aber das wäre zu viel verlangt.“

Topspieler auf der Bank

Viel Lob hat Alexander Zorniger für seinen RB-Leipzig-Trainerkollegen übrig. Ein Jahrhunderttalent in vielen Aspekte. Die Aufgabe bei Bayern München traut er dem gerade einmal 33-Jährigen Fußballtrainer zu, weißt aber auch daraufhin, dass Leipzig und der FC Bayern München zwei ganz verschiedene paar Stiefel sind. „Die Jungs in Leipzig sind ruhig. Die haben ihre Werte. Da steht keiner in der Tür und macht Radau, weil er nicht spielen darf.“ Und damit müsse Nagelsmann nun umgehen lernen. Denn bei Bayern sitzen Topspieler auf der Bank - und die können unzufrieden werden, wenn sie Woche um Woche auf ihren Einsatz warten. „Du musst da die Kabine im Griff haben und du musst wissen, wie man richtig kommuniziert.“ Schwierige Charaktere und Situationen müsse man händeln können. Auch sein Coaching werde er anpassen müssen: „Ab einem gewissen Zeitpunkt muss man die Spieler die Spiele gewinnen lassen.“

Denn du weißt, dass es am Ende um deinen Kopf geht.“

Alexander Zorniger

Alexander Zorniger und der Fußball

2004 bis 2009 Trainer des 1. FC Normannia Gmünd, der in der Oberliga Baden-Württemberg spielte.

2009 Alexander Zorniger arbeitete als Co-Trainer beim VfB Stuttgart unter Markus Babbel.

2010 unterschrieb er beim Regionalligisten SG Sonnenhof Großaspach, um den damaligen Co-Trainer Rüdiger Rehm zu unterstützen.

2012 wurde Zorniger Cheftrainer bei RB Leipzig, die er aus der Regionalliga in die 2. Liga führte.

Zur Saison 2015/16 übernahm Zorniger die Bundesligamannschaft des VfB Stuttgart

2016 bis 2019 war erTrainer von Brøndby IF. 2018 gewann er den dänischen Pokal. sas

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