Gmünd ist die Ausnahme

  • Weitere
    schließen
+
Ein Schwimmer pro Bahn – macht acht Sportler, die gleichzeitig auf den rund 1000 Quadratmeter Wasserfläche im Sportbecken des Gmünder Freibads trainieren dürfen.
  • schließen

Wieso einige Schwimmsportler aus Gmünd schon wieder mit dem Training begonnen haben – und die Aalener Schwimmer noch warten müssen.

Es hat Nieselregen, einstellige Temperaturen und wer aufs Klo muss, hat Pech gehabt. Und Roland Wendel sagt: "Wir sind sehr happy."

Der Gmünder Schwimmvereinsvorsitzende freut sich, dass wenigsten ein Teil seiner Sportler nach der langen Corona-Zwangspause seit Anfang dieser Woche wieder trainieren kann. Das Hallenbad hat weiter zu, aber das Sportbecken im Gmünder Freibad steht seit Montag fürs Training zur Verfügung.

Aalen ist der Normalfall

Peter Rothenstein, Schwimmtrainer bei der Aalener Sportallianz, wäre froh, wenn er am Beckenrand ein bisschen frieren dürfte wie sein Gmünder Kollege Patrick Engel in diesen Tagen. "Schwimmtraining ist in Aalen leider nicht möglich, es ist nicht mal Thema", sagt Rothenstein.

Wobei Aalen der Normalfall ist im Land – und Schwäbisch Gmünd eine Ausnahme. "Die Bäder haben eigentlich noch zu", schildert Klaus Arnholdt vom Gmünder Sportamt die momentane Situation der Schwimmer, was die schrittweise Wiedereröffnung von Sportstätten in Baden-Württemberg angeht.

Nur für die Leistungssportler

Dass im Gmünder Freibad dennoch geschwommen wird, hat mit dem Status der Schwimmer zu tun, die zum Teil in der 2. Bundesliga starten. "Wir haben das auf Basis der Corona-Verordnung zum Leistungssport genehmigt", sagt Arnholdt. "Wir sind, bei herausfordernden Grundlagen, dem Sport so weit wie möglich entgegengekommen."

Dazu beigetragen hat auch der Schwimmverein selber: "Wir haben seit acht Wochen versucht, die Sportler wieder ins Wasser zu bringen", sagt dessen Vorsitzender Roland Wendel. Fast so lange habe man ein Konzept gehabt und das "immer wieder an politische Vorgaben angepasst".

Wir haben seit acht Wochen versucht, die Sportler wieder ins Wasser zu bringen.

Roland Wendel, Gmünder Schwimmverein

Dietmar King von der Aalener Sportunion sagt anerkennend: "Roland Wendel war da sehr aktiv, da sind wir sicher ein bisschen hinterher." Dafür arbeitet der Aalener daran, dass bald für möglichst viele Schwimmer im Land wieder Training möglich ist. King ist beim Württembergischen Schwimmverband für "Bäderfragen" zuständig. "Es geht um die landesweite Öffnung von Bädern", sagt er, macht aber für die kommenden zwei Wochen keine Hoffnung: "Unser Konzept mit dem Städtetag soll bis Ende Mai stehen, ich hoffe, dass Schwimmer ab Juni wieder ins Wasser dürfen."

Hochsicherheitsbedingungen

Von Training in vollem Umfang sind die Gmünder im Moment auch weit entfernt. Es ist nur eine Minderheit der Aktiven des Vereins, die das Freiluft-Angebot im Freibad im Moment nutzen kann. Die Topleute unter den Leistungsschwimmern dürfen immerhin drei- bis viermal pro Woche wieder ins Wasser. Wobei auch deren Trainingsumfänge geringer sind als zu normalen Zeiten. Hunderte von Sportlern, der Nachwuchs, die Jedermannschwimmer, die Senioren, müssen warten.

Das Training läuft unter wie unter Hochsicherheitsbedingungen ab: Pro Bahn darf nur ein Schwimmer trainieren, zu den acht Sportlern darf ein einziger Trainer dazukommen. Mehr nicht. "Es dürfen keine Eltern ins Bad, und die jeweils nächsten acht Sportler können erst rein, wenn die anderen das Bad komplett verlassen haben", erzählt Wendel. Umkleidekabinen und Toiletten stehen nicht zur Verfügung. Für jeden Schwimmer steht eine Bank da mit der Nummer seiner Bahn, an der er seine Zivilkleidung ablegen kann.

Es drohen Kollateralschäden

Wenn sich Trainer und Funktionäre für eine Wiedereröffnung der Bäder einsetzen, argumentieren sie nicht mit dem Spitzensport, sondern ihrer Ausbildungsarbeit.

Peter Rothenstein: "Es hat eine gewisse Tragik, wenn eine Generation erst mal nicht schwimmen lernt – unsere Kurse wären voll gewesen." Und Dietmar King fügt hinzu: "Wenn man bedenkt, dass so schon rund 50 Prozent aller Fünftklässler nicht ausreichend schwimmen können, da drohen Kollateralschäden der Corona-Krise."

Zurück zur Übersicht: Regionalsport

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL