Gmünder A-Jugend-Mädchen wollen auf das Podest

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Freuen sich auf die Wettkämpfe, von links: Ida Schneider, Paula Fuchs, Kathrin Stotz und Marie Fuchs

Marie Fuchs, Paula Fuchs, Ida Schneider und Kathrin Stotz vor der größten Herausforderung ihrer bisherigen schwimmsportlichen Laufbahn.  

Wuppertal. Die Zwillingsschwester Marie und Paula Fuchs, Ida Schneider und Kathrin Stotz stehen vor einem absoluten Höhepunkt ihrer sportlichen Laufbahn. Die 16-jährigen Gmünder Schwimmerinnen haben sich für das Finale der sechs besten Teams um den Titel Deutscher Jugendmannschaftsmeister den A-Juniorinnen (Geburtsjahrgänge 2005 und 2004) qualifiziert.

Und für das Vorzeigequartett des Schwimmvereins Gmünd (SVG) ist bei den Wettkämpfen am kommenden Samstag ab 12 Uhr und am Sonntag ab 9.30 Uhr in der traditionsreichen „Schwimmoper“ in Wuppertal nicht nur „dabei sein“ alles, sondern die hochmotivierten „Wassernixen“ haben sogar gute Chancen auf einen Podestplatz.  Nach den Vorkämpfen auf Landesebene rangiert der SVG mit der Gesamtzeit von 22.00,36 Minuten sogar auf Platz 1 vor der SG Essen (22.22,43), dem SV Nikar Heidelberg (22.26,52), der SSG Leipzig (22.29,74), dem TPS Köln 1925 (22.40,06) und dem SC Magdeburg (22.49,51). „Unsere Konkurrenten sind die absoluten Topvereine in Deutschland, auf die Fußballbundesliga übertragen wäre das so, als ob wir mit dem FC Bayern München, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen, RB Leipzig und dem SC Freiburg auf Augenhöhe liegen würden“, rückt Roland Wendel das Kräfteverhältnis in die richtige Relation. „Eine Platzierung unter den besten drei wäre für so einen kleinen Verein wie unseren Schwimmverein ein großartiger Erfolg“, sagt der SVG-Vorsitzender, der in seiner eigenen aktiven Zeit als Mitglied der Wasserfreunde Wuppertal selbst einmal Deutscher Mannschaftsmeister wurde.

Björn Koch ist vorbehaltslos von der Leistungsfähigkeit und dem großen sportlichen Ehrgeiz seiner vier Schützlinge überzeugt, der hauptamtliche Trainer will aber den Druck aus dem Kessel nehmen und meidet das Vokabular „Favorit“ wie der Teufel das Weihwasser: „Die Vorkampfergebnisse sind für uns ohne Zweifel toll, aber wir wissen, dass gerade Vereine wie SG Essen, Nikar Heidelberg und SC Magdeburg noch genügend Spitzenschwimmerinne in der Hinterhand haben, um ihre Gesamtzeiten gewaltig drücken zu können. Wir müssen auch beachten, dass wegen der Corona-Pandemie nicht alle Mannschaften in ihren Bestbesetzungen antreten konnten. Deshalb sind wir demütig und würden uns freuen, wenn wir unsere Leistungen aus dem Vorkampf nochmals steigern könnten“. Bei den Jugend-Mannschaftsmeisterschaften bestreiten die Vereine jeweils Staffeln über 4 x 100 Meter in den Disziplinen Rücken, Brust, Schmetterling, Freistil und Lagen. Die fünf Staffelzeiten wurden dann zu einer Gesamtzeit addiert. Während alle anderen Vereine in den Staffeln sechs bis acht Schwimmerinnen einsetzen, müssen beim SV Gmünd Marie und Paul Fuchs sowie Ida Schneider und Kathrin Stotz alle fünf Rennen bestreiten. „Das wird für alle ein Kraftakt“, weiß Björn Koch, „doch wir haben uns in den letzten Wochen durch intensives Training bestens vorbereitet und sind bereit für den Wettkampf.“ Bei der Qualifikation, den württembergischen Meisterschaften, setzte sich weiblichen A-Jugend des SVG mit einer beeindrucken Dominanz durch. Marie Fuchs, Paula Fuchs, Ida Schneider und Kathrin Stotz schlugen bei allen fünf Staffeln mit weitem Vorsprung als Erste an und distanzierten mit einer Gesamtzeit von 22.00,36 Minuten den SSV Ulm (23.32,60 Minuten) und die SSG Reutlingen/Tübingen (24.53,90 Minuten) deutlich auf die Plätze 2 und 3. Besonders über 4 x 100 Meter Freistil und über 4 x 100 Meter Schmetterling trumpfte das SVG-Quartett mit zwei neuen württembergischen Rekorden der Aktiven auf. In der Freistilstaffel blieben alle vier Mädels unter der ominösen 60-Sekunden-Schallgrenze – Marie Fuchs mit 56,22 Sekunden, Paula Fuchs mit 57,75 Sekunden, Ida Schneider als Startschwimmerin mit 58,38 Sekunden und Kathrin Stotz erstmals mit 58,99 Sekunden. Mit der neuen württembergischen Rekordmarke von 3.51,34 Minuten unterboten sie gleichzeitig den alten SVG-Vereinsrekord um 6,26 Sekunden. Mit ihren 4.17,18 Minuten über 4 x 100 Meter Schmetterling pulverisierten Paula Fuchs (1.02,78), Ida Schneider (1.04,68), Kathrin Stotz (1.07,97) und Marie Fuchs (1.01,75) den alten WSV-Rekord aus dem Jahr 1988 und den SVG-Vereinsrekord um 14 Sekunden. Über 4 x 100 Meter Lagen verfehlten die Gmünder Topschwimmerinnen den WSV-Rekord nur um 0,04 Sekunden, den SVG-Vereinsrekord drückten sie aber von 4.30,00 auf 4.19,74 Minuten. Fast wie selbstverständlich waren die Gmünder A-Jugend-Mädchen auch über 4 x 100 Meter Brust (5.01,81) und 4 x 100 Meter Rücken (4.30,29) nicht zu schlagen.

Mannschaftsmeisterschaften haben beim Schwimmverein Gmünd traditionell einen hohen Stellenwert. „Diese Wettkämpfe sind ein Gradmesser für die Qualität der Arbeit eines Schwimmvereins im Nachwuchsbereich und im Spitzensport und fördern den Teamgeist und das Zusammengehörigkeitsgefühl“, weiß Ehrenvorsitzender Wolfgang Patzke aus eigenem Erlebnis. Im Jahre 1952 wurde der SVG sogar einmal Deutscher Mannschaftsmeister der Herren. 1965 wurden die Gmünder A-Jugend-Jungs Deutscher Vizemannschaftsmeister knapp hinter dem Spitzenverein Wasserfreunde München.1970 waren die SVG-Herren Gründungsmitglied der 1. Schwimm-Bundesliga und belegten den 5. Platz. Danach gehörte der SVG viele Jahre der 1. Bundesliga an. Nachdem sich viele Schwimmvereine in Deutschland zu Startgemeinschaften zusammenschlossen, stieg der SVG in die 2. Bundesliga ab. Die Gmünder Damen gehören aktuell der Oberliga Baden-Württemberg an und hätten gute Chancen zum Aufstieg in die 2. Bundeliga. Allerdings wurden die Mannschaftsmeisterschaften der Aktiven in diesem Jahr wie 2021 wegen der Corona-Pandemie abgesagt. 

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