Heimspiel-Doppelpack in nur drei Tagen

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TSB Gmünd-TSV Schmiden

Belastungsprobe für den ausgedünnten Kader: Der TSB Gmünd empfängt am Freitag (20.30 Uhr) die HSG Konstanz II und am Sonntag (17 Uhr) den SV Fellbach in der großen Sporthalle.

Schwäbisch Gmünd.

Die Personalsituation beim Handball-Oberligisten TSB Gmünd ist weiterhin angespannt. Vor den beiden Heimspielen gegen die HSG Konstanz II (Freitag, 20:30 Uhr) und den SV Fellbach (Sonntag, 17 Uhr) in der Großen Sporthalle gibt es allerdings auch eine positive Nachricht. Kreisläufer Jonas Waldenmaier ist nach monatelanger Zwangspause ins Training zurückgekehrt.

Der Streit um die Belastung der Spieler ist ein Dauerthema im Handballsport – längst auch in der Oberliga. Zahlreiche Corona-Infektionen, darunter auch bei den kommenden Gegnern des TSB Gmünd, haben den Spielplan kräftig durcheinander gewirbelt. So kommt es, dass den „Jets“ nun das wohl anstregendste Wochenende der Saison bevorsteht. Innerhalb von 48 Stunden wird zunächst das vor einem Monat ausgefallene Heimspiel gegen die HSG Konstanz 2 nachgeholt, am Sonntag reist der SV Fellbach an. Immerhin bleibt es dem TSB erspart, unter der Woche eine weite Auswärtsfahrt anzutreten – zumindest bislang.

Die Kraftfrage

 Doch vor dem „Heimspiel-Doppelpack“ stellt sich automatisch die Kraftfrage. Beim Abstiegskandidaten in Steißlingen (32:37) musste der Tabellensechste zuletzt die erste Niederlage seit Anfang Dezember einstecken, was der Trainer in erster Linie auf den personellen Engpass zurückführte. „Jeder ist sich bewusst, dass wir dort hätten gewinnen können“, sagt Dragoș Oprea zwar: „Doch, dass wir keine adäquate Möglichkeit zum Wechseln und in der Abwehr keine Stabilität hatten, tat uns weh.“ Mit nur zehn Feldspielern war der TSB angereist und musste bereits nach 18 Minuten auf Nicola Rascher verzichten, der die Rote Karte sah. Dass die Gmünder trotzdem 32 Tore in fremder Halle erzielten, nimmt Oprea als positiven Aspekt für die kommenden Aufgaben mit.

 Allerdings ist nicht nur der TSB derzeit schwer gebeutelt – das gilt auch für die kommenden beiden Gegner. Die U23 des bereits feststehenden Drittliga-Meisters HSG Konstanz, die fast ausschließlich aus eigenen Nachwuchstalenten besteht, setzte sich in der Hinrunde zwar sofort in der Spitzengruppe der Oberliga fest. Doch seit dem Jahreswechsel schwächelt die junge Truppe vom Bodensee erheblich, konnte nur noch zwei von fünf Spielen gewonnen und verlor in darüber hinaus in dieser Woche auch noch zwei Punkte am grünen Tisch. Das aufgrund von Corona-Verdachtsfällen kurzfristig abgesagte Auswärtsspiel beim TV Bittenfeld II wurde vom Verband mit einer 0:2-Niederlage gewertet. In der Tabelle liegt Konstanz als Achter (21:15 Punkte) nur ganz knapp hinter dem TSB (24:14).

 Die Personalprobleme bei der HSG hatten sich zuletzt derart zugespitzt, dass Co-Trainer Benjamin Schweda ein unerwartetes Comeback feierte. Der erfahrene Regisseur hatte seine Karriere aufgrund einer schweren Knieverletzung im vergangenen Sommer eigentlich für beendet erklärt. An der Seitenlinie steht der erst 25-jährige Vitor de Faria Baricelli, der einst mit der brasilianischen Nationalmannschaft an der Weltmeisterschaft teilgenommen hat. „In den ersten drei Monaten bei der HSG habe ich gefühlt so viel lernen können wie in zwei Jahren in Brasilien“, berichtet Baricelli, der mit seiner Mannschaft gerne noch ein paar Plätze gut machen möchte. Ob sein Linksaußen Gianluca Herbel beim Duell der beiden jüngsten Oberliga-Teams mitwirken kann, dürfte sich erst kurzfristig entscheiden. Auch der mit 111/53 beste HSG-Werfer war zuletzt durch eine Corona-Erkrankung außer Gefecht gesetzt worden.

 Gut möglich also, dass die Konstanzer mit Unterstützung aus ihrem Drittliga-Kader oder ihrer Bundesliga-A-Jugend anreisen. „So oder so kommen gut ausgebildete, junge Spieler auf uns zu“, erinnert sich Oprea an das Hinspiel zurück. Als Außenseiter angereist, führten die Gmünder nach 35 Minuten überraschend mit 21:15 und unterlagen am Ende dennoch mit 30:34. „Durch unsere eigenen Fehler haben wir den Gegner zurück ins Spiel gebracht“, ärgert sich der Trainer immer noch über diese verpasste Chance: „Daraus ziehen wir die Lehre, dass ein Spiel nie schon vorzeitig entschieden ist. Wir hätten in der Hinrunde vier oder fünf Punkte mehr holen können, dann würden wir noch viel besser da stehen.“ Für die erhoffte Revanche erhofft sich Oprea daher den Rückhalt einer vollen Halle.

Nicht blenden lassen

Blenden lassen wollen sich die Gmünder auch nicht davon, dass am Sonntag die vermeintlich einfachste Aufgabe auf sie zukommt. Für den SV Fellbach, gegen den der TSB im ersten Aufeinandertreffen einen souveränen 36:28-Erfolg landete, sind die Chancen auf den Ligaverbleib inzwischen auf ein Minimum gesunken. Zehn Punkte liegt der SVF inzwischen vom rettenden Ufer entfernt und rutschte durch die jüngste 26:28-Schlappe gegen Mitkonkurrent Zizishausen ans Tabellenende ab. Obwohl die Coronaseuche wütete, hatten die Fellbacher dabei eine ansprechende Leistung geboten und führten sechs Minuten vor Schluss noch mit 26:24. Da haben wir uns dämlich angestellt“, sagte Spielertrainer Andreas Blodig, der ebenfalls von einer Infektion geschwächt, nur auf der Bank Platz nehmen konnte.

 

„Wenn ich jetzt anfangen würde, Fellbach in den Himmel zu loben, wäre das unglaubwürdig“, betont Oprea: „Wir wollen und müssen dieses Spiel gewinnen. Doch auch die Fellbacher haben gute Spieler in ihren Reihen, weshalb wir auf gar keinen Fall überheblich auftreten dürfen.“ Vielmehr wird höchste Konzentration nötig sein, immerhin hat der SVF vor wenigen Wochen mit dem 33:31-Sieg gegen das Spitzenteam aus Weinsberg ein echtes Ausrufezeichen gesetzt. Besonders auf die beiden Linkshänder Felix Wente (71 Saisontreffer) und Maximilian Pfeil (66) gilt es Acht zu geben. Für Oprea steht fest: „Mit nur 80 Prozent wird es nicht funktionieren, dann kann so ein Spiel schnell in die andere Richtung gehen.“ Zur Erinnerung: Auch gegen die Abstiegskandidaten aus Schmiden (30:30) und Birkenau (28:28) waren seine Mannen vor heimischer Kulisse nicht über ein Unentschieden hinausgekommen.  Doch für einen erfolgreichen Abschluss eines kräftezehrenden Wochenendes will der TSB unbedingt seine weiße Weste gegen den Mitaufsteiger aus dem Jahr 2019 wahren: Sechs der bisherigen Vergleiche gewann der TSB, einmal wurden die Punkte geteilt.

 

„Jeder muss sich im Klaren sein, was an diesem Doppelspieltag möglich sein kann“, unterstreicht Oprea: „Wir müssen wieder auf das Level kommen, auf dem wir uns bewegt haben, um in der Tabelle soweit nach oben zu klettern.“ Um die Belastungsprobe zu bestehen, hat der Trainer zusätzlich eine Einheit zwischen den beiden Partien am Samstagvormittag eingeplant: „Wir werden uns der Videoanalyse widmen, gemeinsam die Beine austreten und ein bisschen anschwitzen.“

 Gleichzeitig bleibt die Hoffnung, dass sich die personelle Situation bis dahin zumindest ein klein wenig entspannt. Aaron Fröhlich und Sebastian Fabian werden weiterhin ausfallen, auch auf die Erfahrung von Philipp Schwenk und Christian Waibel muss die Gmünder Abwehr vermutlich verzichten. Umso erfreulicher ist es, dass Kreisläufer Jonas Waldenmaier nach monatelanger Verletzungspause ins Training zurückgekehrt ist. „Doch wir müssen abwarten, wie sein Körper auf die Belastung reagiert“, mahnt Oprea zur Vorsicht. Umso mehr bietet sich eine Chance für die jungen Spieler, die zuletzt nur wenig Einsatzzeiten in der Oberliga erhalten haben. Rückraumspieler Valentin Pick überzeugte bei seinem Comeback im Perspektivteam als achtfacher Torschütze, der hünenhafte Kai Kiesel dürfte eine gute Alternative am Kreis darstellen und auch Arian Pleißner, der Top-Torjäger der A-Junioren, zählt zum Gmünder Kader. „Wir alle wissen, was diese jungen Spieler für ein Potenzial besitzen“, so Oprea: „Jeder hat seine Chance und kann am Wochenende durchaus auch zu einem unserer Schlüsselspieler werden.“

  TSB : D.Mühleisen, Immer – Petersen, Watzl, Abt, M.Rascher, N.Rascher, Pleißner, P.Schwenk (?), Va.Pick, Vi.Pick, Bächle, Zimmermann, S.Mühleisen, Kiesel, Waibel (?)

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