Henning Mühlleitner will ins Finale

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Für den Gmünder Spitzen-Schwimmer Henning Mühlleitner beginnt an diesem Samstag das große Abenteuer Olympische Spiele. Über die 400 Meter Freistil strebt er die Final-Teilnahme an.

Der Gmünder geht an diesem Samstag in Tokio über 400 Meter Freistil erstmals ins Wasser. Die Zuversicht ist groß: „Ich bin voller Energie und Vorfreude und fühle mich topfit.“

Tokio:

An diesem Samstag - Ortszeit 19.48 Uhr in Tokio (12.48 Uhr MEZ) - ist es so weit: Für den Gmünder Spitzen-Schwimmer Henning Mühlleitner beginnt das große Abenteuer Olympische Spiele. Aus fünf Vorläufen über 400 Meter Freistil qualifizieren sich die besten acht für das Finale am Sonntag um kurz nach 10.30 Uhr Ortszeit, also bei uns mitten in der Nacht von Samstag auf Sonntag um 3.30 Uhr.

„Mein großes Ziel ist es, bei diesem Endlauf dabei zu sein“, sagt Henning Mühlleitner seinen Freunden beim Schwimmverein Gmünd, die ihm alle Daumen drücken. „Ich stell' den Wecker, wenn Henning im Endlauf startet“, blicken SVG-Vorsitzender Roland Wendel und Ehrenvorsitzender Wolfgang Patzke erwartungsfroh voraus.

Der Gmünder Sportler des Jahres 2018 und Staffel-Europameister von 2018 in Glasgow fiebert dem ersten Auftritt eines Gmünder Schwimmers bei Olympischen Spielen (1976 war Angelika Grieser in Montreal und 1992 Marion Zoller in Barcelona dabei) zuversichtlich entgegen: „Ich bin voller Vorfreude und Energie und fühle mich topfit“, postete Mühlleitner, der seit 2018 für die Neckarsulmer Sportunion (NSU) startet.

Die strengen Coronaregelungen, denen alle Athleten in Japan unterworfen sind, drücken nicht auf die Stimmungslage von Mühlleitner. „Es ist, wie es ist, und daraus versuche ich das Beste zu machen“. Die weitgehende Isolation der deutschen Nationalmannschaft im Trainingslager in Kumamoto beklagte Mühlleitner nicht, sondern nutzte sie auf seine ihm typische Art: Er schrieb online von Japan aus zwei Klausuren für sein Wirtschaftsinformatik-Studium an der Hochschule Heilbronn. „Ich habe ein gutes Gefühl, ich denke, dass ich die Tests gut bestanden habe, das ist eine große Erleichterung“, sagte Mühlleitner, der am 15. Juli in Kumamoto seinen 24. Geburtstag feierte und dabei feststellen konnte: „Die Stimmung in unserer Mannschaft ist top, auch wenn wir uns im Hotel nur auf drei Etagen bewegen dürfen“.

Erinnerungen an die Kindheit

Auch vom für Europäer ungewohnten Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit bei bewölktem Himmel ließ sich Mühlleitner nicht beeinflussen: „Das erinnerte mich an meine Kindheit in Afrika“. In Ghana lebte der Deutsche Meister über 400 Meter Freistil viele Jahre, weil seine Eltern dort vor dem Umzug nach Schwäbisch Gmünd als Entwicklungshelfer tätig waren.

Am Mittwoch, also zwei Tage vor der Eröffnungsfeier, ist das DSV-Team erst ins Olympische Dorf in Tokio eingezogen: „Wir wohnen hier auf der sechsten Etage im Deutschen Haus jeweils zu dritt in Appartements, dort dürfen wir uns relativ frei bewegen“, berichtet Mühlleitner, „aber die Blase verlassen ist nicht drin“. Privatausflüge in Tokio sind ebenso tabu wie der Besuch von anderen Wettkampfstätten. Zum Training und zu den Wettkämpfen geht es mit einem Sonderbus in die olympische Schwimmhalle. In der Halle gibt es keine Zuschauer. „Die Schwimmkameraden auf der Tribüne müssen also für Stimmung sorgen“, hofft Henning, „so war es auch bei den deutschen Meisterschaften in Berlin“.

Dass die Olympischen Spiele wegen Corona von 2020 auf 2021 verschoben wurden, war für den Informatikstudenten übrigens ein Glücksfall.

Verlegung ist ein Glücksfall

Denn im vergangenen Jahr konnte er wegen einer Bakterienerkrankung kaum trainieren. Die hat er inzwischen vollkommen überwunden. Unter dem neuen NSU-Chefcoach Matthew Magee, dem Nachfolger des neben Rainer Berkhahn zum Bundestrainer beförderten Hannes Vitense, hat er das Training neu konzipiert und forciert – mit Erfolg. Anfang April knackte Henning in Eindhoven über 400 Meter Freistil mit 3.45,55 Minuten die Olympianorm von 3.46,40 Minuten. Zeitgleich waren allerdings Doppelweltmeister Florian Wellbrock (3.44,36) und dessen Magdeburger Vereinskamerad Lukas Märtens (3.44,86) etwas schneller und weil jeder Verband bei den Olympischen Spielen nur zwei Teilnehmer pro Disziplin melden darf, bekam Henning das Ticket erst, weil Doppelweltmeister Florian Wellbrock in Tokio sich ganz auf die Langstrecken konzentriert. Mit seiner Bestzeit rangiert Henning Mühlleitner bislang in der Weltrangliste unter den Top Ten. Ob er sich fürs Finale der besten acht qualifizieren kann, wird sich am Samstag erweisen.

Auch mit der deutschen 4x200 Meter Freistilstaffel strebt Mühlleitner einen Finalplatz an. Die Vorläufe in diesem Wettbewerb finden am 27. Juli um 13 Uhr MEZ statt, der Endlauf ist für den 28. Juli gegen 5.30 Uhr MEZ geplant.

Ich versuche, das Beste draus zu machen.“

Henning Mühlleitner, Olympiateilnehmer aus Gmünd

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