Henning Mühlleitner hat das WM-Finale im Visier

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Henning Mühlleitner startet bei der Weltmeisterschaft in Budapest.

Der Gmünder Athlet will über die 400 Meter Freistil ins Finale. Der Olympiavierte von Tokio startet auch in der deutschen 4 x 200 Meter Freistilstaffel.

Budapest. Bei den 19. FINA Weltmeisterschaften (17. Juni bis 3. Juli 2022) im Schwimmen, Wasserball, Synchronschwimmen und Wasserspringen in Budapest/Ungarn startet das nur elf Athleten/innen umfassende, aber schlagkräftige Team des Deutschen Schwimmverbandes (DSV) an diesem Samstag im Beckenschwimmer in der grandiosen DUNA-Arena gleich mit einem echten Knüller und mit berechtigten Chancen auf Edelmetall: Die DSV-Delegation hofft darauf, dass wie bei den Olympischen Spielen vor zehn Monaten in Tokio der für die Neckarsulmer Sportunion startende Schwäbisch Gmünder Henning Mühlleitner (24) über 400 Meter Freistil zum leistungspuschenden Stimmungsmacher wird. In Japan schwamm sich Henning Mühlleitner mit der persönlichen Bestzeit von 3.43,67 Minuten als überraschender Vorlaufschnellster in die absolute Weltspitze und verfehlte im Finale als Vierter nur um 13 hundertstel Sekunden die Bronzemedaille.


Auch in Budapest will der Staffel-Europameister von Glasgow 2018 und Gmünder Sportler des Jahres 2018 wieder ins Finale am Samstagabend kommen, obwohl die Ausgangsbasis diesmal etwas anders ist. Während sich viele seiner Nationalmannschaftskollegen im Höhentrainingslager in Spanien auf die Weltmeisterschaften vorbereiteten, vertraute Mühlleitner voll und ganz auf das Programm seines Heimtrainers Matthew Magee im Olympiastützpunkt Heidelberg. So „nebenbei“ präsentierte der 24-Jährige nämlich auch noch an der Hochschule Heilbronn seine Bachelor-Arbeit über die Klassifizierung von Chatbots. Bevor der angehende Wirtschaftsinformatiker im Herbst in den Master-Studiengang einsteigt, will er bei der WM über 400 Meter Freistil und am kommenden Donnerstag (23.06.) zusammen mit Lukas Märtens (Magdeburg), Rafael Miroslaw (Hamburg) und Josha Salchow (Heidelberg) mit der deutschen 4 x 200 Meter-Freistil-Staffel zeigen, dass er auch im Schwimmen meisterlich ist.


Henning Mühlleitner steht mit seiner persönlichen Jahresbestzeit von 3.47,60 Minuten aktuell an 17. Stelle der Weltjahresbestenliste. Diese Zeit schwamm er am 9. April beim „International Qualification Swim-Meet“ in Eindhoven/Niederlande und erfüllte damit mühelos die WM-Norm - allerdings ohne ernsthafte Konkurrenz. Er hätte sich dies eigentlich ersparen können, denn mit dem vierten Platz von Tokio hatte er das Startrecht für Budapest schon automatisch in der Tasche. Doch der Gmünder, der mit seinem sympathisch-bescheidenen Auftreten in der Öffentlichkeit und mit seinen gescheiten Antworten bei TV-Interviews immer wieder unter Beweis stellt, dass er ein Leistungssportler ist, der über den Tellerrand hinausblickt, will nichts geschenkt haben.


Und so kann man davon ausgehen, dass er im Vorlauf in Budapest sich nochmals steigert. Er kann dabei auf die sicherlich lautstarke Unterstützung seiner früheren Gmünder Vereinskameraden Per Kleinschmidt, Nils und Eric Wendel sowie Hans-Peter, Paul und Franz Gratz bauen, die am Himmelfahrtstag in die ungarische Hauptstadt geflogen sind, um ihren alten Freund möglichst auf dem Podest, aber auf jeden Fall im Finale der besten acht, zu sehen. Favorit über 400 Meter Freistil ist übrigens Mühlleitners Teamkollege Lukas Märtens (SC Magdeburg), der als Weltjahresbester an den Start. Mit seiner Zeit von 3:41,60 Minuten, geschwommen im April bei den „Stockholm Open“, ist er der achtschnellste Schwimmer überhaupt über diese Strecke und er hätte damit bei den Olympischen Spielen Gold geholt. Doch Märtens schied in Tokio völlig überraschend aus – und der Magdeburger hat aus dieser Erfahrung seine Lehren gezogen und bleibt wie Mühlleitner bodenständig: „Nein, als Favorit sehe ich mich nicht. Ich bin noch sehr jung und unerfahren auf internationalen Wettkämpfen, so viel wie die meisten meiner Konkurrenten habe ich noch nicht erlebt.“


Nach der 4 x 200 Meter Freistilstaffel steigt Henning Mühlleitner am Donnerstagabend in Budapest sofort in den Flieger – Ziel: Berlin. Dort finden vom 23. bis 26 Juni in der Schwimm- und Sprunghalle des Eurosportparks die 133. Deutschen Schwimm-Meisterschaften im Rahmen von „DIE FINALS – Berlin 2022“ (dabei werden in 14 Sportarten rund 180 Meistertitel vergeben) statt. „Der DSV hat entschieden, dass alle WM-Teilnehmer sofort nach Beendigung ihrer Wettkämpfe in Budapest nach Berlin kommen, um Medien-Präsenz zu zeigen“, erklärt Mühlleitner nüchtern. In Berlin wird er die 1500 Meter Freistil schwimmen, wobei er in Abwesenheit von Olympiasieger und Weltmeister Florian Wellbrock (Magdeburg) und von Lukas Märtens Favorit ist. Seine sechs Gmünder Freunde sehen dies ein wenig anders: „Es wäre schön gewesen, wenn wir mit Hennig ein bisschen Budapest besichtigen hätten können“, bedauert Eric Wendel.


Für den nationalen Schwimmsaisonhöhepunkt in Berlin auf der bekannt schnellen 50-Meter-Bahn der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE) haben 483 Aktive 1.454 Meldungen abgegeben. Vom Schwimmverein Gmünd sind Marie, Paula und Hanna Fuchs, Ida Schneider, Kathrin Stotz, Dana Akhmedova sowie Fabian Blessing dabei, außerdem starten die Gmünder Brüder Patrick und Philipp Dalferth für die SG Saar Max Ritter Saarbrücken (Vorschau folgt)


Die WM-Wettkämpfe in Budapest werden in 192 Länder weltweit übertragen, in Deutschland können alle Vorkämpfe und alle Entscheidungen im Livestream bei Eurovision All Aquatics verfolgt werden. Zudem gibt es Berichte und Interviews auch in den Nachrichten- und Sportsendungen bei ARD und ZDF.

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