Hieber: „Ich wünsche mir ein Gmünder EM-Duo“

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Kai Häfner
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Kai Häfner, Max Häfner und Djibril M'Bengue: Drei ehemalige Spieler des TSB Gmünd wollen künftig in der 1. Bundesliga angreifen. Und alle drei hatte Trainer Michael Hieber einst unter sich.

Schwäbisch Gmünd

Michael Hieber ist stolz auf diese Entwicklung. „Ich kenne kaum einen Verein, der so viele Bundesligaspieler geformt hat.“ Kai Häfner, Max Häfner und Djibril M'Bengue sind alle beim TSB Gmünd groß geworden. Im Interview spricht deren Ex-Trainer über die Anfänge, falsche Positionen und darüber, dass „ich mir Kai als Djibril als Linkshänder bei der Europameisterschaft wünsche“.

Herr Hieber, mal ehrlich: Hätten Sie damals damit gerechnet, dass Sie drei spätere Bundesligaspieler formen?

Hieber: Mit so einer Entwicklung konnte niemand rechnen.

Bei welchem der drei Spieler haben Sie es am ehesten geahnt?

Bei Kai Häfner. Wobei der Hauptanteil seiner Entwicklung ganz klar dessen Vater Wolfgang gehört. Kai hatte ich nur ein Jahr unter mir: Er hat als A-Jugendlicher für unsere erste Mannschaft gespielt, als wir in die Oberliga aufgestiegen sind.

Was hat den heutigen Nationalspieler damals ausgezeichnet?

Kai war in jungen Jahren sehr weit im Kopf. Er war eine Führungsperson. Man musste keine Angst haben, dass er abhebt.

So richtig durchgestartet ist er aber erst, als er von Frisch Auf Göppingen zu HBW Balingen-Weilstetten gewechselt ist.

Ja, weil er bei Frisch Auf Göppingen verkannt wurde. Dort spielte er Rechtsaußen, erst HBW-Trainer Rolf Brack stellte Kai auf Halbrechts. Das Kuriose: Beim TSB war er auch Rechtsaußen, weil ich Halbrechts spielte, und Kai erst 17 Jahre alt war. Aber es war immer klar, dass Kai über den Rückraum kommen muss.

Max Häfner hatten Sie später unter sich.

Max hat vier Jahre unter mir gespielt. Auch er kam bereits als A-Jugendlicher zu uns. Anfangs war er sehr zurückhaltend, erst in der Relegation hat er seine ganze Klasse gezeigt. In der Saison 2016/2017 hat er als Bundesligaspieler mit einem Zweitspielrecht noch für uns gespielt. Das war die stärkste Mannschaft, die der TSB jemals hatte.

Hatte es Max Häfner schwer, aus dem Schatten seines Bruders zu treten?

Max stand nie im Schatten seines Bruders. Er war sogar der elegantere Handballer. Ich kann mich heute outen und sagen, dass Max mein Lieblingsspieler war. Sein Spiel war auch meins: nicht nur draufhauen, sondern über mehrere Stationen zum Erfolg zu kommen. Max mussten wir allerdings zum Werfen zwingen. Er hat immer maximal sechs-, siebenmal aufs Tor geschossen - fünf davon waren aber drin. Er war unheimlich effektiv.

Djibril M'Bengue war ein Spätberufener. Und einer, der sogar mit dem Handball aufhören wollte.

Ja, wir haben ihn damals zum Weitermachen überredet. Dass er Nationalspieler geworden ist, ist unglaublich. Wobei er schon immer unglaublich wuchtig war und einen Raketenarm hatte.

Wie schafft es der TSB Gmünd, dass er immer wieder Spitzenhandballer formt?

Wir sind sehr stolz darauf. Sicher gibt es nicht viele Vereine, die so viele Spitzenhandballer in den vergangenen zehn Jahren herausgebracht haben. Ich glaube, dass es bei uns aus der Not geboren ist. Wir haben nicht das Geld, ausschließlich fertige Spieler zu kaufen. Also geben wir den jungen Spielern die Chance, das ist das Geheimnis.

Viele andere Vereine geben aber auch jungen Spielern eine Chance.

Das stimmt. Wichtig ist, dass junge Spieler das Vertrauen geschenkt bekommen und nicht bei jeder schlechten Aktion gleich auf der Bank sitzen. Das ist für eine Talentförderung unheimlich wichtig. . Und noch etwas ...

Ja?

Junge Spieler dürfen sich für nichts zu schade sein. Djibril M'Bengue ist da das beste Beispiel: Er hat damals bereits beim Bundesligisten TV Bittenfeld mittrainiert und trotzdem noch für unsere zweite Mannschaft in der Bezirksliga gespielt. Ihn musste ich sogar bremsen. Einmal hat er zuerst in der Zweiten gespielt und direkt danach bei uns in der Ersten. Ich wusste nichts davon.

Im Sommer 2022 wechselt M'Bengue vom Champions-League-Teilnehmer FC Porto zum Bundesligisten Bergischer HC. Ist das die richtige Entscheidung?

Ja, der Bergische HC ist eine gute Adresse. Auch, wie sich der Verein aufstellt. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass er hier in die Region wechselt. Nach Stuttgart oder Göppingen.

Ist es sportlich kein Rückschritt?

Nein, die Bundesliga ist die stärkste Liga der Welt. Schauen Sie doch, wer bei den Topmannschaften Kiel, Magdeburg, Berlin oder Flensburg spielt. Da sind überall Nationalspieler, auch aus Norwegen und Dänemark. Der Bergische HC will sich im Mittelfeld etablieren, da ist Djibril jede Woche gefordert.

Hat es Djibril M'Bengue durch den Wechsel in die Bundesliga einfacher, sich für die Nationalmannschaft zu empfehlen?

Auf jeden Fall. Natürlich spielt er mit Porto in der Champions League. Aber in Deutschland steht er künftig zweimal die Woche im Fokus. Das ist eine ganz andere Wahrnehmung in der Öffentlichkeit.

Können Sie sich Kai Häfner und Djibril M'Bengue gemeinsam bei der Europameisterschaft vorstellen?

Ja. Kai ist der spielerische Typ, der schon eine EM mitentschieden hat. Und Djibril ist der Unbekümmerte. Ich wünsche mir ein Gmünder EM-Duo. Dass Kai und Djibril die beiden deutschen Linkshänder bei der Europameisterschaft sind. Da brauche ich keinen anderen mehr.

Wird es auch den Nationalspieler Max Häfner einmal geben?

Max war vor seiner schweren Verletzung nicht weit weg. Im Moment setzt er aber andere Prioritäten: endlich wieder fit und gesund zu werden.

Gibt es im aktuellen Kader des TSB Gmünd einen Spieler, dem Sie eine ähnliche Karriere zutrauen?

Es gibt einige, die viel Qualität haben. Tom Abt ist so einer, er ist eines der größten Talente.

Tom Abt ist eines der größten Talente.“

Michael Hieber, Abteilungsleiter des TSB Gmünd
Max Häfner
Djibril M'Bengue
Djibril M'Bengue
Michael Hieber (rechts)

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