Hiobsbotschaft überschattet Sieg

Der TSB Gmünd lässt beim deutlichen 36:28-Sieg in Fellbach nichts anbrennen. Das drohende Saisonaus für Wolfgang Bächle trübt jedoch die Stimmung.

Fellbach

Mit 36:28 hat der TSB Gmünd beim SV Fellbach gewonnen.

Zu keiner Zeit hatte der TSB am Zweifel daran gelassen, wer das Remstal-Derby für sich entscheiden würde. Trotzdem überwog im Anschluss ein tiefer Schmerz. „Natürlich freuen wir uns über den Sieg, der aber wieder ein sehr teurer war, wenn sich unsere Befürchtungen bestätigen“, war Trainer Dragos Oprea bemüht, die richtigen Worte für das Erlebte zu finden. Im Vorfeld der Partie hatte sich das Lazarett zwar gelichtet, sowohl Marian Rascher als auch Aaron Fröhlich konnten wieder mitwirken. Doch der nächste Nackenschlag ließ nicht lange auf sich warten und traf den TSB ins Mark.

22 Minuten waren gespielt, die Jets führtenn in fremder Halle längst deutlich mit 14:9. Zunächst ahnte niemand etwas Schlimmes, als Bächle nach dem Torwurf in Richtung Ersatzbank humpelte. Was viele der 150 Zuschauer gar nicht mitbekommen hatten: Der Rechtsaußen war unglücklich mit der Ferse aufgekommen, der erste Verdacht deutet auf einen Riss der Achillessehne hin. Jene Verletzung, die vor vier Jahren bereits Spielmacher Fröhlich sieben Monate lang außer Gefecht gesetzt hatte. Bächle droht deshalb nun das vorzeitige Saisonaus. In Fellbach zählte der 27-Jährige mit sechs Treffern zu den zuverlässigsten Schützen und war mit verantwortlich dafür, dass der TSB frühzeitig klare Verhältnisse schuf. Einen Back-Up? Den gibt es im dünnen Kader eigentlich nicht. Mit Sven Petersen und Patrick Watzl verbleiben nur zwei weitere Linkshänder. Watzl erzielte nach Bächles Verletzung immerhin seine ersten beiden Oberliga-Tore und das wohlgemerkt von Rechtsaußen, obwohl sich das 19-jährige Eigengewächs eigentlich im Rückraum am wohlsten fühlt.

Die Begegnung selbst ist kurz erzählt. Die Gmünder waren von der ersten Sekunde an hellwach. Zweimal Nicola Rascher und einmal Bächle legten schnell ein 3:0 (2.) vor. Lediglich beim 4:3 konnte sich der SV Fellbach kurz einmal herantasten, danach aber zog der TSB das Tempo an und auf 9:3 (13.) davon. Zwischen den Pfosten zeichnete sich Daniel Mühleisen einige Male aus, die allermeisten Angriffsbemühungen der Hausherren scheiterten allerdings schon am Gmünder Defensivbollwerk um Philipp Schwenk und Christian Waibel. Das Umschaltspiel funktionierte „nahezu in Perfektion“, wie Oprea befand. Petersen und Bächle gelangen immer wieder einfache Gegenstoß-Tore, im linken Rückraum bestätigte Nicola Rascher seine starke Form der vergangenen Wochen. Die Gmünder glänzten mit purer Effizienz und ließen kaum eine Chance ungenutzt.

Über 12:6 (17.) und 16:11 (25.) hatte der deutliche Vorsprung weiter Bestand. Wären da nicht zwei vergebene Siebenmeter gewesen, hätte der TSB schon vor der Pause die 20 Tore-Marke geknackt. So stand es „nur“ 18:14, als der verletzte Bächle aus der Halle getragen wurde. „Es war eine Zusatzmotivation, dass wir „Wolle“ Bächle diesen Sieg unbedingt schenken wollten“, erklärte Nicola Rascher, der gleich nach Wiederanpfiff zwei weitere Male einnetzzte.

Der Wucht des Gmünder Rückraums hatte Fellbach wenig entgegenzusetzen. So enteilte der TSB nach einem Petersen-Doppelschlag auf 26:19 und stürmte einem ungefährdeten Auswärtssieg entgegen. Endlich, meinten die mitgereisten Gmünder Fans, denn die bisherigen Partien waren meist nichts für schwache Nerven gewesen. Am Ende feierte der TSB Gmünd einen ungefährdeten 36:28-Sieg.

Mit 6:6 Punkten rückten die Jets auf den achten Tabellenplatz vor und haben ein spielfreies Wochenende vor sich, ehe am 6.November (19:30 Uhr / Große Sporthalle) der HC Neuenbürg in Gmünd antritt.

TSB: Daniel Mühleisen, Devin Immer – Nicola Rascher (9/2), Wolfgang Bächle (6/1), Jonas Waldenmaier (4), Sven Petersen (4), Aaron Fröhlich (4), Marian Rascher (3), Patrick Watzl (2), Philipp Schwenk (2), Eric Zimmermann (1), Stephan Mühleisen (1), Christian Waibel, Valentin Pick, Arian Pleißner, Hannes Kauderer

Wir wollten „Wolle“ den Sieg schenken.“

Nicola Rascher, TSB Gmünd
  • Stimmen zum Spiel: „Das war ein wichtiger Sieg“
  • Dragoș Oprea, TSB-Trainer: „Meine Jungs wissen, dass ich sie nicht allzu oft lobe. Doch wir haben bewiesen, wie stark wir sind, wenn wir fast vollzählig sind und unseren Matchplan hervorragend umgesetzt haben. Trotz 28 Gegentoren war es eine überragende Abwehrleistung. Mit gerade einmal drei technischen Fehlern waren wir im Angriff nahe an der Perfektion.“
  • Jürgen Rilli, Sportlicher Leiter TSB Gmünd: „Dadurch, dass unsere Verletztenliste wieder kleiner geworden ist, bin ich fest überzeugt gewesen, dass wir gewinnen. Einen Sieg in dieser Höhe zu erwarten, wäre allerdings utopisch gewesen. Wir waren durchaus unter Zugzwang. Doch dieser Sieg war nicht nur immens wichtig für die Tabelle, sondern auch in der Art und Weise absolut schön anzusehen. Zur Halbzeit hätten wir deutlicher führen können, die Reaktion danach war spitze. Wir haben dazugelernt und unsere Schwächephasen abgestellt.“
  • Jonas Waldenmaier, TSB-Kreisläufer: „Im stehenden Angriff haben wir Fellbach im Griff gehabt. Das Einzige, was noch verbesserungsfähig wäre, ist unser Rückzugsverhalten. Unsere Tore hingegen sind gut verteilt, was uns in gewisser Weise unberechenbar und dadurch auch stark macht. Es ist nicht so, dass gar nichts mehr läuft, wenn ein Spieler einen schlechten Tag erwischt.“
  • Nicola Rascher, TSB-Torjäger: „Das Ergebnis spricht für sich. Wenn man mit diesem Abstand in fremder Halle gewinnt, dann kann man nicht viel falsch gemacht haben. Wie wir in der Abwehr alles hineingeworfen haben, uns dadurch den Vorsprung erkämpft und dauerhaft gehalten haben, war sensationell. Das war ein wichtiger Sieg, um in der Tabelle weiter nach vorne zu rutschen. Mit Selbstvertrauen funktionieren viele Dinge einfacher, dementsprechend versuchen wir alle und auch ich selbst auf dieser Welle weiter zu schwimmen.“

Zurück zur Übersicht: Regionalsport

WEITERE ARTIKEL

Kommentare