Ich war in der Form meines Lebens

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Seit ein paar Tagen darf der Schwimmer Henning Mühlleitner seine Übungen wieder im Kraftraum absolvieren.

Der 22-jährige Henning Mühlleitner berichtet von seinem Alltag in Zeiten des Corona-Virus.

Die Olympischen Spiele in Tokio bleiben das Ziel von Henning Mühlleitner (Neckarsulmer Sport-Union). Im Interview spricht der 22-jährige Schwimmer aus Gmünd über seinen neuen Alltag, Rückschläge und warum er dennoch zuversichtlich in die Zukunft blickt.

Herr Mühlleitner, wie haben Sie sich denn in den letzten Wochen fitgehalten?

Ich jogge viel, aber mit den Gummigelenken, die man als Schwimmer hat, geht das ganz schön auf die Knie und die Hüfte. Seit ein paar Tagen darf ich wieder in den Kraftraum – das tut gut. Schwimmen war ich seit sechs Wochen nicht mehr. Das Gefühl für den Körper und das Wasser ist natürlich längst weg.

In welcher sportlichen Verfassung waren Sie vor der Coronakrise?

Als es in Europa die ersten Infizierten gab, war ich gerade in Spanien im Höhentrainingslager. Ich habe mich mit anderen Schwimmern auf die Qualifikationswettbewerbe für die Olympischen Spiele vorbereitet. Anfang März, als die Situation ernster wurde, mussten wir heimreisen. Ich würde behaupten, dass ich zu diesem Zeitpunkt in der Form meines Lebens war.

Eine Qualifikation für Olympia schien also möglich?

Das kann natürlich jeder von sich sagen. Aber rein von meinen Trainingszeiten und dem Gefühl, das ich hatte, standen die Chancen sehr gut.

Wie fiel Ihre Reaktion aus, als klar war, dass die Olympischen Spiele auf 2021 verschoben werden?

Ich war dann doch ziemlich erleichtert, weil diese ständige Ungewissheit, wie es wohl weitergeht, weg war. Mir fiel es schon davor immer schwerer, mich für das Training zu motivieren, nachdem Schwimmwettkämpfe und Großveranstaltungen wie die Fußball-Europameisterschaft abgesagt wurden. Die Verlegung der Olympischen Spiele war die einzig richtige Entscheidung, ganz klar.

Es ist gerade nicht Ihre erste Zwangspause. Im Oktober 2018 hatten Sie eine Knie-OP, waren anschließend krank und konnten insgesamt ein halbes Jahr lang nicht trainieren. Jetzt gab es erneut einen Rückschlag.

Ja, und nach der langen Pause damals bin ich meiner alten Form hinterhergehetzt, habe angefangen mich selbst unter Druck zu setzen. Ich ging es zwar professionell an, aber am Startblock lief es nicht perfekt. Da habe ich den Sinn und Spaß am Schwimmen ein bisschen aus den Augen verloren. Es hat gedauert, bis ich das erkannt und überwunden habe. Ein bisschen Sorge habe ich schon, dass ich nach dieser Pause jetzt wieder in so einen Modus verfalle.

Was macht Ihnen Hoffnung?

Ich glaube, ich bin dadurch auch reifer geworden. Und mich motiviert die Neugier, wie gut ich abliefern könnte. Dafür möchte ich mich noch mal dahin bringen, wo ich jetzt war. Vielleicht reicht es dann ja für die Olympischen Spiele.

Wie sieht Ihr Alltag im Moment aus?

Die Uni ging wieder los. Ich studiere im sechsten Semester an der Hochschule Heilbronn und bin nebenher noch Werkstudent. Vor kurzem bin ich in eine eigene Wohnung in Neckarsulm gezogen. Nach sechs Jahre Internats- und WG-Leben wurde es Zeit für eine eigene Bleibe. Ansonsten verbringe ich Zeit mit meiner Freundin oder fahre heim nach Schwäbisch Gmünd.

Markus Sutera

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