Ist die DM im Kunstturnen wegen Corona erneut in Gefahr?

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Foto: Jan-Philipp Strobel
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Der TV Wetzgau fiebert auf das Finale um die deutschen Mannschaftsmeisterschaften hin. Welche Vorgaben gelten für Sportler und Zuschauer in der Ratiopharm-Arena in Neu-Ulm?

Schwäbisch Gmünd.

Um es vorweg zu nehmen. Falls Bayern in den nächsten Tagen wegen der sich stetig zuspitzenden Corona-Situation Sportwettkämpfe in Hallen verbieten würde, würde es keine Ausweichhalle für die Finals um die Deutsche Turnmeisterschaften der Männer und Frauen geben. Die stehen am Samstag, 4. Dezember in der Ulmer Ratiopharm-Arena auf dem Programm. Mit dem TV Wetzgau.

Zum dritten Mal hat die Bundesligariege des TV Wetzgau den Einzug in den Endkampf um den Deutschen Meistertitel geschafft. 2013 strahlten die Jungs von TVW-Kunstturnchef Paul Schneider mit der Goldmedaille um den Hals. 2020 mussten sie sich dem Juryspruch beugen. Weil das Finale im vergangenen Jahr pandemiebedingt ausgefallen ist, wurde die TG Saar am Grünen Tisch zum Deutschen Meister gekürt, Wetzgau blieb der Titel des Vizemeisters. Der Einspruch läuft noch.

Auf ein solches Déjà-vu kann Paul Schneider in diesem Jahr gerne verzichten. „Ich hoffe, dass wir in diesem Jahr tatsächlich um den Titel turnen dürfen“, sagt er. „Meine Jungs brennen darauf.“

Ex-Zirkusartist ist der Cheftrainer

Der Gegner ab 14 Uhr am Samstag, 4. Dezember, wird der TuS Vinnhorst sein. Und damit jenes Team, das sich in der Tabelle der Gruppe B der zweigeteilten Bundesliga vor dem TV Wetzgau auf Rang 1 gesetzt hat.

Die Wetzgauer mussten sich im September gleich zum Auftakt der diesjährigen Bundesligasaison nach Scorepunkten ganz knapp mit 22:29 geschlagen geben (6:6 Gerätepunkte). Es blieb die bislang einzige Niederlage von Toba, Hörr & Co. in dieser Saison. Und das soll auch so bleiben. Denn: Eine geglückte Revanche in der Ratiopharm-Arena würde dem TV Wetzgau den zweiten Deutschen Meistertitel seiner Bundesligariege bringen.

Doch auch Paul Schneider weiß, dass sich die Niedersachsen nicht so einfach werden die Butter vom Brot nehmen lassen. Ursprünglich hervorgegangen aus der TKH Hannover und des Niedersächsischen Turnteams (NTT) hat die Turnerriege von Vinnhorst-Manager Steffen Rüter innerhalb weniger Jahre einen steilen Aufstieg von der Regionalliga in die 1. Bundesliga unternommen. Cheftrainer Alfred Lefebre, einst WM-Teilnehmer und später Roncalli-Zirkusartist, hat ein Team geformt, das nach Rang sechs im vergangenen Jahr bereits im zweiten Jahr seiner Erstligazugehörigkeit gleich nach den Sternen greift.

Deutsche Turngrößen wie Philipp Herder, Lukas Dauser und Nils Dunkel bilden gemeinsam mit dem Russen Vladislav Poliashov, dem Italiener Andrea Zingolani oder dem Spanier Rayderley Zapata - allesamt internationale Weltklasseturner - ein Team, das seinesgleichen sucht in Deutschland.

Doch auch der TV Wetzgau muss sich nicht verstecken. Andreas Toba, Carlo Hörr und Glenn Trebing zählen zu den absoluten Spitzenathleten in Deutschland. Hinzu kommen die Spanier Nestor Abad und Nicolau Mir. Paul Schneider weiß: Es ist nicht unmöglich, die Niedersachsen zu bezwingen.

Fast zwei Wochen sind es noch bis zum großen Finale in Neu-Ulm. „Alle arbeiten zielgerichtet auf dieses Finale hin“, weiß Paul Schneider. Wichtig sei jetzt, die Form zu halten. Dass sie sich erst am Freitag, 3. Dezember, wieder in Gmünd gemeinsam im Training treffen, ist für Wetzgaus Kunstturnchef kein Problem. „Das sind alles Nationalmannschaftsturner. Die wissen genau, was zu tun ist.“

In der Frage, ob und unter welchen Bestimmungen diese Deutschen Meisterschaften ausgetragen werden können, sei die Deutsche Turnliga (DTL) im engen Austausch mit dem Ulmer Gesundheitsamt und dem bayerischen Staatsministerium. Dies teilt der DTL-Medienverantwortliche Nils Bohl mit. Gespannt warte man auf die neuen Coronabestimmungen Bayerns, die an diesem Mittwoch veröffentlicht werden sollen.

Wie viele Zuschauer dürfen in die Halle?

Was das Startrecht der Turnerinnen und Turner betrifft, ist es bisher so, dass sich nicht geimpfte Athleten durch zwei negative PCR-Tests innerhalb einer Woche freitesten konnten.

Was die Zuschauer betrifft, kann es durchaus sein, dass die Vorgaben eine Begrenzung der Zuschauerzahl auf vielleicht ein Viertel der möglichen 4000 Plätze vorsehen könnten. Offen ist auch noch, ob bei den Zuschauern der 2G-Nachweis (geimpft oder genesen) genügt, oder ob vielleicht „2G plus“ gefordert sei (geimpft/genesen plus getestet).

All diese Fragen sind zum jetzigen Zeitpunkt noch offen.

Über Wetzgaus Einspruch ist noch nicht entschieden

Offen ist übrigens auch noch, ob der TV Wetzgau tatsächlich noch die Chance hat, den Deutschen Meistertitel für 2020 zugesprochen zu bekommen. Die Wetzgauer haben bekanntlich gegen die DM-Wertung zugunsten der TG Saar Einspruch eingelegt, weil bei der TG Saar in der Bundesligasaison 2020 auch der russische Spitzenturner Oleg Verniaiev eingesetzt wurde. Der Barren-Olympiasieger von 2016 ist dann vom Schiedsgericht (GEF) des Internationalen Turnverbands (FIG) wegen Dopings für vier Jahre gesperrt worden. Gegen dieses Urteil hat er Einspruch eingelegt. Über diesen Einspruch hat der internationale Sportgerichtshof CAS noch nicht entschieden. „Die DTL kann erst entscheiden, wenn von dort ein Urteil kommt“, erklärt Bohl die lange Wartezeit der Wetzgauer auf eine Antwort.

„Alle arbeiten zielgerichtet auf dieses Finale hin.“

Paul Schneider, Kunstturnchef des TV Wetzgau
  • Das DM-Finale in der Ratiopharm-Arena in Neu-Ulm
  • Der TuS Vinnhorst und der TV Wetzgau stehen im Finale der Deutschen Turnliga am 4. Dezember in der Ratiopharm-Arena in Neu-Ulm. Vinnhorst ließ im Halbfinale der Bundesliga Siegerland vor eigenem Publikum mit 53:19 keine Chance, Schwäbisch Gmünd-Wetzgau gewann bei KTV Straubenhardt mit 35:27. Der Sieger darf sich mit dem Titel des deutschen Mannschaftsmeisters krönen.
  • Die beiden Halbfinal-Verlierer Straubing und Siegerland wetteifern gleichzeitig um die Bronze-Medaille.
  • Im Finale der Frauen stehen in der ratiopharm arena von Neu-Ulm der MTV Stuttgart, TSV Tittmoning, TG Karlsruhe-Söllingen und der SSV Ulm.
  • Die Wettkämpfe der Männer beginnen um 14 Uhr, die der Frauen um 19 Uhr.

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