Kaum noch Spieler: Die Rollstuhlbasketballer des TSV Ellwangen bangen um ihre Existenz

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Stehen die Ellwanger Rollstuhl-Basketballer vor dem Aus?
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Nach über 40 Jahren droht das Aus: Nach der Pandemie sind mehrere Spieler beim TSV Ellwangen abgesprungen. Inzwischen müssen sogar Trainingseinheiten abgesagt werden.

Ellwangen

Lang ist's her, als die Rollstuhlbasketballer des TSV Ellwangen ganz oben waren. Mit Spielern wie Alexander Hofelich mischten sie die Bundesliga auf. Heute plagen die „Rollis“ Existenzsorgen. „Wir haben aktuell nur noch sechs, sieben Spieler. Wenn das nicht anders wird, wird sich alles ganz schnell auflösen“, sagt Pressewart Erwin Wallkum, der trotz seiner 65 Jahre noch aktiv ist.

Erwin Wallkum kann sie alle auswendig aufzählen: Werner Rieger, Alois Rettenmaier (beide aus Lauchheim), Erwin Arnold (Ebnat), Markus Walter (Eggenrot), Dietmar Hummel (Schwäbisch Gmünd) und natürlich Trainer Martin Fürst (Mögglingen) bilden mit ihm das aktuelle Team der „TSV-Rollis“. „Wenn dann mal zwei, drei Spieler ausfallen, müssen wir das Training absagen. Es macht dann auch keinen Spaß, die Bälle nur in den Korb zu werfen und hinterherzufahren“, sagt Wallkum, und man hört die Enttäuschung heraus über die aktuelle Situation beim TSV Ellwangen. Die Pandemie ist nicht spurlos an den „TSV-Rollis“ vorübergegangen. „Als wir nach zwei Jahren wieder uneingeschränkt trainieren konnten, haben mehrere Spieler aufgehört“, sagt der Pressewart. Eine Besserung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil. Weitere Abgänge drohen, „unsere Spieler haben oft eine längere Anreise, da kommen die hohen Spritkosten obendrauf“, sagt Wallkum. Der Verein könne dafür natürlich nicht aufkommen.

Was Wallkum auch sagt: dass das Team inzwischen überaltert sei. Der jüngste Aktive ist derzeit 53 Jahre alt, er selbst ist mit 65 Jahren der Älteste. „Ich gehöre zum alten Eisen“, sagt er, „aber ich möchte noch weiterspielen.“ Und das nicht nur im Training. „Wir würden gerne wieder in der Verbandsrunde spielen.“ Klar, dass die „TSV-Rollis“ ganz unten in der Landesliga starten müssten. Denn: Zuletzt haben die Ellwanger in der Saison 2019/2020 eine Mannschaft in der Oberliga gestellt. „Wobei diese Liga damals zu stark für uns war. Und wenn du jede Woche verlierst, verlierst du irgendwann auch die Lust.“ Zumal die Auswärtsspiele bis nach Freiburg geführt haben. „Da waren wir immer einen ganzen Tag unterwegs.“

Punktesystem für die Spieler

Nach zwei Jahren ohne Ligaalltag ist die Lust aber wieder groß, und Erwin Wallkum und seine Mitspieler haben nun einen Aufruf gestartet. „Gesucht werden sportbegeisterte Männer, Frauen und Paare, die sich ein soziales Projekt mit Rollstuhlfahrern vorstellen könne“, sagt der Pressewart und stellt klar, dass auch basketballbegeisterte Sportler ohne Handicap willkommen sind. Denn auch die dürfen aufs Feld geschickt werden. Allerdings nicht beliebig viele. „Bei uns werden die Spieler nach einem Punktesystem bewertet. Ein Nicht-Behinderter bekommt 4,5 Punkte, und es dürfen nicht mehr als 14,5 Punkte insgesamt auf dem Feld sein.“ Heißt: Von den fünf Spielern dürfen maximal zwei ohne Behinderung eingesetzt werden. „Spieler mit Behinderung bekommen je nach Handicap einen Wert, der immer variieren kann“, sagt Wallkum. Eingestuft werden die Akteure von den Schiedsrichtern. Das allerdings ist für die Ellwanger gerade zweitrangig, „wir brauchen erst wieder genügend Spieler. Acht, neun sollten es für den Ligabetrieb schon sein.“

Allerdings ist es auch um den Nachwuchs schlecht bestellt. „Wir haben zwar ein Jugendtraining, aber die Interessierten kommen von weit her, und wir können sie nicht immer abholen“, sagt der Pressewart.

Nun hoffen die „TSV-Rollis“, dass ihr Aufruf von Erfolg gekrönt ist. Bis dahin gehen die wenig übrig Gebliebenen donnerstags weiter auf Korbjagd. „Weil es einfach riesig Spaß macht.“

Die Aktiven und Jugendlichen trainieren donnerstags

Seit über 40 Jahren gibt es die Rollstuhlbasketball-Abteilung beim TSV Ellwangen.

Die Aktiven des TSV Ellwangen trainieren donnerstags von 18 Uhr bis 20 Uhr unter der Leitung von Martin Fürst in der Buchenberghalle.

Das Jugendtraining ist ebenso donnerstags - und zwar von 17 Uhr bis 18 Uhr. Hier engagiert sich Max Niedermüller, der auch mit Jugendlichen von der Konrad-Biesalski-Schule aus Wört regelmäßig zum Training kommt.

Weitere Infos gibt's bei Erwin Wallkum unter 07957 411067 oder 0176-932465615.

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