Kehrtwende beim Verband: Spiel des VfR Aalen offiziell abgesagt

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Die zwei jüngsten Corona-Fälle: Steffen Kienle und Ali Odabas.
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Erste Entscheidung revidiert: Nach dem elften Coronafall wird dem Antrag des VfR Aalen doch noch zugestimmt. Das abgesagte Spiel beim TSV Schott Mainz wird nachgeholt, der Termin ist noch offen.

Aalen / Mainz.Aufatmen beim VfR Aalen: Nachdem die Regionalliga Südwest eine Verlegung des Spiels bei Schott Mainz zunächst abgelehnt hatte, erfolgte am Samstag die offizielle Absage. Ausschlaggebend waren die beiden neuen Coronaerkrankungen bei Steffen Kienle und Ali Odabas. Damit dürfen die Ostälbler, die definitiv nicht angetreten wären, die Partie nachholen.

Die VfR-Vereinsführung gab am Wochenende keine weitere Stellungnahme zu den Vorkommnissen ab. Geschäftsführer Giuseppe Lepore wollte mal durchschnaufen. Und Präsidiumsmitglied Michael Weißkopf verwies auf ein „offizielles Statement“ vom Verein, das am Montag komme.

Unterdessen hat Uwe Wolf seinen wenigen gesunden Spielern bis Dienstag frei gegeben. „Ich kann doch bei unserer Personalsituation nicht trainieren“, sagt der Trainer, der neben den sechs Verletzten elf Coronafälle im Team hat. Das war letztendlich auch der Grund, weshalb der Verband seine erste Entscheidung vom Freitag gekippt hat. Denn da wurde der Antrag des VfR Aalen auf Verlegung des Spiels bei Schott Mainz noch abgelehnt. Nachdem am selben Tag aber auch Steffen Kienle und Ali Odabas positiv getestet wurden, entschied die Regionalliga Südwest am Samstag, dem Antrag der Aalener nun doch stattzugeben - auf Grundlage von Paragraf 14 der Spielordnung. Dieser besagt, dass nicht die erforderliche Anzahl an Spielern zur Verfügung stand.

Ohne die Kehrtwende hätte der VfR Aalen das Spiel womöglich am grünen Tisch verloren. So dürfen die Ostälbler doch noch antreten. Beide Vereine sollen sich bereits in der finalen Abstimmung über den Nachholtermin befinden, der wie gewohnt zum nächstmöglichen Zeitpunkt angesetzt wird. Heißt: noch vor der Winterpause.

Die Erleichterung ist vor allem Uwe Wolf anzumerken. Denn der Trainer hatte Freitag schwere Geschütze aufgefahren, als der Verband den Antrag auf Spielverlegung ablehnte. Wolf drohte den VfR-Verantwortlichen mit seinem sofortigen Rücktritt, sollte der VfR in Mainz tatsächlich antreten. „Das wäre unverantwortlich gewesen, und deshalb wäre das definitiv mein Abschied in Aalen gewesen“, sagt der 54-Jährige.

„Der Abschied hätte weh getan“

Er habe die Aufsichtsräte Peter Peschel und Heiko Rössel, Geschäftsführer Giuseppe Lepore sowie die Kapitäne Alessandro Abruscia und Ali Odabas über sein Vorhaben informiert. „Natürlich hätte mir dieser Abschied unheimlich weh getan, weil ich die Jungs zurück lassen hätte müssen“, sagt Wolf und fügt hinzu: „Wir haben hier eine super Mannschaft, ein super Funktionsteam und super Fans.“ Aber: „Ich hätte das durchgezogen!“ Dass die Vereinsverantwortlichen schließlich dem Wunsch der Trainers nachgekommen sind und entschieden haben, nicht anzutreten, hat dem Coach imponiert. „Da haben alle eine klare Kante gezeigt.“

Die wünscht sich Wolf jetzt auch bei anderen Themen. Vor allem, was die medizinische Seite im Verein betrifft. „Wir brauchen nach dem Weggang von Achim Hägele einen Physiotherapeuten oder Masseur. Das habe ich bereits mehrfach gefordert.“ Und: „Uns steht noch nicht einmal das Entmüdungsbecken zur Verfügung, obwohl wir ein solches in der Arena haben. Das sind die Basics im Profifußball.“

Den bis zur Winterpause noch ausstehenden drei Begegnungen gegen Pirmasens, Bahlingen und Schott Mainz blickt Wolf aber zuversichtlich entgegen. „In dieser Woche kehrt ein großer Teil der Coronapatienten zurück, außerdem rechne ich wieder mit Kapitän Alessandro Abruscia.“ Nicht ausgeschlossen ist eine Rückkehr von Benjamin Kindsvater und Kristjan Arh Cesen. Die Personalsituation entspannt sich also langsam wieder.

Und Uwe Wolf ist froh, dass er nicht noch so ein chaotisches Wochenende mitmachen muss.

  • Reaktionen auf Facebook: „In so einer Situation geht es nicht um Paragrafen“
  • Zur Entscheidung des Verbandes am Samstag, das Spiel abzusagen:
  • Michael Leis: „Auf einmal geht eine Verlegung.“
  • Helmut Truckenmüller: „In so einer Situation geht es nicht um Paragrafen, sondern um die Gesundheit von Spielern und die Wettbewerbsgleichheit. Da gehört mal eine Verordnung von Regierungsseite her. (...). Dass man ab 11 Coronafällen nicht mehr spielen kann, ist ein Witz. Man hat immer ein paar verletzte Spieler (...).“
  • Norbert Müller: „Zum Glück! Ein Spiel am grünen Tisch zu verlieren wäre ärgerlich.“
  • George Wesch: „Sehr gut, dass das Spiel nicht stattfindet.“
  • Zur Entscheidung des VfR Aalen am Freitag, nicht anzutreten:
  • Kickers Mat: „Was passiert, wenn man gerade Genesene wieder spielen lässt, sieht man in Berlin. Zwei davon sind kollabiert.“
  • Jürgen Rupp: „Man kann zum Trainer stehen wie man will. Davor aber Respekt, dass er sich schützend vor seine Spieler gestellt hat (...). Da zählt der Mensch noch was.“
  • Markus Treweg: „Das wäre dieselbe Lachnummer gewesen wie das Spiel in Portugal, als das Heimteam mit neun Spielern antreten musste und es zur Halbzeit 0:7 stand. Die (Der Verband, Anm. d. Red.) sollten sich mal überlegen, wie es möglich sein kann, einem solchen Verlegungsantrag nicht zuzustimmen.“

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