„Kinder fit zu halten ist unser Anspruch“

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Talentschule im „Homeoffice“ – wenn das Wohnzimmer zur Turnhalle umfunktioniert wird.

Wenn Paul Schneider die Stimme erhebt, dann herrscht normalerweise Ruhe in der Halle. Der Cheftrainer des TV Schwäbisch Gmünd-Wetzgau ist einerseits der Freund der Kinder und Jugendlichen, andererseits aber auch Respektsperson. In Corona-Zeiten hat der Gmünder Stadtrat schon viele Aufs und Abs erlebt. Seit November aber hat das „Abwärts“ die Regie übernommen. „Wir hoffen, dass nicht viele, am besten gar keiner resigniert.“ Daher sei der Anspruch an die Trainer und an ihn als Chef selbst, die Kinder fit zu halten. Mit den modernsten Möglichkeiten, sprich mit „Homeoffice“.

Paul Schneider war über viele Jahre der Stadtsportlehrer der Stadt Schwäbisch Gmünd für den Bereich Turnen. „Turnen ist Grundlagenarbeit. Jeder Leistungssportler, ob Fußballer, Tennisspieler, Handballer oder eben auch Kunstturner hat seine Anfänge mit vielen Übungen aus dem Turnen gemacht. Nur so entsteht die Sportlichkeit im Körper, die Koordinationsfähigkeit und Wille und Disziplin, um später einen Weg hinein in den Spitzensport zu gehen“, sagt der Coach des TVW, dessen Team seit vielen Jahren zu den besten in Deutschland gehört und im Dezember Deutscher Vizemeister wurde.

Doch nun herrscht in den Hallen seit November 2020 Stillstand. Wo sich sonst viele Jugendliche und Kinder tummeln, da sind heute nur noch wenige Athleten vor Ort: „Unsere Bundesligaturner, die nicht an den Bundeskader-Stützpunkten trainieren, dürfen in die Halle. Sie sind aber die einzigen.“ Da die meisten TVW-Athleten allerdings in den Kadern des DTB turnen oder aber auswärts studieren, hat sich das Feld der Turner auf drei reduziert, die tatsächlich die Halle im Unipark im Moment betreten: „Felix Pohl, Helge Liebrich und Frederick Knauß“, sagt Paul Schneider.

Während die Topathleten sich in den Hallen fit halten können, muss der größte Teil des Nachwuchses zuhause auf das „Go“ nach dem Ende des Lockdowns warten. Mit der Ausnahme von Philipp Steeb und Kimi Köhnlein, die beide den Jugendkadern angehören und somit berechtigt sind, in Hallen zu trainieren.

Für den Rest allerdings gilt: Homeoffice. Oder besser gesagt: Training via Online-Coaching. „Wir haben die Verpflichtung aus unserer Sicht, die jungen Sportlerinnen und Sportler fit zu halten in diesen schwierigen Monaten, in denen sie nicht trainieren können. Und ich ziehe den Hut vor all den Mädels und Jungs, wie toll sie auch unsere Online-Angebote nutzen.“

Natürlich gebe es, vor allem Wetter-bedingt unterschiedlich hohe Beteiligungen, aber das sei „ja ganz normal“, schmunzelt der Paul Schneider. Umso mehr hoffe er, dass nur ganz wenige („am besten gar niemand“) hinten runter falle in diesen schwierigen Monaten: „Für die Kinder und Jugendliche ist Corona eine ganz harte Prüfung. Das wird oftmals vergessen. Dabei geht es weniger um das Virus und eine mögliche Erkrankung, sondern vielmehr um soziale Isolation. Nicht zur Schule gehen und das eigene Hobby nicht wahr nehmen zu können. Da werden noch erhebliche spätere Folgen auf uns alle zukommen“, so der Wetzgauer Coach. Im Moment müsse aber die Devise lauten: „Pobacken zusammenkneifen und durchhalten.“

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