Sportmosaik

Kleinere Gruppen als in der Schule

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Lutz Dombrowski

Werner Röhrich über die Öffnung von Freianlagen und einen Schlag ins Gesicht.

"Wir sind startklar", meldet der Vorsitzende des Tennisvereins Schwäbisch Gmünd, Rudi Groß. Auf allen 13 Plätzen der Anlage im Schießtal kann ab Montag gespielt werden. Natürlich unter strengsten Hygienebestimmungen. Um eine kontrollierte Koordination in Sachen Platzbelegung zu ermöglichen und damit zu verhindern, dass sich zu viele Menschen auf der Anlage gleichzeitig aufhalten, hat der TVG sein Online-Platzbelegungssystem, das bisher schon für die Halle galt, auf die Plätze erweitert.

Auch andernorts sind die Tennisplätze längst schon vorbereitet. Vereine, die in der Lage sind, die Bestimmungen einzuhalten, dürfen die Plätze freigeben.

Auch bei den Gmünder Leichtathleten der LG Staufen freut man sich. Am Montag um 15 Uhr wird Cheftrainer Lutz Dombrowski nach vielen Wochen des Hometrainings die erste Trainingsgruppe im Stadion des Berufschulzentrums auf dem Hardt empfangen.

Die Stadt Schwäbisch Gmünd hat - in Abstimmung mit dem Landkreis, dem diese Anlage gehört – ihr Go gegeben, nachdem die LG Staufen ein Trainingskonzept dargelegt hat, das den derzeitigen "Corona-Vorschriften" des Landes entspricht. Sprich absolute Hygienebedingungen und Training maximal in Fünfergruppe unter Einhaltung des Sicherheitsabstandes. "Ich bin froh, dass es jetzt wieder losgeht", sagt Dombrowski. Den Einstieg hat er zunächst mit den Älteren geplant. "Wir orientieren uns dabei an den Jahrgängen, die auch in die Schule dürfen", erklärt der Weitsprung-Olympiasieger von 1980. Die Verwunderung, dass im Klassenzimmer zwölf Kinder sitzen dürfen und die Leichtathleten unter freiem Himmel nur zu fünft trainieren dürfen, lässt er dabei durchaus durchklingen. "Das ist für mich nicht stimmig."

Aber egal. Hauptsache, es geht wieder weiter. "Wir werden uns jetzt einfach peu a peu in diese Situation reintasten."

Auch andere Sportler sind auf die Öffnung von städtischen Sportanlagen angewiesen. "Wir machen jetzt einmal mit dem Stadion auf dem Hardt den Anfang", erklärt Klaus Arnholdt und betont klar, "dass es momentan nur um die Einzelsportler gehen kann." Die Sportplätze für die Fußballer bleiben ebenso geschlossen wie die Bolzplätze in der Stadt.

Den Schwimmern aber macht der Leiter des Gmünder Amtes für Bildung und Sport etwas Hoffnung. "Das Konzept, das uns der Schwimmverein vorgelegt hat, erscheint mir durchaus schlüssig." Es werde geprüft, ob es die Möglichkeit geben, die Leistungsschwimmer im Schießtal, das bereits für die Badesaison vorbereitet ist, unter Auflagen trainieren zu lassen. An eine Öffnung der Bäder für die Öffentlichkeit sei allerdings nicht zu denken.

Und auch nicht daran, dass die Bundesligaturner des TV Wetzgau vielleicht in die Halle im Unipark können. Nicht einmal zum Einzeltraining. Dafür hat nämlich TVW-Cheftrainer Paul Schneider ein entsprechendes Konzept bei der Stadt eingereicht. Arnholdt: "Wir können die Hallen noch nicht öffnen." Und weiter: "Ich wage keine Prognose in diesen Dingen. Wir müssen hier auf Sicht fahren."

Was die große Sporthalle im Schwerzer betrifft, in der das Fieberzentrum und die Notbetten untergebracht sind, rechnet Klaus Arnholdt ohnehin nicht mehr mit der Möglichkeit, diese vor der Sommerpause noch öffnen zu können.

Paul Schneider, Kunstturn-Cheftrainer des TV Wetzgau und Stadtrat, kann die Entscheidung pro Fußball-Bundesliga und contra Hallensport nicht nachvollziehen. Für ihn ist die Entscheidung "ein Schlag ins Gesicht" aller Hallensportler. "Der Sport leidet weiter - zumindest 90 Prozent davon", sagt er. "Ich konnte es von Beginn nicht nachvollziehen, warum überhaupt darüber diskutiert wurde. Fußball ist ein ganz enger Kontaktsport. Bei jedem Eckball, bei jedem Freistoß kommen sich die Spieler näher als nirgendwo anders. Es wird auf den Rasen gespuckt, der Schweiß miteinander geteilt… Wie kann es dafür ein Ja geben, während andere Sportarten weiter vor verschlossen Hallen stehen?"

Dabei gehe es ihm nicht nur um seine 15 Bundesligaturner. "Nein. Das ist nicht mein Gedanke. Natürlich gehören diese Jungs mit dazu, aber viel mehr denke ich an all die Breitensportler, die Reha- und Fitnesssportler, die Gesundheitssportler und eben auch die Leistungssportler… Sie alle bleiben weiterhin aus den Hallen ausgesperrt." So habe er auch die Aussage von DOSB-Präsident Hörmann keineswegs nachvollziehen können: "Er meinte, dass sich nun 27 Millionen Sportler freuen dürfen. Es ist aber de facto nur ein Bruchteil davon, der tatsächlich wieder Sport machen darf."

Längst lägen Konzepte vor, wie auch in anderen Sportarten wieder trainiert werden könnte: Schneider: "Training in Kleingruppen ohne jeglichen Körperkontakt ist doch überall machbar." Duschen zuhause, keine Treffen vor und nach dem Sport. Alles könne nach strengen Vorgaben erfolgen. Insgesamt gebe es viele Sportarten, die all diese Kriterien viel besser erfüllten als der Fußball.

Paul Schneider betont, dass er "keinen Angriffsritt auf den Fußball reiten" wolle. Ganz im Gegenteil: "Die Politik muss endlich auch für unsere Sportler entscheiden, die sich in den Hallen fit halten." Eine ganze Sportgesellschaft leide seit Monaten unter dem Lockdown und werde nun mit einer Entscheidung pro Bundesliga-Fußball an der Nase durch die Manege geführt.

Für den Gmünder Lokalpolitiker und Trainer steht fest: "Die Landesregierung mit Herrn Kretschmann an der Spitze, aber auch Frau Eisenmann als unsere zuständige Ministerin, müssen nachjustieren und einen geregelten Sportbetrieb zulassen." Unter Auflagen, selbstverständlich. "Aber das ist viel besser machbar als bei einem Kontaktsport wie dem Fußball." Am Ende, das habe sich jetzt wieder gezeigt, habe nur das Geld gesiegt. "Das muss sich ändern - und zwar schnell."

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