Krieg und Ilzhöfer: Traum von Olympia

Die beiden Kickerinnen haben bei der Futsal-WM für Gehörlose Bronze gewonnen. Auch wenn die Freude groß ist, wollen die beiden noch mehr erreichen.

Es war eine tolle Atmosphäre bei der WM", erzählt eine strahlende Sarina Krieg. Gemeinsam mit Nicole Ilzhöfer hat sie bei der Futsal-WM der Gehörlosen Bronze gewonnen. Doch die beiden träumen von mehr.

"Wir sind ein bisschen enttäuscht, dass wir nur das kleine Finale spielen durften. Eigentlich war unser Ziel der Titel", meinte Krieg angesichts des verpassten Finales. Gegen die späteren Weltmeisterinnen aus Brasilien verlor das deutsche Team mit 4:8. "In Brasilien hatten wir zum ersten Mal einen Gegner, der nicht nur verteidigte, sondern auch mutig in die Offensive ging. Das war für unsere Spielerinnen eine neue Erfahrung", benennt Benjamin Heymel, Technischer Leiter Futsal beim deutschen Gehörlosen Verband, die Stärke des Gegners.

Traum vom WM-Titel

Dennoch steht am Ende für die beiden Ostalb-Kickerinnen ihre erste WM-Medaille, die groß gefeiert wurde. "Es gab eine große Abschlussparty mit allen Teams", berichtet Krieg, die im Spiel um Platz drei nicht im Tor stand. Das war auch bei der 17-jährigen Ilzhöfer der Fall, die krankheitsbedingt ausfiel.

Diese Medaille soll jedoch erst der Beginn einer erfolgreichen Nationalmannschaftskarriere sein. "Der Traum, Weltmeister zu werden, ist sehr groß", sagt Ilzhöfer, die bereits bei der EM im letzten Jahr Silber gewann. Zudem würden sie auch gerne bei den Deaflympics teilnehmen. Das wird jedoch schwierig, denn Futsal ist noch kein Teil von Olympia für Gehörlose. "Der Verband stellt bei den Frauen nur eine Futsalmannschaft und bei den Herren lediglich ein Fußballteam", stellt Ralf Ilzhöfer, Vater von Nicole, den Sachverhalt dar und schiebt hinterher, "ich würde mir dort mehr Engagement vom DFB wünschen."

Kommunikation klappt gut

Krieg fing bereits früh mit dem Fußballspielen an. Seit 2005 tritt die 18-Jährige gegen den runden Ball, 2011 wechselte sie dann ins Tor. Erst in diesem Jahr fing die Bartholomäerin mit dem Futsal an, was ihre Nominierung nur noch eindrucksvoller macht. Ilzhöfer kam 2010 zum Fußball und entdeckte Futsal bereits 2015 für sich. Gemeinsam mit Krieg fährt die Essingerin einmal die Woche zum Training des GSG Stuttgart. Die Umstellung ist aber nicht groß. "Am Anfang ist es komisch, aber man gewöhnt sich schnell wieder dran", erklärt Krieg, die wie Ilzhöfer seit der Geburt gehörlos ist.

Der Traum, Weltmeister zu werden, ist groß.

Sarina Krieg, Futsal-Nationalspielerin

Die beiden Schülerinnen spielen aber auch Fußball auf der lokalen Ebene. Dort spielen sie für den 1. FC Stern Mögglingen in der Regionenliga. Die Kommunikation funktioniert dabei gut. "Ich habe zwei CI, mit dem ich alles verstehen kann", kann Krieg die Anweisungen ihres Trainers gut wahrnehmen. Etwas schwieriger ist es bei Ilzhöfer. "Nah kann ich alles gut hören, aber weit weg habe ich Probleme", erläutert die Torjägerin, die bei der Futsal-WM mit sieben Treffern die beste Torschützin ihres Teams war.

Ihr Trainer bei Mögglingen, Dominik Abele, hat wie das gesamte Team die beiden bei der WM verfolgt. "Wir freuen uns, dass sie bei der WM sind", sagte er vor dem Halbfinale. Zudem versprach er eine kleine Feier für die beiden in der Winterpause. Eine Aktion sorgte dabei für viel Freude bei den Futsal-Nationalspielerinnen. "Als wir angekommen sind, hat uns die Mannschaft mit einem Spalier empfangen. Das war sehr schön", freuten sich die beiden über den besonderen Empfang.

Große Ziele für 2020

Auf ihre nächstes Ligaspiel für Mögglingen müssen die beiden Ostalb-Kickerinnen noch etwas warten. Letztes Wochenende fand das letzte Spiel vor der Winterpause an, das sie mit 1:3 gegen den Tabellenführer, FV Sontheim/Brenz, verloren. Das nächste Spiel steht für den Tabellensechsten am 8. März 2020 an. Angesichts von zehn Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz zwei wird einer ihrer Träume im kommenden Jahr nur schwer realisierbar. "Wir möchten gerne Meister werden und Titel holen", haben die beiden ehrgeizige Ziele. Dabei wollen sie aber auch Spaß haben und Erfahrungen sammeln.

In den ersten beiden Monaten des Jahres gibt es aber einige Futsal-Turniere, wo die Träume der beiden wahr werden können. Zunächst wartet die Champions League, die vom 21. bis 25. Januar im italienischen Vigevano stattfinden. In Gruppe vier bekommen sie es dabei mit den Birmingham Ladies DFC, dem AS Tolosa aus Frankreich und den Italienerinnen vom PS Sordapicena zu tun. Im letzten Jahr wurden sie beim Heimspiel in der Stuttgart SCHARRENA Dritte, Ilzhöfer gewann mit 14 Tore die Torjägerkrone.

Zwei Woche später reisen sie zur deutschen Meisterschaft nach Berlin, wo sie mit der GSG an den Start gehen werden. Im letzten Jahr verpasste Ilzhöfer, die zur besten Spielerin des Turnier gekürt wurde, als Vierte nur knapp eine Medaille. Das will sie gemeinsam mit Krieg in diesem Jahr ändern. Auch hier träumen sie vom Titel, was angesichts der Konkurrenz nicht einfach wird. Die Top-Favoritinnen sind Anfang Februar die Spielerinnen des GTSV Essen, die die letzten fünf Titel gewannen. Das wird die ehrgeizigen Spielerinnen nur noch mehr anstacheln, träumen sie doch von vielen Titeln.

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