Kugelstoßen: „Lachendes und weinendes Auge“ bei Silas Ristl 

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Silas Ristl (LAC Essingen) beim Kugelstossen waehrend der Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Berlin auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor.
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Der Essinger Kugelstoßer zeigt in Berlin einen stabilen Wettkampf bei der deutschen Meisterschaft im Kugelstoßen, verpasst aber Bronze um einen Zentimeter.

Berlin. 19,38 Meter gleich im ersten Versuch, dazu noch Weiten von 19,21 und im fünften Anlauf 19,32 Meter: Mit seinem Wettkampf bei der deutschen Meisterschaft in Berlin kann Silas Ristl, Kugelstoßer des LAC Essingen, eigentlich sehr zufrieden sein. Und das ist er am Tag danach auch: „Es war der zweitbeste Wettkampf, den ich je gemacht habe“, sagt Ristl, der aber auch einräumt: „Trotzdem habe ich ein lachendes und ein weinendes Auge.“ 

Das lachende: 19,38 Meter sind die zweitbeste Weite, die ihm bisher gelungen sind. Nach seinem Traumstoß auf 19,83 Meter in Schönebeck Anfang Juni verbesserte er sich gegenüber seinem dritten Platz bei der Hallen-DM (19,24 m) und zeigte erneut, dass er in der deutschen Spitze kräftig mitmischt. Dennoch auch ein weinendes: Konkurrent Dennis Lukas stieß das Sportgerät in seinem besten Versuch einen Zentimeter weiter (19,39 m) und durfte sich deshalb über Edelmetall in Bronze freuen, während für Ristl der undankbare vierte Platz blieb. „Das ist schon hart, man bereitet sich ein Jahr lang vor für eine Stunde Performence – da ist ein Zentimeter wirklich gar nichts“, sagt Ristl, der aber auch dem Konkurrenten den Erfolg gönnt: „Bei der Hallen-DM in Leipzig war es genau umgekehrt, da hatte er einen Zentimeter weniger als ich.“

Im Vorfeld der deutschen Meisterschaft durfte sich Silas Ristl durchaus Hoffnungen auf eine Medaille machen. Schließlich war er als Fünfter der deutschen Jahresbestenliste angereist. Alle vier vor ihm liegenden hatten diese Saison schon über 20 Meter gestoßen, aber Christian Zimmermann kam in Berlin nicht in den Wettkampf und belegte mit 18,42 Meter nur Rang 10. Neben Lukas gelangen den beiden Führenden der Bestenliste dann auch weitere Stöße als Ristl: David Storl bewies die beste Form und steigerte sich von 19,98 über 20,00 auf die Siegweite von 20,32 Meter im Fünften. Sein zehnter DM-Titel. Rang zwei holte sich Simon Bayer im fünften Durchgang mit 19,49 und legte für Silber noch 19,94 Meter nach. 

Tolle Kulisse vor dem Brandenburger Tor

Silas Ristl hingegen zeigte vor der tollen Kulisse des Werferrings auf dem Pariser Platz direkt vor dem Brandenburger Tor einen stabilen Wettkampf mit Weiten klar jenseits der 19 Meter. Trotz der Sicherheit des guten ersten Wurfes gelang ihm diesmal aber kein Ausreißer nach oben. Die Analyse mit Trainer Artur Hoppe folgte prompt: „Ich habe technisch ein bisschen den Faden verloren, da haben sich kleine Fehler eingeschlichen, die dann gleich große Auswirkungen haben“, sagt Ristl. 

Dennoch überwiegen die positiven Eindrücke: „Ich bin als Fünfter angereist und Vierter geworden. Die Anlage war schön, es hat Spaß gemacht, dort zu stoßen.“ Bei Temperaturen um 30 Grad Celsius sei es aber auch ein sehr harter Wettkampf gewesen. „Danach gab es erstmal ein Kaltgetränk und ein Erfrischungsbad“, sagt Ristl, der die restlichen Wettbewerbe im Stadion verfolgte. 

Am Montag wieder zur Arbeit

„Am Montag früh muss ich dann wieder zur Arbeit. Das ist schon hart, man muss kucken, wie man über die Runden kommt“, sagt Ristl, der neben der Vollzeitarbeit täglich drei, vier Stunden trainiert, um in der deutschen Spitze mithalten zu können. „Aber ans Aufhören denke ich nicht, denn ich tue, was ich liebe“, sagt Ristl, der nun weitere Topresultate nachlegen will. „Es folgen noch ein paar schöne Meetings, auf die ich mich freue. Vor allem auf Biberach, da stoßen wir auf dem Marktplatz, und auf Bad Liebenzell, auf das Stoßen im Kurpark“, sagt Ristl, dem die große Bühne in Berlin als Auftakt in das DM-Wochenende gut gefallen hat. Man darf gespannt sein, welche Weiten dem 27-Jährigen im Saisonverlauf noch gelingen.    

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