Legale Trails bis runter in die Stadt

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In Aalen soll ein Trailnetz für Mountainbiker entstehen. Streckenbauer Linus Ott sagt, warum die Region dafür ideal ist.
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Die Stadt Aalen will in der Region ein Trailnetz erstellen und professionell ausbauen. Lizenzfahrer und Streckenbauer Linus Ott sagt, warum die Ostalb perfekt ist für dieses Vorhaben.

Aalen

Linus Ott spricht von einer Wunschvorstellung: einen Trail für Mountainbiker vom Braunenberg bis runter in die Stadt. Ganz so abwegig ist dieser Traum des erfahrenen Streckenbauers und Enduro-Rennsportlers gar nicht. Denn die Stadt Aalen will jetzt richtig Gas geben für die Radsportler. Eines der Vorhaben: ausgewählte Waldwege rund um die Kreisstadt zu legalisieren und auszubauen.

Linus Ott ist ein vielseitiger Typ. Er ist Student an der Hochschule Aalen. Parallel dazu ist der 24-Jährige Enduro-Lizenzfahrer. Und er arbeitet verstärkt als Streckenbauer. Als Mitglied von pumptrack.de. baut er Mountainbike-Trails. Das jüngste Projekt ist in Bartholomä entstanden. Auch in seiner Heimatstadt Ellwangen hat er drei Strecken errichtet - zwei Naturtrails und einen Flowtrail. „Die Resonanz ist brutal, teilweise kommen die Sportler aus Stuttgart, Ulm und Nürnberg.“ Nun hat Aalen ebenso diese Marktlücke erkannt, die Stadt hat mit Weltmeister Simon Gegenheimer und Weltcup-Siegerin Marion Fromberger vom MTB-Racingteam Aalen sogar zwei Mountainbike-Manager eingestellt. Entstehend soll neben anderen Projekten ein Trailnetz in der Region.

Wo sind die besten Plätze?

„Die Gegend hier ist perfekt“, sagt der Weltmeister höchstpersönlich. Ott stimmt ihm zu. „Der Höhenunterschied ist genau richtig: Man kann angenehm hochfahren und hat gute Abfahrtsmöglichkeiten. Diese Kombi ist der perfekte Grundstein für ein Trailnetz.“ Der Streckenbauer denkt an den Braunenberg, wo es bereits zahlreiche Naturtrails gibt. „Auch das Gebiet ums Aalbäumle ist nicht uninteressant“, sagt Ott, der vor allem die gute Anbindung an die Stadt als Vorteil sieht. Und natürlich den dortigen Skilift, der für die Radfahrer umfunktioniert werden könnte.

Welche Arten von Trails gibt es?

Linus Ott nennt drei: Naturtrails, Flowtrails und Jumptrails. Die Naturtrails gehen - wie der Name sagt - übers bestehende Gelände. Flowtrails werden speziell als Strecken für Mountainbiker angelegt und sind flüssig befahrbar. Beim Jumptrail steht vor allem eines im Vordergrund: das Springen.

Wie lange sind Trails?

Zweieinhalb bis drei Minuten Fahrzeit seien für einen Trail ideal. Und das gebe die Topographie her. „Abfahrten zwischen 800 Metern und 1 Kilometer sind immer drin, und mit entsprechenden Kurven lässt sich einiges an Strecke noch herausholen“, sagt Ott, dessen Traumvorstellung ein Trail vom Braunenberg runter in die City ist. „Das wäre der längste Trail in der Gegend und zudem umsetzbar.“ Und: „Davon würde die gesamte Innenstadt profitieren.“

Welche Charakteristik gibt es?

Die Flowtrails sollen so flach wie möglich sein. „Die Geschwindigkeit muss stets beherrschbar sein.“ Denn: „Das Tempo ist der größte Feind.“ Auch für den Streckenbauer: „Wenn viel gebremst wird, geht die Strecke schneller kaputt.“ Naturtrails dagegen sind steiler, es geht über Wurzeln. „So wie der Boden eben beschaffen ist.“ Wichtig ist Linus Ott dabei, dass „dass der Charakter der vorhandenen Trails bestehen bleibt“. Jumptrails bieten eine Vielzahl an Sprungmöglichkeiten. „Die Kids wollen heute durch die Luft fliegen.“ Ott achtet dabei auf die Sicherheit.

Für wen sind die Trails?

„Für jeden!“ Linus Ott ist wichtig, dass sowohl die Anfänger als auch Profis wie er oder Simon Gegenheimer Spaß haben können. Dass auch E-Biker und Kinder berücksichtigt werden. Deshalb sind unterschiedliche Trails mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden geplant. Der Streckenbauer nennt in dem Zusammenhang ein Negativbeispiel. „In Stuttgart seien viel zu einfache und damit unattraktive Trails gebaut worden. Die Folge: Die Biker gehen wieder auf die illegalen Wege.“ Eines hat der 24-jährige Enduro-Lizenzfahrer festgestellt: dass sich das Niveau unter den Radfahrern in den vergangenen Jahren enorm gesteigert hat. „Das liegt sicherlich an der Technologie, aber auch an den Fahrern selbst.“

Welche Materialien sind nötig?

Bei flachen Trails arbeitet der Streckenbauer mit dem vorhandenen Untergrund. „Da wird die Erde entsprechend verarbeitet.“ Das gilt vor allem für die Naturtrails. Bei den Flowtrails kommen Schotter und Brechsand zum Einsatz. „Das dient der Stabilität und Haltbarkeit. Ohne diese Materialien ist der Pflegeaufwand viel größer.“ Bei den Jumptrails achtet Ott auf die Beschaffenheit der Hindernisse. Holz beispielsweise sei zu teuer und außerdem nicht lange haltbar.

Wie entsteht ein Trail?

„Die Planung“, sagt Ott, „ist das Herzstück eines Trails.“ Und: „Wenn ich durch den Wald spaziere, hören meine Ideen gar nicht mehr auf. Dabei achte ich vor allem darauf, dass ich mit der Natur und nicht gegen die Natur arbeite. Dass ich so wenig wie möglich in die Natur eingreife.“ Der Streckenbauer beginnt damit, dass er mit einem GPS-Gerät durch das vorgesehene Gelände läuft. „Da bin ich tagelang unterwegs, schaue mir die Hänge ganz genau an.“ Diese Daten werden ausgewertet. Erst dann geht die Arbeit mit einem Bagger los („Ohne Maschinen geht es heute nicht mehr“). Dieser legt die Rohtrasse an, die an den Hang angepasst wird. Den Bagger fährt Ott inzwischen selbst, weil er das Auge für den Trailbau hat.

Wie lange dauert der Bau?

Das ist je nach Streckenlänge unterschiedlich. Linus Ott nennt aber ein Beispiel: „Für den Flow- und Jumptrail in Bartholomä haben wir 12 Tage gebracht, dabei wurden wir aber extrem vom Verein unterstützt.“ Dass Vereine hinter den Projekten stehen, ist auch in Aalen der große Wunsch. „Da geht es um die Instandhaltung der Trails. Und letztendlich auch um die Identifikation.“ Die beiden städtischen Mountainbike-Manager Simon Gegenheimer und Marion Fromberger sind da schon aktiv geworden: „Wir haben uns bereits mit einigen Vereinsvorständen abgesprochen und erhalten hier absolute Rückendeckung, um eine Vereins-Bike-Allianz für Aalen schmieden zu können“, sagt Fromberger.

Was sagen Naturschützer?

Linus Ott hat vollstes Verständnis für die Bedenken der Naturschützer. Dies ist ein großes Thema bei seinen Arbeiten: dass die Natur nicht zu schaden kommt. Und: „Wenn der Trail fertig ist, sieht niemand mehr, dass ich mit dem Bagger drin war. Da ist keine Baggerspur mehr sichtbar.“ Ihm gehe es stets darum, dass man mit allen Beteiligten Lösungen findet.

Welche Vision gibt es?

Ein Streckennetz rund um Aalen. Die Entwicklung der Trails ist ein anhaltender Prozess. Am Ende sollen verschiedene Touren angeboten werden. Linus Ott denkt an Strecken mit 20 bis 30 Kilometern Länge und rund 1000 Höhenmetern. „Solche Mountainbikerunden beinhalten dann fünf bis acht Trails.“ Diese Touren sollen anhand von Wegenetzen und Apps von jedem abgerufen werden können.

Linus Ott ist ein Späteinsteiger im Radsport. Der 24-Jährige hat zunächst Fußball und Schlagzeug gespielt und wechselte erst 2012 aufs Mountainbike. Umso steiler ging die Karriere nach oben. Ott ist heute Lizenzfahrer bei Enduro-Mountainbike-Rennen. Seit 2018 ist der Ellwanger bei pumptrack.de und arbeitet als professioneller Streckenbauer.

Knapp drei Minuten Fahrzeit sind ideal.“

Linus Ott, Streckenbauer und Endurofahrer
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